Südliches Afrika: Wachsende Gefahr durch Aflatoxine

Hohe Verluste für Landwirtschaft durch krebserregende Pilzgifte

Von Busani Bafana | 02.12.2015

Bulawayo. Durch krebserregende Aflatoxine kontaminierte Lebensmittel sind laut neueren Forschungen eine wachsende Gefahr für den Handel, die Ernährung und die Gesundheit in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Kleinbauern stehen unter dem Druck, sichere Nahrungsmittel zu produzieren und sich zugleich den Folgen des Klimawandels anzupassen.

Erdnußernte in MalawiDie hohe Konzentration von Aflatoxinen beeinträchtigt in Malawi die Produktion von Erdnüssen in Malawi, einem der wichtigsten Exportgüter des Landes (Bild: Busani Bafana/IPS).

Die giftigen Aflatoxine werden durch grüne Schimmelpilze verursacht, die auf natürliche Weise in den Böden vorkommen. Wichtige Grundnahrungsmittel im südlichen Afrika wie Mais, Kassava, Hirse, Yams, Reis sowie Erd- und Cashewnüsse sind in erheblichem Maß davon betroffen.

Laut dem International Institute of Tropical Agriculture (IITA), einer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Nigeria, ist die Aflatoxine-Kontamination ein wesentliches Hindernis bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Afrika. Viele Kleinbauern seien aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, einen Pilzgiftbefall der von ihnen produzierten Lebensmitteln zu verhindern, erklärte IITA, das auf dem Gebiet bahnbrechende Studien vorweisen kann.

Gesundheitssektor überlastet

Im Handel mit Grundnahrungsmitteln, vor allem mit Mais und Erdnüssen, verliert Subsahara-Afrika aufgrund der Kontamination mit Aflatoxinen jährlich Einnahmen in Höhe von mehr als 450 Millionen US-Dollar, wie Forscher erklärten. Erkrankungen von Menschen, die unwissentlich verseuchte Lebensmittel zu sich nehmen, kosten die Region, deren Gesundheitseinrichtungen überfordert sind, demnach Millionen von Dollar.

Der Bevölkerung des Kontinents drohen durch die Aflatoxine eine Schwächung des Immunsystems, Leberkrebs sowie Missbildungen bei Kindern. Nach Erkenntnissen des Weltkinderhilfswerks UNICEF leiden etwa 40 Prozent der Kinder in Afrika an Wachstumsstörungen und Beeinträchtigungen bei der Gehirnentwicklung.

Laut Wissenschaftlern begünstigen hohe Temperaturen und Dürre das Wachstum des Schimmelpilzes. Viele Menschen im südlichen Afrika sind aufgrund unsicherer Anbaumethoden und Mangelernährung durch Aflatoxine gefährdet. Infolge des Klimaawandels steigen die Kontaminationsrisiken inzwischen in der Erntezeit, nachdem Niederschläge außerhalb der Regensaison den Feuchtigkeitsgehalt der Böden erhöht haben.

"Der Klimawandel wird voraussichtlich einen tiefgreifenden Einfluss auf die Aflatoxin-Kontamination von Äckern haben", sagte der Pflanzenpathologe Joao Augusto von IITA: "Jeder Rückgang bei den Niederschlägen und der Anstieg der Temperatur können das Problem weiter verschärfen."

Biologische Kontrollmethoden entwickelt

Im Jahr 2009 hatten die African Agricultural Technology Foundation (AATF), das Argiculture Research Service des United States Department of Agriculture (USDA-ARS) und weitere Partner eine biologische Waffe namens Aflasafe entwickelt, um Mais und Erdnüsse vor den Pilzgiften zu schützen. Aflasafe ist eine Kombination von vier Formen des einheimischen Schimmelpilzes 'Aspergillus flavus', die keine Gifte produzieren. Diese Mischung wird in die Ackerböden eingepflanzt, wo sie eine Ausbreitung der giftproduzierenden Pilze verhindern sollen.

