Südliches Afrika: Wasser ohne Grenzen

Versorgungsprojekt für 700.000 Anlieger

Von Absalom Shigwedha | 19.06.2012

Windhuk. Gute Fortschritte bescheinigen Beobachter einem südwestafrikanischen Entwicklungsprojekt, das in den regenarmen Grenzregionen zwischen Südangola und dem benachbarten Namibia die Wasserversorgung von rund 700.000 Einheimischen verbessern soll.

Das 'Kunene Transboundary Water Supply Project' (KTWSP) gilt als beispielhaft für eine gelungene grenzübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC). Finanziert wird das Vorhaben, in das bislang gut 35 Millionen US-Dollar geflossen sind, von den Regierungen Angolas und Namibias mit Unterstützung Australiens, Deutschlands und Großbritanniens. Teil des Vorhabens ist die Instandsetzung des im 27-jährigen Bürgerkrieg erheblich beschädigten Calueque-Staudamms in Südangola.

Wie der für Namibias Wasserversorger 'Nam Water' arbeitende Ingenieur Kuiri Tjipangandjara berichtete, der auch dem Vorstand des KTWSP angehört, hat man in Südangola mit dem Bau einer neuen Wasserleitung zwischen den Städten Xangongo und Ondjiva begonnen.

An ihrem Verlauf sollen auch diverse Kleinstädte und Dörfer wie Namacunde, Santa-Clara und Chiedi mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Entwürfe für ein solches Verteilernetz sind bereits in Arbeit. Ebenso Pläne für eine Pipeline, die von Santa-Clara aus die namibische Stadt Oshakati mit beträchtlichen Wassermengen versorgen soll.

"Bislang gibt es hier nichts dergleichen", betonte Tjipangandjara. "Es wird allerdings einige Zeit dauern, bis die Anlage und weitere Teile des Versorgungsnetzes gebaut werden können."

An den zunächst erforderlichen Entwürfen und Machbarkeitsstudien müssen sämtliche an dem Projekt beteiligte Parteien mitarbeiten.

Auch wenn es sich dabei um eine staatliche Wasserversorgungsanlage handele, lasse sich noch nicht absehen, ob sie nicht wie Nam Water auf Basis einer Kosten-Nutzen-Rechnung betrieben werde, meinte Tjipangandjara. "Jedes Land muss über seine Wasserpolitik selbst entscheiden, die sich an der Realität und an der Geschichte zu orientieren hat", erklärte der namibische Experte.

Pipeline soll Trinkwasserkanal ersetzen

Der nächste Abschnitt des die Ländergrenzen überschreitenden Wasserprojektes sieht vor, den 150 Kilometer langen offenen Kanal, der zwischen Calueque und dem namibischen Oshakati verläuft, durch eine Pipeline zu ersetzen. Tjipangandjara zufolge wird der Kanal während der Regenzeit häufig überflutet. Zudem würden sich Anlieger immer wieder ohne Erlaubnis dieser Trinkwasserressource bedienen und die Uferböschung beschädigen.

Der Ingenieur, der die Umbaupläne befürwortet, beruft sich dabei vor allem auf den durch die Verdunstung entstehenden hohen Wasserverlust. "Derzeit verdunsten 76 Prozent des Wassers, das wir von Calueque aus in den Kanal pumpen", sagte er.

Von solchen Plänen will Modestus Amutse nichts wissen. Das Mitglied des Gemeinderates von Oshikuku in der Region Omusati, durch die der Kanal fließt, befürchtet von einer Pipeline erhebliche Nachteile für die am Ufer des Kanals lebenden Dorfbewohner. "Das KTWSP ist eine gute Initiative, doch wird sie das nur bleiben, wenn sie auf die Bedürfnisse der Menschen Rücksicht nimmt", erklärte er. "Wenn aus dem Kanal eine geschlossene Leitung wird, können die Anlieger nicht mehr wie bisher ihr Vieh tränken und ihre Gärten bewässern", warnte er.

Im offenen Kanal verdunste zwar viel Wasser, räumte Amutse ein. "Doch hier leben viele Menschen, die keine Arbeit haben und es sich nicht leisten können, für Wasser aus einer öffentlichen Zapfstelle zu bezahlen", stellte der Gemeindevertreter fest.

Doch Tjipangandjara ist gegen die Selbstbedienung der Kanalanlieger. "Nam Water lehnt diese Praxis ab", betonte er.

Seit Beginn des KTWSP-Projektes habe man in Namibia und Angola viel über eine Verbesserung der Wasserversorgung gelernt und bemühe sich um einen Ausbau der Wasserwirtschaft im Kunene-Becken, berichtete er. Dazu gehöre auch die Erschließung von dringend benötigten Infrastrukturhilfen. (afr/IPS)

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