Somalia: Al-Shabaab kämpft ums Überleben

Bevölkerung in den Rebellengebieten zahlt den Preis

Von Ahmed Osman | 10.03.2014

Mogadischu. In Somalia bereitet sich die Regierung auf einen neuen Militärschlag gegen die islamistische Rebellenorganisation Al-Shabaab vor. Die Chancen für einen militärischen Erfolg stehen gut. Doch Experten zufolge wird die Zivilbevölkerung in den Gebieten, die von den Extremisten kontrolliert werden, schwer unter der Aktion zu leiden haben.

Am 21. Februar hatte die Al-Qaeda-nahe Gruppe einen beispiellosen und dreisten Anschlag auf den Präsidentenpalast in der somalischen Hauptstadt Mogadischu verübt. Dabei kamen zwölf Menschen einschließlich neun Mitglieder der Al-Shabaab ums Leben. Kurz danach erklärten die Regierung und die Somalia-Mission der Afrikanischen Union (AMISOM), dass man an Plänen arbeite, militärisch gegen die Kämpfer vorzugehen.

Wie der somalische Militärkommandant Ise Guled am 24. Februar gegenüber IPS erklärte, sind die Vorbereitungen für den "finalen Schlag" gegen die radikalen Kämpfer in Kürze abgeschlossen. "Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten gegen diese Plage vorgehen, um sie ein für alle Mal loszuwerden", versicherte er, ohne einen konkreten Termin für den Start der Militäroperation zu nennen.

Doch Yusuf Alay, ein Politikexperte aus Mogadischu, fürchtet, dass die Gewalt gegen die im Umfeld der Kämpfer lebenden Menschen in dem Ausmaß steigen wird, wie der militärische Druck auf die Islamisten zunimmt. Die Al-Shabaab konnte zwar aus einem Großteil des Südens und Zentrums Somalias vertrieben werden. Doch noch immer beherrscht sie einige Gebiete, in denen sie auch die islamische Rechtsprechung Scharia eingeführt hat und Kämpfer rekrutiert und ausbildet.

Alay geht davon aus, dass die Gruppe das Ausgangsverbot in ihren Gebieten verschärfen und die Benutzung von Smartphones verbieten wird. Sie hat bereits das größte Telekom-Unternehmen des Landes dazu gezwungen, seinen mobilen Internet-Service einzustellen.

Druck auf die Armen wächst

"Dort, wo sich die radikale Gruppe aufhält, verfährt sie nach besonders strikten Regeln der Scharia, was für die von ihr beherrschten Menschen bedeutet, dass sie die schlimmsten Strafen erleiden müssen. Darüber hinaus presst sie der ohnehin armen Landbevölkerung hohe Steuern ab, um sich zu finanzieren, nachdem sie wichtige Häfen im Süden hatte aufgeben müssen", betonte Alay.

Nicht nur, dass es den Menschen schlecht gehen wird, wenn sich die Al-Shabaab den anrückenden Truppen entgegenstellt. Langfristig sei es für die Einwohner von Shabaabistan (von der Al-Shabaab kontrolliertes Gebiet) besser, nicht unter der Herrschaft der Extremisten zu stehen.

Wie Mohamed Muse, ein Militäranalyst in Mogadischu, erläutert, laufen die Vorbereitungen für die Militärintervention bereits seit Monaten, wurden aber seit dem tödlichen Anschlag auf die 'Westgate Mall' in der kenianischen Hauptstadt Nairobi intensiviert. Bei der Erstürmung der Mall durch Al-Shabaab-Milizionäre starben mindestens 72 Menschen.

"Wir wissen, dass die somalische Regierung und die AMISOM darin übereinstimmen, dass die Al-Shabaab im Interesse des Wiederaufbaus zerschlagen werden muss", meint Muse. "Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann sich der Schritt vollziehen wird."

UN-Mission wird aufgestockt

Im Januar hatte der UN-Sicherheitsrat der Aufstockung der 17.500 Soldaten zählenden AMISOM um 4.300 äthiopische Soldaten zugestimmt. Aus einem Bericht von Matt Bryden, Leiter des Afrika-Programms des in Kenia ansässigen Sahan-Zentrums für strategische und internationale Studien, geht hervor, dass die Chancen für einen Sieg über die Al-Shabaab hoch sind.

Während äthiopische Truppen ins Zentrum und in den Süden Somalias entsandt werden, mussten Al-Shabaab-Kämpfer ihre Hochburgen in El Bur, Hudur and Barawe aufgeben. Die beiden Städte Hagar im Südsudan und Gandershe südlich von Mogadischu konnten kürzlich durch einen Überraschungsangriff somalischer Regierungssoldaten und AMISOM-Truppen zurückerobert werden.

Bryden zufolge stellen sich die Islamisten angesichts der Gefahr, militärisch geschlagen zu werden, auf einen "asymmetrischen Kampf" ein. Das bedeute, dass sie kurzfristig nicht auf einen Sieg setzen, sondern eine Überlebens-, Unterwanderungs- und Überraschungsstrategie fahren würden.

Muse teilt die Einschätzung. "Wir erwarten kurzfristig subversive Aktivitäten, auch für den realistischen Fall eines militärischen Sieges über die Gruppe. Meiner Meinung nach stehen die Chancen gut, die Al-Shabaab aus der Region zu entfernen." (afr/IPS)

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