Südsudan: Hebammen dringend gesucht

Jedes Jahr sterben 10.000 Mütter bei der Geburt

Von Andrew Green | 03.04.2012

Juba. Bei der Müttersterblichkeit hält Südsudan einen traurigen Rekord. In keinem anderen Land der Welt enden Schwangerschaft und Geburt mit dem Tod so vieler Frauen wie in der jungen afrikanischen Republik. Weil hier Fachkräfte fehlen, die für Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe sorgen, sterben nach Schätzungen des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) jährlich 10.000 Frauen. Bei 76.000 Südsudanesinnen treten Komplikationen mit oft lebenslangen Gesundheitsschäden auf.

Angesichts dieser Notlage setzt die Regierung im Rahmen ihres im Aufbau befindlichen Gesundheitssystems auf die Ausbildung von Hebammen, die überall im Land in den Gesundheitsstationen und Krankenhäusern dringend benötigt werden. Eine vor drei Jahren durchgeführte Zählung ergab, dass der Gesundheitsdienst landesweit weniger als 150 Hebammen beschäftigte. In Südsudan leben mehr als acht Millionen Menschen, die meisten in entlegener ländlicher Umgebung.

Die meisten werdenden Mütter verlassen sich auf den Beistand traditioneller Geburtshelferinnen und Heilerinnen. Auch Martha Borete Angela hat ihre zwei Kinder ohne fachmedizinische Hilfe auf die Welt gebracht. Jetzt nimmt die 28-jährige Mutter an einem dreijährigen Ausbildungsprogramm für Hebammen teil, das das katholische Ausbildungsinstitut für Gesundheitsberufe in der westlichen Stadt Wau anbietet. "Ich wusste nichts von Hebammen und ging zu einer traditionellen Geburtshelferin", berichtete sie. "Falls ich jedoch noch ein Kind bekomme, werde ich meiner Gemeinde ein gutes Beispiel geben und eine Hebamme um Hilfe bitten", versicherte Angela.

Wenige Ausbildungsmöglichkeiten

Bislang gibt es in Südsudan nur drei anerkannte Ausbildungsprogramme für Hebammen. Neben dem Institut in Wau engagieren sich die 'Maternal, Newborn & Child Initiative' (MNCSI) des Allgemeinkrankenhauses von Massachusetts und die Hilfsorganisation 'International Rescue Committee' (IRC) in der Hebammenausbildung und der medizinischen Geburtsvorsorge.

Der für Südsudan zuständige MNCSI-Koordinator Alaa El-Bashir hält wenig von unqualifizierten Geburtshelferinnen. "Entweder sind es Nachbarinnen, die sich zum Heilen berufen fühlen, oder sie haben ihren Job bei anderen gelernt", meinte der kritische Aktivist. Deshalb bemüht sich seine Einrichtung, die Fachkenntnisse von vor Ort eingesetzten Helfern durch Fortbildung zu verbessern. Sie sollen lernen, wie man mögliche, bei der Geburt auftretende Komplikationen rechtzeitig erkennt. Zur Grundversorgung Gebärender werden sie zudem mit einem Erste-Hilfe-Beutel ausgerüstet, der Scheren, Handschuhe und eine Schnur zum Abbinden der Nabelschnur enthält.

MNCSI ergänzt derzeit die Geburtsvorsorge durch ein einfaches Gerät, das nach der Geburt auftretende schwere Blutungen solange stoppt, bis die Patientin fachmedizinische Hilfe erhält. "Damit retten wir Leben", sagte El-Bashir.

"Geburtsrisiken sind nicht immer voraussehbar. Deshalb sollten alle Schwangeren die Möglichkeit haben, ausgebildete Fachkräfte zu erreichen", betonte Susan Pursin, Regionaldirektorin des International Rescue Committee. Die Aufklärungsaktionen ihrer Organisation richten sich deshalb nicht nur an werdende Mütter, sondern auch an Väter, traditionelle Geburtshelferinnen und ortsansässige Taxifahrer.

IRC arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Gesundheitsvorsorge in der Region, aus der inzwischen ein autonomer Staat geworden ist. Fünf der von ihr betreuten 30 Gesundheitszentren im Norden und Westen Südsudans bieten auch Hilfe bei Schwangerschaft und Geburt an.

Leben retten

"Wenn man werdenden Mütter mit fachlicher Hilfe und geeignetem Gerät zur Seite stehen kann, rettet man Leben", betonte Purdin. Es werde aber noch lange dauern, bis in Südsudan genügend medizinische Einrichtungen und qualifizierte Hebammen verfügbar sind, stellte die Aktivistin fest.

Die Hebammenschülerinnen im katholischen Ausbildungsinstitut von Wau wissen, dass man in der Geburtshilfe ihres jungen Landes noch lange auf traditionelle Heilerinnen angewiesen ist. Deshalb werden sie darauf vorbereitet, einheimische Helferinnen nicht nur fortzubilden, sondern bei der eigenen Gemeindearbeit auch deren Rat einholen. (afr/IPS)

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