Somalia: Al-Shabaab kappt Zugang zum mobilen Internet

Provider mit vorgehaltener Waffe zur Service-Einstellung gezwungen

Von Ahmed Osman | 26.02.2014

Mogadischu. Osman Ali betreibt einen Elektronikladen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Die Geschäfte gehen schlecht, seitdem die Al-Shabaab das größte Telekommunikations-unternehmen im Lande gezwungen haben, ihre Kunden vom mobilen Internet abzuhängen. "Ich verstehe nicht, warum die Regierung nichts in dieser Sache unternimmt", kritisiert er.

Bereits im Januar hatte die islamistische Al-Shabaab den lokalen Konzern 'Hormuud Telecom' aufgefordert, den Zugang zum mobilen Internet zu kappen. Zur Begründung hieß es, die Technologie werde vom Westen verwendet, um Muslime auszuspionieren. Nach Erkenntnissen des Dateninformationsportals 'Internet World Stats' nutzen mehr als 125.000 der zehn Millionen Somalier das Internet. Zehntausende greifen auf den Mobiltelefonservice von Hormuud zurück. Sie alle haben seit dem 6. Februar kein Netz mehr. Wohl aber funktionieren die Festanschlüsse.

Wie der Bürgermeister von Mogadischu, Mohamed Nur Tarzan, gegenüber Journalisten erklärte, wurden die Hormuud-Mitarbeiter mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, ihren Service einzustellen. Der Internetanbieter, der nach eigenen Angaben in Süd- und Zentralsomalia marktführend ist, hat sich nicht offiziell zu dem Verbot geäußert. Ein Firmenvertreter erklärte unter Wahrung seiner Anonymität, dass dem Unternehmen nichts anderes übrig geblieben sei, als dem Befehl Folge zu leisten.

"Ich glaube nicht, dass wir eine andere Wahl hatten, können wir uns als Unternehmen wohl kaum der bewaffneten Gruppe widersetzen. Wir haben versucht, die Al-Shabaab davon zu überzeugen, dass wir mit unserem Angebot keinen Schaden anrichten. Doch die Bemühungen waren vergeblich."

Hormuud musste seinen Service nicht nur in den von der Al-Shabaab kontrollierten Gebieten einstellen. Auch in der Mitte des Landes und in Mogadischu kommen Mobiltelefonkunden nicht mehr ins Internet. Lediglich die nordöstlichen Regionen von Puntland und die nordwestliche Provinz Somaliland blieben verschont, weil dort andere Mobiltelefonbetreiber operieren.

Nach Bekanntwerden des Al-Shabaab-Ultimatums hatte der Sicherheitsminister Abdikarim Hussein Guled die Firma Hormuud aufgefordert, sich dem Verbot zu widersetzen. Doch wurde der Regierung daraufhin vorgeworfen, dem lokalen Unternehmen nicht den Schutz zu bieten, den es braucht, um seine Dienstleistungen weiterhin anbieten zu können.

Durch das mobile Internet zur Zielscheibe

In einer Al-Shabaab-Mitteilung wurde das Verbot damit begründet, dass das mobile Internet "dem Feind" die Möglichkeit gibt, Dschihadisten aufzuspüren und zu töten. Experten wie Mohamed Yusuf führen es auf die Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden zurück, der als Mitarbeiter einer NSA-Beratungsfirma die Machenschaften des US-Geheimdienstes aufgedeckt hatte.

"Die Al-Shabaab macht keinen Hehl daraus, dass sie mit ihrem Verbot auf die Enthüllungen Snowdens reagiert und nicht in die Lage kommen möchte, selbst zur Zielscheibe der US-Spionage zu werden." Die USA stufen die Al-Shabaab als Terrorgruppe ein, was sie zur Zielscheibe US-amerikanischer Drohnenangriffe macht.

Doch Studenten wie Mustaf Jama wollen auf das mobile Internet nicht verzichten, um regelmäßig an die Informationen heranzukommen, die er für sein Studium braucht. Nun sehe er sich gezwungen, ein Internet-Cafe aufzusuchen. "Es war schon recht bequem, über das mobile Internet Fakten zu checken und Informationen herunterzuladen. Nun werden wir um 25 Jahre zurückgeworfen." (afr/IPS)

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