Südafrika: Müllrecycling schafft Jobs

Regierung entdeckt die Umweltwirtschaft

Von Kristin Palitza | 19.04.2012

Kapstadt. Nokwanda Sotyantya leistet Pionierarbeit. In Imizamo Yethu, einem Slum vor den Toren Kapstadts, sortiert die 48-jährige Südafrikanerin Abfälle. Sie ist Mitglied einer kleinen Recycling-Kooperative, die vom Staat unterstützt, Pappe, Papier, Glas, Metall und Kunststoff an Verpackungs- und andere Unternehmen verkauft, die die Rohstoffe gebrauchen können.

Die Regierung hat die Umweltwirtschaft entdeckt und fördert erstmals kleine Firmen, die mit der Wiederverwertung von Rohstoffen Arbeitsplätze schaffen. "Die grüne Wirtschaft kann zahlreiche Jobs schaffen, die Industrialisierung ankurbeln und dafür sorgen, dass unsere Zukunft und die kommender Generationen nachhaltig wird", unterstreicht Ebrahim Patel, Südafrikas Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Im November 2011 kündigte er einen auf fünf Jahre angelegten 'Green Economic Accord' an, der die Umweltwirtschaft mit nationalen Investitionen in Schwung bringen soll.

Das Abkommen ist Teil des Regierungsplans, den Wandel zu einer weniger CO2-intensiven Wirtschaft zu vollziehen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen. Vom Aufbau einer grünen Wirtschaft erhofft sich die Regierung in den nächsten zehn Jahren 300.000 neue Arbeitsplätze.

Einer davon verschafft der Müllsortiererin Sotyantya bereits ein bescheidenes Auskommen. Sie verdient im Monatsdurchschnitt umgerechnet 250 US-Dollar, genug, um sich und ihre vier Kinder durchzubringen. "Je mehr Leute den Nutzen von Recycling erkennen, umso mehr verdiene ich, denn immer mehr Abfälle landen hier in der städtischen Müllsammelstelle von Hout Bay", berichtet sie.

Hilfe für Existenzgründer

Die fünf ehemaligen arbeitslosen Frauen und Männer, die sich zur Bay-Recycling-Kooperative zusammengeschlossen haben, sortieren derzeit monatlich 25 Tonnen Abfall. Die abgelieferte Müllmenge wächst allmählich. Starthilfe erhielten sie von der zivilen Organisation 'Thrive', die Existenzgründern unter die Arme greift. Sie verhalf der kleinen Kooperative zu einer Geschäftsstrategie und verbesserte ihr Management.

"Wir konzentrieren uns auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, die zur Abfallminimierung beitragen, den Bestand an erneuerbaren Ressourcen vergrößern, den Energie- und Wasserbedarf verringern , die Artenvielfalt erhalten und ein lokales Netzwerk für die Nahrungsmittelversorgung aufbauen", erläutert Iming Lin, die geschäftsführende Direktorin von Thrive. "Dabei gehen wir über traditionelle Geschäftsmodelle hinaus, denn wir zielen auf den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen eines Kleinunternehmens."

Obwohl Thrive erst im Juli 2011 die Arbeit aufgenommen hat, wurde die Gruppe als eine von 35 afrikanischen Basisunternehmen mit dem Nachhaltigkeitspreis der SEED-Initiative des UN-Umweltprogramms (UNEP) ausgezeichnet. "In den Ländern Afrikas entdecken plötzlich alle – Kleinstbetriebe wie Unternehmen und Staatschefs – die Bedeutung der Umweltwirtschaft", sagt UNEP-Sprecher Nick Nuttall.

"Wirtschaftliche Entwicklung sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeit können eben nicht isoliert nebeneinander funktionieren", ergänzt er. "Grün wirtschaften ist nicht länger eine Option, sondern eine Notwendigkeit. Wenn wir in einer Welt mit sieben Milliarden, bald neun Milliarden Menschen unsere Konsumgewohnheiten nicht ändern und nicht über die ökologischen Grenzen nachdenken, kommen wir in Schwierigkeiten.

Südafrikas Regierung könne ihre Pläne vom Übergang zu einer Grünen Wirtschaft nicht allein aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln schaffen, betont Minister Patel. Die Privatwirtschaft, die Gewerkschaften und zivile Organisationen müssten dabei eine eigene Rolle übernehmen.

Vielfältige Ansätze

Thrive ist schon dabei. Die Initiative arbeitet mit verschiedenen Regierungsbehörden wie dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium sowie mit den zuständigen Abfallbehörden zusammen. "Wir entwickeln von Gebern unabhängige, lebens- und anpassungsfähige Modelle, die Wirtschaft und Umwelt miteinander verbinden und von vielen Gemeinden oder sogar landesweit übernommen werden können", berichtet Lin.

Ihre Gruppe beschränkt ihre Starthilfe nicht auf die Recyling-Initiative von Hout Bay. So hat sie 'TrashBack' gegründet, ein Netz von Radfahrern, die Wiederverwertbares von Firmen, Restaurants und Wohnblocks, die nicht an die Müllabfuhr angeschlossen sind, einsammeln. "Mit jeweils acht oder neun Kunden, die es gemeinsam auf 4.800 Kilo Müll bringen, wird ein neuer Arbeitsplatz geschaffen", so die Aktivistin. (afr/IPS)

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