Südliches Afrika: Lebensader in Gefahr

Wassernachschub für den Sambesi

Von Nebert Mulenga | 15.06.2012

Harare. Der Mosambikaner Jose Chiburre kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als man im Incomati-Fluss noch schwimmen konnte. "Wir waren Kinder und lieferten uns Wettkämpfe", berichtet er. Das war in den 1970er Jahren, als der Fluss sogar in Trockenzeiten ganze 300 Meter breit war.

In der Regenzeit verbreiterte sich der Incomati im Magudi-Bezirk in Maputo, wo Chiburre aufgewachsen ist, bis auf 700 Meter. Heute jedoch hat er die Hälfte seiner Breite eingebüßt und verkommt in der Dürreperiode zu einem Rinnsal.

Chiburre ist längst erwachsen und arbeitet als Umweltwissenschaftler im Sambesi-Flusstal. Dass der Incomati zu einem Schatten seiner selbst geworden ist, erklärt er mit dem erhöhten Wasserbedarf am Oberlauf des Flusses für die Land- und Viehwirtschaft und die Privathaushalte.

Pflanzen und Tiere vom Aussterben bedroht

Die Folgen sind gravierend: So haben Flora und Fauna im Einzugsgebiet des Flusses erheblich gelitten. Die am Incomati endemische Raffia-Palme ist vom Aussterben bedroht, und Klunkerkraniche, Stahlschwalben und Gelbschnabel-Madenhacker sind als gefährdete Arten gelistet. Das gilt auch für größere Tiere wie Pferdeantilopen und Afrikanische Wildhunde.

Chiburre ist Leiter des 'Joint Zambezi River Basin Environmental Flows Programme' der Umweltorganisation 'World Wide Fund for Nature'. Der Erhalt von Flussökosystemen durch die quantitative und qualitative Sicherung des Wassernachschubs und der jährlichen Wasserzyklen gehört zu den Prioritäten der 'Zambezi Watercourse Commission' (ZAMCOM). Die Organisation ist für die Koordination des Wassermanagements im Sambesi-Becken zuständig, das sich Angola, Botswana, Malawi, Mosambik, Sambia, Simbabwe und Tansania teilen.

"Im Augenblick versuchen wir alle Akteure zusammenzubringen, um zu sehen, ob es möglich ist, für die Wassermenge in den Wasserläufen zu sorgen, die für den Erhalt des Ökosystems notwendig ist", sagt Chiburre.

In der ersten Phase, die in diesem Monat ausläuft, wurden alle grundlegenden Informationen über die Situation in den drei Sambesi-Anrainerstaaten Mosambik, Sambia und Simbabwe zusammengetragen. Die zweite Phase beschäftigt sich mit den übrigen fünf Ländern.

"Als Wassernutzer schenken wir der Natur wenig Aufmerksamkeit", meint Chiburre. "Die Folgen sind gravierend. So hat diese Unaufmerksamkeit zur Trockenlegung von Feuchtgebieten insbesondere am Unterlauf des Sambesi in Mosambik geführt."

Dem Experten zufolge berichten die Menschen in den Sambesi-Flussebenen bereits von einem Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge, weil weniger Land überflutet und somit weniger Wasser und nährreicher Schlick angespült werden.

Nachhaltiges Ressourcenmanagement

"Wenn die ökologisch wichtigen Wassermengen nicht vorhanden sind, geht das auch zu Lasten des sozialen Zusammenhalts. Wenn Menschen aus der Not heraus nicht mehr nachhaltig handeln, sind Konflikte programmiert – entweder mit der Natur oder mit anderen Menschen", sagt Chiburre.

Wie Michael Mutale, Exekutivdirektor des ZAMCOM-Sekretariats in Gaborone, erklärte, ist das Sambesi-Wasserversorgungsprogramm integraler Bestandteil der Bemühungen der Kommission um ein nachhaltiges Ressourcenmanagement. "Uns geht es darum, die ökologischen und ökonomischen Funktionen von Feuchtgebieten zu bewahren, die Verschmutzung der Gewässer und die Ausbreitung von Wasserpflanzen zu kontrollieren und mit Hilfe einer nachhaltigen Fischerei die regionale Ernährungssicherheit zu gewährleisten."

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren wie Staudämme, Landwirtschaft und Bergbau, die den Wassernachschub für den Sambesi verhindern. Die Erinnerungen eines Jungen, der gesehen hat, wie der Fluss seit seiner Kindheit an Stärke verloren hat, könnten entscheidend sein, um dem 3.000 Kilometer langen Sambesi ein ähnliches Schicksal zu ersparen. (afr.io/IPS)

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