Südafrika: Streiks, Kostenanstieg und lahme Märkte

Bergbausektor in ernsten Schwierigkeiten

Von Gavin du Venage | 21.02.2013

Kapstadt. Südafrikas Bergbau hat ein katastrophales Jahr hinter sich gebracht. Streiks, der Anstieg der Produktionskosten und eingebrochene Rohstoffmärkte haben den Sektor in eine schwere Krise gestürzt. Die blutig verlaufenden Proteste in der Nähe Marikana im Nordwesten des Landes haben dem Land weiter geschadet.

"Marikana hat dazu geführt, dass Südafrika als ein gefährlicher und schwieriger Platz für Investitionen wahrgenommen wird", meint David Butler, Geschäftsführer für das südliche und östliche Afrika bei dem Strategieanalyseunternehmen 'Control Risks' mit Sitz in Großbritannien. "Dabei hat der Vorfall nur die Probleme zutage treten lassen, die dort seit geraumer Zeit unterschwellig vorhanden waren."

Arbeiter der Platinmine in Marikana in der südafrikanischen Nordwestprovinz hatten für höhere Löhne gestreikt. Am 16. August kam es zu Ausschreitungen, in deren Verlauf 34 Bergleute von der Polizei erschossen wurden. Später stieg die Zahl der Opfer auf 47 an.

"Gewalt ist normalerweise ein Faktor, den Investoren nicht so wichtig nehmen. Doch Marikana hat die Unfähigkeit der Behörden unter Beweis gestellt, große Projekte zu unterstützen", meint Butler. "Eine Vielzahl der Probleme in der Region lässt sich mit einer mangelhaften Infrastruktur und fehlender Unterstützung durch die Lokalregierung erklären. Das bedeutet aber nicht, dass Vorfälle wie in Marikana Unternehmer unberührt lassen."

Obwohl Südafrika im afrikanischen Vergleich mit Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen und Energie gut ausgestattet ist, fällt das Land auf der Liste der Bergbauinvestitionen hinter Staaten wie die Demokratische Republik Kongo (DRC) zurück.

Der Investitionszyklus in Südafrika umfasst trotz der bestehenden Risiken 20 bis 30 Jahre, betont Butler. In der DRC hingegen beschränke er sich auf unter zehn Jahre. "Investoren kommen, beeilen sich mit ihren Operationen und gehen. Das ist preiswerter und mit weniger Risiken verbunden."

Auch müsse bezweifelt werden, dass Südafrika über effektive kollektive Verhandlungsmechanismen verfüge, so der Experte. Seitdem das Platinunternehmen 'Lonmin' den Forderungen der Bergleute nach einer Lohnerhöhung um 22 Prozent zugestimmt habe, hätten die Beschäftigten anderer Minen ähnliche Lohnforderungen gestellt.

Rascher Niedergang

Der Niedergang der südafrikanischen Bergbauindustrie der letzten Jahre hat sich relativ schnell vollzogen. 2005 war der Kapstaat der größte Goldproduzent gewesen. Doch Ende des vergangenen Jahrzehnts fiel sie auf den vierten Platz hinter der chinesischen, australischen und US-amerikanischen Konkurrenz zurück. In Südafrika haben die Rohstoffreserven abgenommen, und die Ressourcen müssen aus immer größerer Tiefe abgebaut werden. Wurden 1970 jährlich noch 1.000 Tonnen Gold produziert, sind es heute keine 200 Tonnen mehr.

Doch der Rückgang der Goldproduktion hat sich weniger verheerend für die südafrikanische Wirtschaft ausgewirkt wie zunächst angenommen. Das Defizit konnte mit dem Abbau von Metallen der Platingruppe (PGMs) kompensiert werden. Südafrika produziert 80 Prozent der PGMs, die vor allem dazu verwendet werden, um die Emissionen von Fahrzeugen zu reduzieren.

Während die Goldpreise in den 1990er Jahren meist bei 450 US-Dollar die Unze lagen, erzielte Platin 2008 2.253 Dollar. Großproduzenten wie 'Anglo Platinum' und 'Impala Platinum' konnten sich zu Anfang über spektakuläre Gewinne freuen. Doch inzwischen krankt der Sektor unter Lohnsteigerungen, steigenden Energiekosten und einer rückläufigen Nachfrage aus dem krisengebeutelten Europa.

Nach Angaben der 'Citibank' besitzt Südafrika Mineralien im Wert von 2,5 Billionen US-Dollar. Dem Land könnte es also ebenso gut gehen wie den Ölstaaten am Persischen Golf. Den allgemeinen Erwartungen zufolge wird Südafrika in diesem Jahr nur 1,2 Prozent der globalen Bergbauinvestitionen anziehen. Australien darf mit 26 Prozent rechnen, so die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 'Deloitte'.

"Investitionen nicht so, wie sie sein sollten"

"Die Investitionen sind nicht so, wie sie sein sollten", meint Abrie Olivier, bei Deloitte für die Bergbauaktivitäten im südlichen Afrika zuständig. Verantwortlich dafür macht er vor allem die unsichere rechtliche Lage. So verwies er auf die geplanten Gesetze im Umgang mit bestimmten 'strategischen' Mineralien, die besondere Exportkontrollen mit sich bringen.

Auch die jahrelangen Diskussionen über eine Nationalisierung der Rohstoffe, die erst seit der gegenläufigen Entscheidung des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) im vergangenen Dezember aus der Welt sind, haben Investoren auf Abstand gehalten. "Wir brauchen Sicherheit und politische Klarheit", so Olivier. "Wir stehen vor den gleichen Problemen, mit denen sich die Industrie vor fünf Jahren herumschlagen musste."

Die Bemühungen der Gewerkschaften, Löhne für die Arbeiter zu erzielen, die über der Inflationsrate liegen, hätten die Profitabilität der Minen erheblich eingeschränkt. "Ich glaube nicht, dass sich die Gewerkschaften durchsetzen werden. Doch dann werden ihre Mitglieder um ihre Jobs zittern müssen", meint Olivier.

Im Januar drohte die Regierung 'Anglo American Platinum' mit einem Rückzug der Lizenzen in Reaktion auf die Ankündigung des Unternehmens, 14.000 Arbeiter zu entlassen. Auch dies sei ein Faktor gewesen, der Investoren abgeschreckt habe. "Im Bergbausektor lassen sich die Kosten leicht kontrollieren. Das muss auch so sein", so Olivier. "Was die Arbeitsplätze angeht, müssen vor allem dann, wenn es um Randoperationen geht, harte Entscheidungen getroffen werden."

Andere afrikanische Länder gefragt

Es wäre zuviel gesagt, dass der Bergbausektor Südafrika als Investitionsziel aufgegeben hätte. Doch scheint für die Unternehmen die Zukunft in anderen afrikanischen Ländern zu liegen. Wie Thapelo Mokhathi, Finanzdirektor von 'Shumba Coal', einem in Botswana tätigen Kohlebergbauunternehmen, meint, liegt das Interesse seiner Firma im Nachbarland. Dort erführen die kleinen Betriebe die gleiche Aufmerksamkeit wie große Konzerne. "Südafrika ist ein reifer Markt mit einem über 100 Jahre alten Bergbausektor", sagt er. "Dort ist ein Aufbruch nicht ohne Weiteres möglich."

Shumba hat vor, Strom aus Kohle zu produzieren und in der Region zu verkaufen. In Südafrika mit dem staatlichen Energiekonzern 'Eskom', der über eine Monopolstellung verfügt, sei dies nicht möglich. "Deshalb wenden sich Unternehmen lieber anderen Ländern zu." (afr/IPS)

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