Südsudan: Ärzte auf verlorenem Posten

Leishmaniose in Jonglei auf dem Vormarsch

Von Grit Porsch | 24.05.2012

Berlin. Im staubigen Hof der Klinik von Old Fangak im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei warten Patienten dicht gedrängt auf eine Leishmaniose-Untersuchung. Weil passierbare Straßen fehlen, haben viele eine mehrtägige Bootsfahrt hinter sich gebracht, um sich helfen zu lassen. Die Gefahr einer Infektion ist groß. Der größte und mit 1,4 Millionen Menschen bevölkerungsreichste Bundesstaat erlebt derzeit den schlimmsten Ausbruch der Krankheit, die auch Kala Azar oder Schwarzfieber genannt wird.

Im vergangenen Jahr behandelte das Hospital, in dem es weder Strom noch fließendes Wasser gibt, etwa die Hälfte der 11.000 registrierten Leishmaniose-Patienten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beeilt sich, Orte wie Old Fangak rechtzeitig mit genügend Medikamenten zu versorgen, bevor die Straßen in der Regenzeit unpassierbar werden. Die Kosten für das besonders wirksame 'Ambazon' liegen pro Patient zwischen 500 und 600 US-Dollar – ohne die hohen Transportkosten.

Doch wegen der Armut der meist stark unterernährten und damit besonders gefährdeten Patienten stehen die Ärzte in der Region auf verlorenem Posten. "Die Lebensbedingungen im Südsudan werden derzeit immer schwieriger", stellte Abdi Nasir, Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten bei der WHO, fest. "Es gibt keine gesicherte Nahrungsmittelversorgung, viele Menschen sind obdachlos."

Der Gemeindehelfer George Kam Kong sagte gegenüber dem UN-Informationsdienst IRIN: "Die Menschen, die vor den andauernden Konflikten aus ihren Dörfern fliehen, müssen notdürftig bekleidet schutzlos unter Bäumen ohne Moskitonetze leben und werden von Insekten gebissen."

Krankheit der Armen

"Wir haben Fälle von Kala-Azar-Patienten dokumentiert, die zwei Wochen nach Ausbruch der Krankheit gestorben sind", berichtete die US-amerikanische Ärztin Jill Seaman gegenüber IRIN. Seit 1989, als die Hälfte der regionalen Bevölkerung die Krankheit nicht überlebte, verbringt sie einen Teil des Jahres in Old Fangak, um zu helfen. "Wenn man Abend für Abend beobachtet, wie die bis aufs Skelett abgemagerten Kranken hierher kommen, um sich behandeln zu lassen, dann fühlt man sich dieser Gemeinde verbunden."

"Ohne ordentliche Ernährung wird man Kala Azar nicht los, die Krankheit bricht immer wieder aus", erläuterte Seaman. 2011 habe es in der Region erhebliche Ernteausfälle gegeben. Zudem hätten marodierende Milizen die Vorratslager geplündert. "Wir brauchen dringend Nachschub, doch das Welternährungsprogramm (WFP) hat Probleme mit der Versorgung. Die Belieferung mit 'Plumpy Nut', einer energiereichen Erdnussbutterpaste zur Behandlung akuter Unterernährung, wurde ganz eingestellt", erklärte die Ärztin.

"Kala Azar ist eine Krankheit der Armut, deshalb wird man sie an einem solchen Ort nicht los", erläuterte sie weiter. "Wir müssen etwas gegen die Armut tun, dafür sorgen, dass die Menschen in einer geschützten Umgebung schlafen können und genug zu essen haben. Denn Unterernährung beschleunigt den Ausbruch der Krankheit." (afr/IPS)

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