Somaliland: Strompreise auf Spitzenniveau

Alternative Energien sollen Versorgung verbessern

Von Ed McKenna | 29.04.2013

Hargeisa. Eine Windturbine 20 Kilometer außerhalb von Hargeisa, der Hauptstadt von Somaliland, ist eine Art Totem in der sich verändernden Energielandschaft des kleinen Gebiets am Horn von Afrika geworden. Die halbautonome Region treibt mit Mühe die Entwicklung ihrer Wirtschaft voran. Firmen haben wegen der maroden Energie-Infrastruktur bisher kaum eine Chance, richtig zu arbeiten.

Noch in diesem Jahr könnte sich allerdings etwas ändern, weil das erste Stromgesetz in Somaliland in Kraft treten wird, das die Produktion und Verteilung von Elektrizität reglementieren soll. Das Hauptaugenmerk soll auf der Einführung alternativer Energien liegen. Unter anderem sind Windparks in vier großen Städten geplant.

"Die Unternehmen sind nicht in der Lage, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, weil die Stromversorgung nur unregelmäßig funktioniert", sagt Energieminister Hussein Abdi Dualeh. "Dadurch verlangsamen sich die Wirtschaftsaktivitäten und die Entwicklung in der Region. Wir müssen nach alternativen Energien Ausschau halten, um diesen Trend umzukehren."

Kilowattstunde Strom für einen Dollar

In Somaliland kostet Strom so viel wie sonst kaum irgendwo auf der Welt. Während eine Kilowattstunde im internationalen Durchschnitt 15 bis 30 US-Cent kostet, zahlen die Einwohner von Hargeisa für die gleiche Menge einen Dollar. Die hohen Preise und das Fehlen eines rechtlichen Rahmens haben den Wettbewerb zum Erliegen gebracht und Investitionen in den privaten Energiesektor verhindert. Aufgrund fehlender Regelungen können Investoren auch auf längere Sicht nicht mit Gewinnen rechnen.

Unternehmer am Ort beschweren sich oft darüber, dass die hohen Stromrechnungen dazu führen, dass im Land weniger produziert und Importwaren deshalb bevorzugt werden. "Wenn wir so viel für Strom ausgeben müssen, können wir mit den Importwaren nicht konkurrieren", kritisiert Faisil Wadani, dem eine kleine Fabrik gehört.

Auf den Straßen von Hargeisa sieht man zahlreiche Verkaufsstände, die privaten Energielieferanten monatlich umgerechnet zehn Dollar für das Licht einer einzigen 100-Watt-Glühbirne hinblättern müssen. Die meisten dieser Straßenhändler können die Beleuchtung an ihren improvisierten Anlagen nicht einfach ein- oder ausschalten und lassen sie so Tag und Nacht brennen.

Nach dem Zusammenbruch des Staates Somalia 1991 retteten die Behörden in Somaliland Drähte, Masten und Generatoren aus den Trümmern der zerbombten Stadt Hargeisa, um zumindest rudimentäre Voraussetzungen für eine Energieversorgung zu schaffen. Rasch erschienen private Stromversorger auf der Bildfläche, als deutlich war, dass die Regierung kein Geld für den Ausbau des Sektors hatte. Der Zustand der Regellosigkeit hält seit 1991 an.

Mittlerweile wird das veraltete Stromnetz von einem dezentralen Netzwerk aus lokalen Versorgern in Hargeisa betrieben. Wegen der fehlenden Unterstützung der Regierung sahen sich wohlhabendere Einwohner von Hargeisa dazu gezwungen, für ihre Privathäuser und Firmen Dieselgeneratoren aus dem Nahen Osten zu importieren. Der größte Teil des Stroms in der Stadt kommt nun aus solchen Generatoren und wird auf riskante Weise durch das Versorgungsnetz geschleust.

Energieversorgung bisher unübersichtlich

Wie Minister Dualeh betont, sind die Verbraucher aufgrund der unorganisierten Verteilung der Elektrizität in Gefahr, nicht nur viel zu bezahlen, sondern auch nur sporadisch Zugang zu Strom zu haben. "Die Regierung kontrolliert nur 20 Prozent des Energiemarkts, auf dem die unabhängigen Versorger dominieren. Wegen dieses 'Spaghetti-Netzwerks' kostet der Strom in Somaliland so viel. Jeder Anbieter hat sein eigenes Netz und verwendet veraltete Geräte", sagt er. Der Regierung zufolge gehen 40 Prozent der Energie aufgrund der schlecht entwickelten Infrastruktur verloren.

Am Entwurf des ersten Energiegesetzes hat die US-Entwicklungsbehörde USAID mitgewirkt. Unternehmer hoffen nun, dass sie ihre Firmen bald länger öffnen können, ohne Stromausfälle hinnehmen zu müssen. Das Gesetz zielt nicht nur darauf ab, die Energieinfrastruktur zu vereinheitlichen, sondern will auch Sicherheitsstandards einführen.

"Wir können nicht garantieren, dass das neue Gesetz die Kosten senken wird", meint Suleiman Mohamed, der Leiter des USAID-Partnerschaftsprogramms. "Erwarten können wir aber, dass die Stromversorgung effizienter wird." Auch Wind- und Solarenergie entwickeln sich zu vielversprechenden Alternativen. Energieminister Dualeh weist darauf hin, dass in Swasiland an 340 Tagen im Jahr die Sonne scheint. Mit Hilfe von USAID hat das Ministerium fünf Turbinen im Wert von mehr als 350.000 Dollar in einer neuen Windfarm nahe dem internationalen Flughafen von Hargeisa installiert. (afr/IPS)

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