Südafrika: Entwicklungshilfe für nigerianische Autoindustrie

Experten sind aber skeptisch

Von John Fraser | 03.06.2013

Johannesburg. Südafrika hat Nigeria Unterstützung beim Aufbau eines starken Automobilsektors zugesagt. Anlässlich eines Besuches des nigerianischen Staatspräsidenten Goodluck Jonathan im Mai gab der südafrikanische Industrie- und Handelsminister Davies die Initiative bekannt, die als Meilenstein der interafrikanischen industriellen Zusammenarbeit gilt.

Dass die Zusammenarbeit die wirtschaftliche Integration beflügelt, kann sich Peter Draper, Wissenschaftler am Südafrikanischen Institut für internationale Angelegenheiten, nicht vorstellen. "Die eigentliche Frage lautet doch, ob eine solche Kooperation am Ende zu einer bedeutenden, umfassenderen Wirtschaftsintegration führen wird, die mehr zu bieten hat als die tauben Nüsse, die als Freihandelsabkommen getarnt sind."

"Nigeria und die Zollunion der Länder des Südlichen Afrikas sollten ein ergänzendes Freihandelsabkommen zur Stärkung ihrer Wirtschaftsbeziehungen schließen. Die Zusatzabkommen sind stark und könnten Südafrika und Nigeria einander politisch näherbringen", empfahl Draper.

Strategien vorhanden, doch hapert es bei der Umsetzung

Dem Experten zufolge hat die Afrikanische Union (AU) bereits für verschiedene Sektoren eine Vielzahl von Initiativen entwickelt. Doch dass allein sei unzureichend. "Derzeit gibt es Strategien in Bereichen wie Energie, Kommunikation und Transport", sagte er. "Das Problem ist die Umsetzung."

Wie er weiter erklärte, scheint man allgemein bereit, der AU die Entwicklung und Koordinierung eines kontinentalen Masterplans zu überlassen, der mehrere Initiativen beinhalte. "Doch ich selbst bin Befürworter des von der Europäischen Union vorangebrachten Subsidiaritätsprinzips, das die Umsetzung von Initiativen den untersten Regierungsebenen überlässt."

Draper zufolge entwickelt Südafrika seit Mitte der 1920er Jahre Strategien zum Auf- und Ausbau der Autoindustrie. Es verfüge somit über wertvolle Erfahrungen, die man an Nigeria und andere Länder weitergeben könne. Doch Industrie- und Handelsminister Davies zufolge stecken die Gespräche mit Nigeria über die Zusammenarbeit der Automobilbranche in der Anfangsphase.

Der Autohersteller Nissan hat bereits Interesse am Bau eines nigerianischen Automobilwerks angemeldet. Doch andere Firmen sind zurückhaltender. Dazu meinte Bodo Donauer, Geschäftsführer von BMW-Südafrika, dass seine Unternehmensgruppe nach dem Prinzip 'Die Produktion folgt dem Markt' verfahre und dass ein Standort in Nigeria vorerst nicht eingeplant werde.

Lokale Produktionszentren erleichtern in der Regel die Erschließung neuer Märkte. Eine Fabrik vor Ort mache ein Unternehmen zu einem lokalen Player und steigere die Akzeptanz der Produkte in der Bevölkerung. Gleichzeitig werde dadurch das bürgerliche Engagement der Unternehmen betont. Die positiven Verkaufstrends nach der Einrichtung von Produktionsanlagen in den USA, Großbritannien und Südafrika hätten die Wirksamkeit dieser Strategie bestätigt.

Donauer wies darauf hin, dass fast ein Fünftel der BMW-Produktion in der Rosslyn-Fabrik nahe Pretoria auf dem südafrikanischen Markt verkauft werde. Mehr als 80 Prozent gehe in andere Teile der Welt. Doch nur ein Prozent bleibe in Afrika. Deshalb sei die BMW-Gruppe der Meinung, mit ihrem derzeitigen globalen Produktionsnetzwerk gut aufgestellt zu sein, um jede zusätzliche Nachfrage, auch aus Nigeria, ohne weitere Fertigungsorte zu decken.

Nigeria – ein vielversprechender Absatzmarkt

Peggy Droidskie, Beraterin der Südafrikanischen Industrie- und Handelskammer, begrüßt die südafrikanisch-nigerianische Initiative, zumal die afrikanischen Integrationsbestrebungen ganz oben auf der Entwicklungsagenda der Länder stünden. "Nigeria ist ein riesiger Markt und liegt näher an Europa, was die Nutzung europäischer Verbindungen logisch macht", betonte sie.

"Die Tatsache, dass Nigeria Südafrika als Partner bevorzugt, zeigt im Grunde, dass wir wettbewerbsfähig und in der Lage sind, auch weiterhin die wachsende Nachfrage nach Fahrzeugen in Nigeria zu decken", so Droidskie. Durch die Zusammenarbeit hätten südafrikanische Hersteller die Chance, einen zusätzlichen Fußabdruck in Afrika zu hinterlassen.

Droidskie prophezeit, dass einige Autohersteller, die derzeit in Südafrika fertigen, durchaus Interesse an einem nigerianischen Standort haben könnten. "Solche Abkommen sind Sache der Politik", betonte sie. Gleichwohl erinnerte sie daran, dass eine bemerkenswert hohe Zahl der in Südafrika gefertigten Fahrzeuge nach Nigeria geht. Allein im letzten Jahr waren es fast 15.000 gewesen. "Somit ist Nigeria ein durchaus lukrativer Markt, was auch anderen internationalen Herstellern nicht entgehen dürfte." (afr/IPS)

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