Südsudan: 'Hart arbeiten'

Hip-Hop-Musiker werben für Versöhnung und Frieden durch Landwirtschaft

Von Adam Bemma | 08.09.2014

Juba. "Was hilft es, wenn Kinder vor Hunger weinen und die Menschen sterben? Tränen sind überflüssig, wenn die Möglichkeit besteht, den Boden zu beackern", singt die Band 'Jay Family' aus Juba, der Hauptstadt des Südsudans. Und auf Englisch reimt sich das sogar. Die Musiker wollen mit ihren Songs Jugendliche für die Landwirtschaft begeistern.

Das neue Video zur neuesten Single 'Stakal Shedit', was auf Arabisch 'hart arbeiten' bedeutet, zeigt Jay Boi, Jonio Jay und Yuppie Jay in sportlichen Jeansoveralls und Gummistiefeln und Gartenhacken auf ihren Schultern. Es soll Jugendliche motivieren, auf dem Feld zu arbeiten, um die Ernährungsunsicherheit in dem jüngsten Land der Welt zu bekämpfen. Landwirtschaft ist das Rückgrat dieses Staates", sagt der 23-jährige Jay Boi. "Die Böden im Südsudan sind fruchtbar. Trotzdem wird Nahrung in Lastwagen aus dem Ausland angekarrt."

Laut der Weltagrarorganisation FAO ist die Nahrungsversorgung von ungefähr 3,5 Millionen Südsudanesen erheblich beeinträchtigt. Somit ist etwa jeder dritte Einwohner betroffen, und das Land steht am Rand einer Hungersnot.

"Auch ich bin ein Bauer"

Die Jay Family kommt aus Yei, etwa 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Juba. Die Gruppe formierte sich 2010, um die Musik des Südsudans in ganz Ostafrika und darüber hinaus zu verbreiten. "Unsere Musik ist von Hip-Hop, Reggae und Afro-Tanzmusik inspiriert", erklärt der 23-jährige Yuppie Jay. "Auch ich bin ein Bauer und habe von meinem Onkel gelernt, unterschiedliche Nutzpflanzen zu züchten."

Das Video von Stakal Shedit wurde auf dem Gelände der Gefängnisfarm Rajaf nahe der Hauptstadt gedreht. Man sieht darin auch, wie Häftlinge auf den Feldern arbeiten. "Von ihnen haben wir gelernt, wie man sät. Auf dem Video ist zu sehen, wie wir Mais, Okraschoten, Tomaten, Karotten und Maniok anbauen", sagt der Manager der Band, Stephen Lubang.

In einer Szene sitzen junge Männer um einen Tisch, spielen Karten und trinken Alkohol. Dann folgt ein Schnitt – die Jay Family singt auf dem Farmgelände. "Gib der Regierung keine Schuld, wenn du selbst etwas tun kannst. Pflanze!"

Pflügen statt jammern

Die Band appelliert an Südsudanesen, von der Gewalt abzukehren und sich der Landwirtschaft zuzuwenden, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und ein Einkommen zu erwirtschaften. In ihrem Song geht es auch darum, wie etwa der schlechte Zustand der Straßen Menschen davon abhalten kann, sich als Kleinunternehmer selbständig zu machen.

"Die jungen Leute hier sitzen meist herum und klagen darüber, dass es keine Jobs gibt. Wenn ihr wollt, dass die Regierung euch hilft, fangt an, die Felder zu bestellen", sagt Lubang. "Dann könnt ihr auch nach Unterstützung fragen."

Im vergangenen Mai startete eine Gruppe aus zwölf südsudanesischen Künstlern einen Friedensaufruf, als in Juba bekannt wurde, dass der britische Journalist Levison Wood 6.000 Kilometer den Nil entlang bis nach Juba zu Fuß zurückgelegt hatte. 'Let's stand together' wurde von 'South Sudan All Stars' aufgenommen. Staats- und Regierungschefs werden in dem Song aufgefordert, sich bei den Friedensgesprächen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba miteinander zu versöhnen.

'Silver X', ein 26-jähriger Musiker aus dem Südsudan, hat das Stück geschrieben. Mit seiner Familie war er im Jahr 2000 aus der Stadt Torrit vertrieben worden. Vor vier Jahren kehrte er aus einem Flüchtlingslager in Uganda an seinen Geburtsort zurück, um seine Musikerkarriere in Gang zu bringen und der jungen südsudanesischen Musikindustrie einen Schub zu geben.

Ethnien aussöhnen

"Als vor kurzem wieder Kämpfe begannen, waren wir alle in unterschiedlicher Weise davon betroffen. Ich beschloss, mit Künstlern verschiedener Ethnien ein Lied zu schreiben", sagt er. "Wenn die Politiker sehen könnten, wie die Jugend des Landes nach Frieden schreit, könnten sich die Dinge langsam ändern."

Der Radiojournalist Moro Lokombu moderiert bei dem von den Vereinten Nationen betriebenen Sender 'Miraya' das Musikmagazin 'The Beat', das sich auf südsudanesische Musik konzentriert. "Wir müssen den Frieden durch die Musik unseres Landes voran- und diese zuerst den Südsudanesen nahebringen", erklärt er. "In meinem Programm spiele ich 'Stakal Shedit' und 'Let's stand together', weil die Songs eine starke Botschaft vermitteln."

Am 16. Juni starteten Jay Family und Silver X in Juba die landesweite Kampagne 'Musik gegen den Hunger'. Im September sind Veranstaltungen in den im Süden gelegenen Städten Nimule und Yei geplant. Weitere Events sollen folgen.

"Wir beginnen mit zwei Konzerten in zwei Bundesstaaten, hoffen aber in allen zehn Staaten auftreten zu können", sagt Lubang. "Lasst uns hart arbeiten, um den Krieg zu beenden und unser Land weiterzubringen. Die Zukunft des Südsudans hängt von seinen Jugendlichen ab - Hunger ist etwas, gegen das wir kämpfen können." (afr/IPS)

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