Südliches Afrika: Elefanten und Nashörner akut bedroht

Grenzüberschreitende Schutzprojekte sollen Wilderern das Handwerk legen

Von Mabvuto Banda | 20.11.2014

Lilongwe. "Wir sind unterbezahlt und haben keine Gewehre. Und in den meisten Fällen sind uns die Wilderer zahlenmäßig überlegen", sagt Stain Phiri, Wildhüter in dem etwa 400 Quadratkilometer großen Schutzgebiet Vwaza in Malawi.Seit einigen Jahren wird in Malawi und anderen Ländern des südlichen Afrikas verstärkt Jagd auf Elefanten und Nashörner gemacht.

South Africa’s white rhinoceros recovered from near-extinction thanks to intense conservation efforts. Credit: Kanya D’Almeida/IPSIn Südafrika konnte das Breitmaulnashorn vor der Ausrottung gerettet werden (Kanya D'Almeida/IPS).

"Wir können nichts gegen die schwerbewaffneten Banden von Wilddieben ausrichten, die bereit sind, jeden zu töten ", erklärt Phiri, der monatlich umgerechnet 20 US-Dollar verdient. Damit kann seine sechsköpfige Familie nicht über die Runden kommen.

"Meine Kollegen und ich riskieren täglich unser Leben, um die Wildtiere zu schützen. Doch unsere Arbeit wird offenbar nicht gewürdigt", kritisiert er. "Wenn wir Wilderer fassen, werden sie später von der Polizei wieder freigelassen."

Nach Ansicht von Phiri müsste die Regierung das malawische Wildlife-Gesetz dringend verschärfen, will sie wirklich etwas gegen die Wilddiebe ausrichten. Das Gleiche lässt sich aber auch über die anderen Staaten im südlichen Afrika sagen.

Artenschützer fordern bessere Ausrüstung von Wildhütern

Das Netzwerk 'Traffic', das weltweit den Handel mit Tieren und Pflanzen überwacht, hält eine gute Ausstattung und angemessene Bezahlung der Wildhüter für notwendige Voraussetzungen, um die wildlebenden Arten zu schützen und die Wilderei zu bekämpfen.

Wie Richard Thomas von Traffic erläutert, werden die Staaten im südlichen Afrika für Wilddiebe immer attraktiver, weil dort weltweit die meisten Elefanten und Nashörner zu finden sind. "In der Region leben 95 Prozent aller weißen und 40 Prozent der schwarzen Nashörner", berichtet er.

Nach Angaben von Traffic wurden 2011 etwa 25.000 afrikanische Elefanten erlegt. In den folgenden beiden Jahren seien jeweils 22.000 beziehungsweise 20.000 getötet worden. Die gesamte Elefantenpopulation wird auf 420.000 bis 650.000 geschätzt.

Sambia verlor im vergangenen Jahr insgesamt 135 Dickhäuter durch Wilderei. 2012 und 2011 seien 124 beziehungsweise 96 Elefanten erlegt worden, wie die sambische Tourismusministerin Sylvia Masebo mitteilte.

Elefantenbestand in Mosambik halbiert

In Mosambik hat sich die Elefantenpopulation nach Aussagen von Tourismusminister Carvalho Muaria seit den frühen 1970er Jahren in etwa halbiert. Derzeit sind in dem Land nur noch 20.000 Exemplare zu finden. In dem 42.000 Quadratkilometer großen Niassa-Reservat, in dem etwa rund zwei Drittel aller Elefanten in Mosambik leben, sind lediglich 12.000 übriggeblieben. 500 Tiere seien dort im letzten Jahr von Wilddieben getötet worden, sagt Muaria. Nashörner seien in dem Land bereits vollständig ausgerottet worden.

Laut Traffic nahm die illegale Jagd auf Rhinozerosse in ganz Afrika zwischen 2007 und 2013 um 7.700 Prozent zu. Schätzungen gehen von nur noch 5.000 schwarzen und 20.000 weißen Nashörnern auf dem Kontinent aus. Im Oktober berichtete Südafrika, im laufenden Jahr bis dahin 558 Nashörner durch Wilderei verloren zu haben.

Dennoch besteht Anlass zur Hoffnung. Die Nachbarstaaten im südlichen Afrika, auf deren Gebieten sich grenzüberschreitende Naturparks befinden, arbeiten beim Artenschutz inzwischen stärker zusammen. So schlossen Mosambik und Südafrika in diesem Jahr ein Abkommen, das der Wilderei im Krüger-Nationalpark Einhalt gebieten soll. Beide Länder wollen Informationen austauschen und gemeinsam Maßnahmen zur Eindämmung der Jagd auf Nashörner entwickeln.

Mosambik gilt als Haupttransitstrecke für den Schmuggel von Nashorn-Hörnern nach Asien. In diesem Jahr trat in dem Land ein neues Gesetz in Kraft, nach dem Wilderer, die Nashörner töten, mit bis zu zwölf Jahren Haft rechnen müssen. "Bisherige Gesetze hatten Wilderei nicht unter Strafe gestellt", sagt Muaria. "Ich denke, dass Mosambikaner nun davon abgeschreckt werden."

Südafrika will Verkauf von Nashorn-Hörnern gestatten

Presseberichten zufolge erwägt Südafrika, den Handel mit Nashorn-Hörnern zu legalisieren, um die illegalen Geschäfte einzudämmen. Demnach sollen Hörner von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind, verkauft werden dürfen.

Vor zehn Jahren hatte der regionale Staatenbund SADC, dem zehn Mitglieder angehören, das Direktorat für Nahrung, Landwirtschaft und Rohstoffe (FANR) eingerichtet. Seitdem sind regionale Protokolle, Strategien und Programme entwickelt worden. Unter anderem trat ein Programm zum grenzüberschreitenden Schutz und zur Nutzung natürlicher Ressourcen in Kraft. Unter diesem Dach entstand das 'Regional Transfrontier Conservation Area Programme' (TFCA), von dem bisher Malawi und Sambia profitieren konnten.

Wie der malawische Tourismusminister Kondwani Nakhumwa betonte, haben die Maßnahmen zum Schutz des grenzübergreifenden Nyika-Nationalparks die Wilderei in dem größten Wildreservat des Landes verringert.

Erfolge im Vwaza-Reservat

Das Nyika-Plateau erstreckt sich bis zum Luangwa-Tal in Sambia, wo zu Füßen des bis 2000 Meter hohen grasbewachsenen Gebirgszugs die Sümpfe von Vwaza liegen. Während des Sommers blühen im Hochland Wildpflanzen und Orchideen, die das Wildschutzgebiet einzigartig machen. "Im Rahmen des Projekts konnten in Vwaza zehn Gewehre beschlagnahmt und 322 Drahtschlingen entfernt worden. 32 Wilderer wurden festgenommen", berichtete Nakhumwa.

Laut Humphrey Nzima, dem internationale Koordinator von TFCA, haben sich die Tierpopulationen seit Projektbeginn erholt. "Signifikante Zuwächse gab es vor allem bei Elefanten, Flusspferden, Büffeln, Pferdeantilopen, Kuhantilopen, Zebras, Warzenschweinen und Riedböcken."

Die durch die zunehmende Wilderei in vielen Nationalparks Afrikas ausgelösten Konflikte wurden zwischen 12. und 19. November auf dem 'World Parks Congress' des Weltnaturschutzbundes IUCN in Sydney diskutiert. (afr/IPS)

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