Südafrika: Hafenstadt Durban geht neue Wege

Umgebaute Schiffscontainer stellen Wasserversorgung in Slums sicher

Von Brendon Bosworth | 18.06.2014

Kapstadt. Die für Wasser- und sanitäre Grundversorgung der südafrikanischen Stadt Durban zuständige Verwaltungsabteilung 'eThekwini Water & Sanitation' ist zwar mit dem Vorschlag, Abwässer zu Trinkwasser aufzubereiten, vor Ort in die Kritik geraten. Doch hat ein pragmatisches Wassermanagement ihr den Ruf eingebracht, besonders progressiv zu sein.

Abteilungsleiter Neil Macleod hat allen Grund, stolz auf seine Mitarbeiter zu sein. eThekwini ist das Ergebnis der im Jahr 2000 erfolgten Zusammenlegung kleinerer Gemeinden zum Großraum Durban. Seither konnten gewaltige Herausforderungen gemeistert werden.

Zwar verfügte das rund eine Million Einwohner zählende Durban damals über eine erstklassige Wasserversorgung, doch war die Infrastruktur in den Schlafstädten der Peripherie mit einer weiteren Million Einwohner mangelhaft. In den ländlichen Gebieten, die ebenfalls Teil der Gemeinde waren, hatte eine Million Menschen überhaupt keinen Zugang zu einer organisierten Wasserversorgung.

Recht auf Wasser für alle

Die 1996 in Kraft getretene südafrikanische Verfassung garantiert jedem Bürger ein Recht auf den Zugang zu Wasser. Im Laufe der Jahre hat die Stadtverwaltung daher ihre Wasser- und Abwassersysteme ausgebaut. Die ländlichen Gebiete und Elendssiedlungen wurden erstmals mit einer solchen Infrastruktur ausgestattet.

In den Slums wurden umgebaute Schiffscontainer aufgestellt, in denen sich Duschen, Waschbecken und Toiletten befinden, wie Macleod berichtet. Etwa 300.000 arme Familien erhalten monatlich 9.000 Liter Wasser umsonst und eine sanitäre Grundversorgung – entweder in Form einer Container- oder einer Trockentoilette.

Diese Initiativen haben mittlerweile auch international hohe Aufmerksamkeit erfahren. Vor Kurzem hat Macleods Abteilung für ihr vorbildliches Wasser- und Abwässermanagement den 'Stockholm Industry Water Award' erhalten. Jens Berggren, Direktor des 'Stockholm Water Prize' und 'Stockholm Industry Water' lobte eThekwini für seine "pragmatische und kundige" Vorgehensweise. Es sei nicht von oben, aus der Perspektive von Fachleuten, geplant, sondern die Lebenswirklichkeit der Menschen berücksichtigt worden.

Engpässe bei Wasserversorgung ab 2015 befürchtet

Macleod und seine Abteilung können sich allerdings nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Seit 2013 ist bekannt, dass in der Gemeinde künftig das Wasser knapp werden könnte. Die Versorgung der Hafenstadt hängt vom Wasser des Umgeni-Flusses und seiner Nebenarme ab.

Der kürzlich errichtete Spring-Grove-Staudamm sei derzeit zwar zu 80 Prozent gefüllt, so Macleod. Da es in der letzten Zeit viel geregnet hat, rechnet er in den kommenden zwei Jahren nicht mit Engpässen. "Statistisch gesehen kommen wir bis Ende 2015 zurecht. Aber was danach geschieht, wissen wir nicht. Wenn es eine Dürre gibt und die Nachfrage weiter steigt, kommen wir wieder in die Verlustzone", erklärt er.

Zurzeit wird über mehrere Optionen zur Verbesserung des Wasserangebotes in der Region diskutiert. Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, Abwässer zu behandeln und zu klären, damit sie als Trinkwasser zur Verfügung stehen. Das geklärte Wasser könnte mit gewöhnlichem Trinkwasser im Verhältnis 30 zu 70 gemischt werden.

Doch die Pläne sind umstritten, und besorgte Bürger haben eine Petition dagegen eingereicht. "Bereits seit 40 Jahren trinkt ein Großteil der Bewohner dieses Landes seelenruhig Abwässer, auch in Johannesburg", erklärt Macleod. So würden geklärte Abwässer in die Flüsse und auf diesem Wege wieder in den Wasserversorgungskreislauf eingeleitet.

Option Entsalzungsanlagen

Um den Druck auf die Wasserversorgung künftig abzumildern, hat das öffentliche Unternehmen 'Umgeni Water' – der größte Versorger in der Provinz KwaZulu-Natal – den Bau von zwei Meerwasserentsalzungsanlagen vorgeschlagen. Eine der Anlagen ist an der Südküste in der Nähe des Lovu-Flusses geplant, die zweite an der Nordküste bei Tongaat. In jeder Anlage könnten 150 Millionen Liter Wasser pro Tag produziert werden. Genug, um 75 Olympia-Schwimmbecken zu füllen.

Die Entsalzungsanlagen wären eine Alternative zum kostenaufwendigen Bau eines großen Staudamms am uMkhomazi-Fluss. Der Damm könnte 2030 in Betrieb genommen werden. Das Wasser für die Entsalzungsanlage beim Lovu-Fluss würde aus einer Entfernung von einem Kilometer und im Fall der Anlage nahe Tongaat aus einer Entfernung von 650 Metern herangeschafft, wie vom Rat für Wissenschafts- und Industrieforschung zu erfahren ist, der eine Umweltverträglichkeitsstudie für Umgeni Water durchführt.

Das Salzwasser würde durch umgekehrte Osmose in Trinkwasser umgewandelt. Bei dieser Methode wird Salzwasser mit hohem Druck durch eine semipermeable Membran gedrückt, die das Salz zurückhält und das Wasser durchlässt. "Das ist zwar machbar, aber sehr energieintensiv und teurer als die anderen Optionen', gibt Macleod zu bedenken. "Leider sieht die Realität so aus, dass wir nicht über die Energie verfügen und die Kosten nicht tragen können." Allmählich wird die Zeit knapp. "Wir müssen bald eine Entscheidung treffen", sagt Macleod. "Und zwar noch in diesem Jahr." (afr/IPS)

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