Derartige Forschungen begannen in Nigeria, wo Aflasafe heute eine eingetragene Handelsware ist. Länderspezifische Biokontrollprodukte wurden seit 2008 in Kenia, Burkina Faso, im Senegal, in Gambia und Sambia getestet und eingeführt. In allen sechs Ländern haben Bauern laut IITA eine 99-prozentige Reduzierung des Aflatoxine-Befalls auf Mais- und Erdnussplantagen erreicht.

Auf globaler Ebene konnte die Gefährdung durch Aflatoxine durch eine Verstärkung der staatlichen Lebensmittelsicherheitskontrollen eingedämmt werden. In Afrika werden diese Kontrollen aber offensichtlich nicht konsequent genug durchgeführt. Kleinbauern in der Region bevorzugen bisher traditionelle Lagermethoden und den Einsatz von Pestiziden gegen Rüsselkäfer. Dennoch verlieren sie einen großen Teil der eingelagerten Ackerfrüchte.

International gefördertes Projekt in Simbabwe

Im Simbabwe arbeiten die University of Zimbabwe und die Organisation Action Contre La Faim inzwischen mit Landgemeinden in zwei Distrikten an einer Verbesserung der Lagerungspraktiken, um Kontaminierungsrisiken im Maisanbau zu senken.

Das auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt wird von dem Programm Cultivate Africa's Future (CultiAF), einer von dem Internationalen Zentrum für Entwicklungsforschung IRDC der Regierung Kanadas sowie dem australischen Zentrum für Internationale Agrarforschung unterstützten Initiative durchgeführt. Im Rahmen des Projekts soll auch untersucht werden, wie hoch die Gefährdung für Frauen und Kinder ist. Den simbabwischen Bauern wurden bereits Metallsilos und dicke Plastiksäcke zur Aufbewahrung von Mais bereitgestellt.

Die Bauern im Afrika südlich der Sahara haben bisher keine angemessenen Hilfsmittel, um ihre Ernten zu trocknen. Die meisten Mais- und Erdnussfarmer lassen die Pflanzen vor der Ernte auf den Äckern austrocknen. Manchmal werden die Ernten auch eingelagert, wenn die Früchte noch feucht sind. Dadurch werden sie anfällig für Pilzgiftbefall.

Die Ausfuhren aus Afrika, insbesondere Erdnussexporte, sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten um etwa 20 Prozent gesunken. In die Europäische Union dürfen die Lebensmittel nicht mehr eingeführt werden, weil der Aflatoxin-Befall über den zulässigen Werten liegt.

Verbindliche Standards fehlen

Laut der UN-Ernährungsorganisation FAO haben bislang erst 15 afrikanische Staaten Obergrenzen für die Aflatoxin-Kontaminierung von Nahrungsmitteln eingeführt. In Sambia konnte in fast allen in Supermärkten und auf Märkten entnommenen Erdnussbutterproben, die im Zeitraum 2012 bis 2014 untersucht wurden, ein unzulässig hoher Gehalt von Aflatoxinen nachgewiesen werden. Weniger als 30 Prozent des Erdnussmehls entsprach den EU-Sicherheitsstandards.

In Kenia, wo die Kontamination mit Aflatoxinen besonders hoch ist, starben zwischen den Jahren 2004 und 2006 fast 200 Menschen an akuten Vergiftungen nach dem Konsum von Mais. Im Jahr 2010 wurden etwa zwei Millionen Säcke mit Mais als ungeeignet für den menschlichen Verzehr befunden.

Laut IITA-Programmmanager Joseph Atehnkeng enthalten zwischen 40 und 100 Prozent der auf Erdnüssen basierenden Nahrungsmittel in Malawi zu viele Aflatoxine. Wie Augusto hervorhob, haben ehemals große Exporteure wie Mosambik, Senegal, Gambia, Sambia und Malawi aufgrund dieses Problems gewinnträchtige Märkte in der EU verloren.

Im Süden von Mosambik werden seit den späten 1970er Jahren vermehrt Fälle von Leberkrebs registriert, die ebenfalls auf die Pilzgifte zurückgeführt werden. Experten dringen daher auf eine Verschärfung der staatlichen Kontrollen und die Einführung länderspezifischer Standards. (Ende)

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