Südsudan: Ein hartes Stück Arbeit

Kindersoldaten sollen ins zivile Leben zurückkehren

Von Andrew Green | 24.04.2012

Juba. Wenn alles planmäßig verläuft, werden die Vereinten Nationen den jungen Staat Südsudan in zwei Jahren von der Liste der Länder streichen können, in denen immer noch Kindersoldaten rekrutiert und eingesetzt werden. Die südsudanesische Armee, auch bekannt als SPLA, hat nach dem Scheitern einer ersten Initiative eine neue Agenda zur Demobilisierung der auf 2.000 geschätzten Kindersoldaten erarbeitet und unterschrieben.

In den Reihen der SPLA selbst sind zwar keine Jugendlichen mehr anzutreffen, wohl aber bei den von ihr geduldeten Milizen. Sie sollen nun die Kindersoldaten entlassen, damit diese ins zivile Leben zurückkehren können. Unterstützung erhalten sie vom Weltkinderhilfswerk UNICEF, das ihnen den Schulbesuch oder eine berufliche Ausbildung ermöglichen will.

Auch wenn die Demobilisierung aller Kindersoldaten nach zwei Jahren abgeschlossen sein soll, wird deren soziale Integration weit mehr Zeit und große Anstrengungen in Anspruch nehmen.

Wie Fatuma H. Ibrahim, Leiterin der UNICEF-Kinderschutzabteilung im Südsudan erklärte, müsse zunächst der Ablauf der formellen Demobilisierung kontrolliert und sichergestellt werden. Sie berichtete, dass die jungen Kämpfer im Alter von zwölf bis 18 Jahren zunächst zivile Kleidung erhalten und eine von Sozialarbeitern begleitete Gruppentherapie durchlaufen müssten. Sie sollten versuchen zu begreifen, warum sie sich den Milizen angeschlossen hätten und über die ihnen angetane Gewalt sprechen können.

Rund ein Prozent dieser jungen Menschen benötige eigentlich eine psychiatrische Behandlung, betonte Ibrahim. "Doch wegen des Mangels an Facheinrichtungen und Experten beschränkt sich die Behandlung meistens auf die Verordnung von Medikamenten."

Auch die Familien der jungen Ex-Milizen werden in das Resozialisierungsprogramm eingebunden. Sozialarbeiter sollen mit ihnen sprechen, damit sie ihre verlorenen Kinder bereitwillig aufnehmen und sie davon abbringen, sich abermals Milizen anzuschließen. Nachdem UNICEF und Partnerorganisationen ihre Entlassung aus der regulären Armee erreicht hatten, liefen viele von ihnen zu den Milizen über, weil diese sie und ihre Familien mit etwas Geld unterstützten.

Ibrahim betonte, es werde nicht leicht sein, die ehemaligen Kindersoldaten von den Chancen zu überzeugen, die sich ihnen nach der Entlassung aus den Kampfgruppen bieten. "Die Jüngeren werden zur Schule gehen, und wer sich etwa zum Zimmermann ausbilden lässt, wird in den schnell wachsenden Städten des Landes Arbeit finden", sagte die UNICEF-Vertreterin. UNICEF und andere Organisationen arbeiteten derzeit auch an Projekten, die jungen Leuten eine bescheidene landwirtschaftliche Existenz etwa als Ziegenzüchter ermöglichen sollen.

"Der Druck der Liste hat gewirkt"

Am 16. März war der neue Aktionsplan Südsudans zur Resozialisierung der Kindersoldaten vom Verteidigungsministerium sowie von Vertretern der UN-Friedensmission im Sudan (UNMISS), von UNICEF und der Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für Kinder und bewaffnete Konflikte, Radhika Coomaraswamy, unterzeichnet worden.

Nach Angaben Coomaraswamys werden Kindersoldaten vor allem in den immer wieder umkämpften Regionen im Norden Südsudans eingesetzt. Sie betonte, die neuerliche Zusage der Regierung in Juba, alle Kindersoldaten aus militärischen Gruppen zu entfernen, gehe nicht zuletzt auf den Druck internationaler Partnerorganisationen zurück. Die UN hätten den Südsudan wegen seiner Kindersoldaten zwar keinen Sanktionen ausgesetzt. Doch auch die Aussicht, nach zwei Jahren von der Liste der Länder gestrichen zu werden, die wie die Demokratische Republik Kongo, Myanmar (Burma) oder Somalia weiterhin Kinder zum Militärdienst zwingen, habe wohl ihre Wirkung nicht verfehlt. (afr/IPS)

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