Simbabwe: Wachsende Nachfrage nach Solarenergie

Sonnenstrom soll die Energielücke schließen helfen

Von Michelle Chifamba | 04.10.2013

Harare. Auf dem Dach seiner Holzhütte in Norton, einer kleinen Stadt etwa 40 Kilometer westlich der Hauptstadt Harare, hat Silvester Ngunzi ein Solarmodul angebracht, das seinen Haushalt mit Strom versorgt. In den vergangenen zehn Jahren erlebte das südafrikanische Land immer wieder Blackouts, die sich teils über 24 Stunden hinzogen.

Ngunzi und viele seiner Nachbarn sind froh über die alternative Energiequelle, die nicht nur verlässlich, sondern auch sauber ist. Nach Angaben des größten Energieversorgers 'Zimbabwe Power Company' fehlen in dem Land durchschnittlich 600 Megawatt Elektrizität, da die technische Ausstattung veraltet ist und wenig in den Sektor investiert wird.

Experten fordern einen klaren politischen Rahmen, der auch die Förderung von Biostrom vorsieht. "Simbabwe ist ein Entwicklungsland, das seit mehr als einem Jahrzehnt Schwierigkeiten mit der Stromversorgung hat. Deshalb sollten effiziente und saubere Energieträger erschlossen werden", meint der Energieexperte Philimon Nyikadzino.

"Obgleich der Markt für die Solarstromentwicklung in einem so sonnenreichen Land wie Simbabwe riesig ist, wird Solarkraft bisher zu wenig genutzt", kritisiert Nyikadzino. Zahlen der Energiekommission von 2012 belegen, dass der nationale Strombedarf nur zu fünf Prozent mit Solarkraft gedeckt wird, Brennholz hingegen hat einen Anteil von 51 Prozent und Kohle von 19 Prozent.

Seit Jahren verbringen Simbabwer viel Zeit im Dunkeln. Umso erleichterter ist Ngunzi darüber, dass er mit wenig Aufwand Abhilfe schaffen konnte: "Das ist bei weitem die beste Investition, die ich je getätigt habe", meint er. "Durch den Solarstrom habe ich jetzt immer Licht und kann meinen Gaskocher betreiben. In diesen verzweifelten Zeiten müssen wir zu neuen Methoden greifen, um das Stromdefizit im Land zu verringern."

Schulaufgaben bisher bei Kerzenlicht

"Unsere Hausaufgaben machen wir oft bei Kerzenschein, das ist normal", erzählt der 15-jährige Batsirai Muzondo aus Glaudina Park in Harare. Doch in den vier Provinzen des Landes finden inzwischen immer mehr Menschen allmählich einen Ausweg aus der Krise.

In den letzten fünf Jahren sind zunehmend Solarmodule aus China und mit Diesel betriebene Generatoren in das Land gelangt. Geschäfte in Harare, die die diese Gerätschaften verkaufen, erfreuen sich einer regen Nachfrage. Die Preisspanne reicht von umgerechnet etwa 20 US-Dollar für ein kleines Solarmodul, mit dem Lampen und kleine Geräte wie Fernseher betrieben werden, bis zu rund 80 Dollar für einen kleinen Generator.

"Die Solarmodule und Dieselgeneratoren sind für die Bevölkerung ein Segen", sagt der Photovoltaikunternehmer Petros Dowani, der vor fünf Jahren in das Geschäft mit dem Solarstrom eingestiegen ist und einen Laden im zentralen Geschäftsviertel von Harare führt. "Viele Selbständige im informellen Sektor und Privatpersonen kaufen die Produkte, um sich gegen Stromausfälle zu wappnen."

Schweißer und Friseure nutzen Generatoren ebenso wie Getränkehändler und Nachtklubs in besseren Wohngegenden. Lamerk Mandizvidza, der eine Fleischerei im Viertel Warren Park besitzt, ist wegen der Verderblichkeit der Ware dringend auf Kühlung angewiesen. "Generatoren liefern einen preisgünstigeren Strom als die Energieversorger", berichtet er. "Denn fünf Liter Diesel kosten weniger als zehn Dollar und reichen für mehr als eine Woche. Monatlich gebe ich also etwa 40 Dollar für Diesel aus, während die Stromrechnung früher um die 100 Dollar betrug."

Die Weizenbauer klagen häufig darüber, dass sie durch die ständigen Stromausfälle ihre Felder im Winter nicht ausreichend bewässern können. Die Ernten fielen deshalb in den vergangenen Jahren mager aus. "Die Blackouts kommen oft in heiklen Momenten, wenn der Weizen blüht und viel Wasser braucht", sagt der Farmer Poterayi Ngarambi aus Shurugwi in der Provinz Midlands. "Wenn die Elektropumpen versagen, können wir das Wasser aus Stauseen und Brunnen nicht zu unseren Feldern befördern."

Größter Stromversorger will Solaranlagen bauen

Doch der Stromversorger Zimbabwe Power Company hat im Juni angekündigt, 100-Megawatt-Solaranlagen in den Provinzen Matabeleland und Masvingo zu bauen, um die Stromversorgung im Land zu verbessern. Der frühere Energieminister Elton Mangoma nannte als geplante Standorte die Städte Gwanda und Zvishavane.

Im März hatte das Technologieinstitut von Harare (HIT) eine solarbetriebene Heizanlage in Auftrag gegeben. Das Pilotprojekt für Warmwasserbereitung durch Solarstrom wurde durch die Regierung Südkoreas über die koreanische Entwicklungsbehörde KOICA und in Zusammenarbeit mit den Ministerien für Energie, öffentliche Baumaßnahmen und höhere Bildung finanziert.

KOICA installierte in der Pilotphase zwei Solar-Wasserheizsysteme im Institut für Technologie in Harare und in den staatlichen Krankenhäusern in Bulawayo, wo 15.000 beziehungsweise 13.000 Liter Wasser erwärmt werden. In den Hospitälern können auf diese Weise auch Brutkästen für Neugeborene beheizt werden.

"An durchschnittlich 300 Tagen im Jahr scheint in Simbabwe die Sonne. Das entspricht einer Stromleistung von jährlich 2.100 Kilowattstunden pro Quadratmeter", sagt der HIT-Techniker Evans Mushongera und kritisiert: "Bisher wird Solarkraft leider noch zu wenig genutzt." (afr/IPS)

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