Südafrika: Verschärfte Wasserkrise

Enorme Verluste durch kurzfristige Versorgungspläne

Von Melany Bendix | 19.02.2014

Kapstadt. Die Bemühungen der südafrikanischen Post-Apartheid-Regierungen, Millionen Menschen an das öffentliche Wassernetz anzuschließen, haben das Land offenbar an den Rand einer Wasserkrise gebracht. Bereits 2030 könnte dem Kapstaat das Wasser ausgehen, sollten umfangreiche Reparaturen der maroden Wasserinfrastruktur ausbleiben.

Südafrika gehört zu den trockensten Ländern der Welt. International belegt es den 30. Platz. Die Überprüfung des Haushalts von 2012 durch das Finanzministerium ergab, dass die Nachfrage nach der kostbaren Ressource so rapide steigt, dass das Land spätestens 2030 trocken fallen wird. Somit steht es unter einem enormen Handlungsdruck.

Jay Bhagwan, Leiter der Wassermanagementabteilung der Wasserforschungskommission (WRC), führt die Verschwendung der kostbaren Ressource auf die Eile der Behörden zurück, möglichst der Mehrheit der 51 Millionen Südafrikaner nach dem Ende der Apartheid den Zugang zu fließendem Wasser zu ermöglichen.

"Nach 1994 mussten wir mehr als die Hälfte der Bevölkerung ans Wassernetz anschließen. Dadurch erhöhte sich der Druck auf die Ressourcen und Kapazitäten", erläutert er. "Heute sehen wir die Folgen, der Instandhaltung der Wasserinfrastruktur keine Priorität eingeräumt zu haben." Eine letztjährige WRC-Untersuchung fand heraus, dass Südafrika jedes Jahr durchschnittlich 1,58 Milliarden Kubikmeter Wasser verliert. Die Wasserverschwendung wird in erster Linie auf undichte Rohre und Wasserdiebstahl zurückgeführt.

Fachkräftemangel

Auch Kobus van Zyl, außerordentlicher Professor für Wasserbau an der Universität von Kapstadt, der sich auf Wasserverteilungssysteme spezialisiert hat, hält die Demokratisierung der Wasserversorgung für eine Ursache der derzeitigen Wasserkrise. "Ein weiteres Problem ist der gravierende Mangel an Fachkräften, der sowohl auf lokaler Ebene in den Kommunen als auch auf nationaler Ebene in der Behörde für Wasserfragen besteht", meint er.

Tatsächlich verfügen 79 von mehr als 230 südafrikanischen Gemeindebezirken über keine Ingenieure oder Techniker, wie aus einem Bericht von Allyson Lawless, der ehemaligen Präsidentin des Südafrikanischen Instituts für Bauingenieurswissenschaften, hervorgeht. Um das ganze Ausmaß des Problems zu veranschaulichen, wies die Lawless-Studie darauf hin, dass es im neuseeländischen Auckland mehr Bauingenieure im Bereich der zoologischen Infrastruktur gibt als in 86 Prozent der südafrikanischen Gemeinden.

Durch die ungeheure Wasservergeudung gehen der südafrikanischen Wirtschaft jedes Jahr um die 642 Millionen Dollar verloren. "Wasser hält die Wirtschaft am Laufen", erklärt Christine Colvin vom südafrikanischen Frischwasserprogramm der Umweltschutzorganisation WWF. "Die Wirtschaft braucht Wasser, so wie der Mensch Blut zum Leben braucht."

Auch die Entwicklung der Infrastruktur und die Ernährungssicherheit, beides Prioritäten der Regierung, werden sich ohne Wasser kaum umsetzen lassen. So warnt Rejoice Mabudafhasi, Vizeministerin für Wasser und Umwelt, dass die Wasserengpässe die staatlichen Pläne vereiteln könnten, Hunderte armer Gemeinden in Südafrika den Zugang zu sauberem Waser zu ermöglichen.

Arme Regionen die ersten Opfer

Wie van Zyl unterstreicht, werden die ärmsten Regionen am härtesten von der Wasserkrise betroffen sein. "Das sind ausgerechnet die Gebiete, auf denen die ehemaligen Homelands errichtet worden sind und in denen die Armut noch immer groß ist. Wir sollten die Warnsignale nicht ignorieren."

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat die Wasser- und Umweltministerin Edna Molewa inzwischen aufgefordert, für eine Halbierung der Wasserverluste bis Ende des Jahres zu sorgen. Molewa hat daraufhin das Projekt 'Krieg gegen die Lecks' aufgelegt, das sich darauf konzentriert, die Dörfer und Gemeinden dazu zu bewegen, die Leckagen aufzuspüren und zu reparieren.

Doch van Zyl gehen diese Anstrengungen nicht weit genug. "Das, was derzeit unternommen wird, reicht gerade einmal aus, um einige wenige Löcher zu stopfen. Wir müssen viel mehr tun, denn uns läuft die Zeit davon." (afr/IPS)

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