Simbabwe: Trinkwasser in Dörfern und Städten rationiert

Illegale Händler profitieren

Von Jeffrey Moyo | 18.06.2013

Harare. Sarah Chikwanha lebt in Chitungwiza, 25 Kilometer von der simbabwischen Hauptstadt Harare entfernt. Ihr Wasser bezieht sie von illegalen Händlern, die mittlerweile im Land gute Geschäfte machen. "Da es in unserer Stadt nur einmal die Woche Wasser gibt, habe ich gar keine Wahl, als welches dazuzukaufen", berichtet die 61-Jährige. Der 2.500-Liter-Tank kostet sie 95 Dollar.

Der illegale Handel mit Wasser ist die Folge der Wasserrationierung in den kleinen und großen Städten aufgrund fehlender Entkeimungschemikalien für die Wasseraufbereitung. Der Bürgermeister von Harare, Muchadeyi Masunda, hat öffentlich erklärt, dass der Stadtrat drei Millionen US-Dollar monatlich für die Aufbereitung der Ressource ausgeben müsse, mit der auch die Nachbarstädte wie Chitungwiza, Norton und Ruwa versorgt werden.

Zahlen der Bürgerorganisation 'Harare Residents Trust' (HRT) zeigen, dass in der Hauptstadt nur 192.000 Haushalte an das öffentliche Wassersystem angeschlossen sind. Der Rest versorgt sich mit Brunnen- oder Regenwasser. Harare braucht etwa 1.300 Megaliter Wasser pro Tag, doch zur Verfügung stehen derzeit lediglich zwischen 600 und 700 Megaliter.

Den Ratsmitgliedern von Chitungwiza zufolge hat es der Stadtrat versäumt, für das Wasser aus dem nahen Chivero-See zu zahlen, was weitere Wasserrationierungen in der zwei Millionen Einwohner zählenden Metropole notwendig machte. Für die Menschen heißt das, Brunnen, Bohrlöcher und Flüsse anzuzapfen oder das Wasser bei illegalen Händlern einzukaufen.

"Der Wassermangel dauert nun schon ein Jahrzehnt. Er geht zurück auf die Wirtschaftskrise im Jahr 2000, als die Staatseinnahmen sanken, nachdem die kommerziellen weißen Farmer von ihrem Land vertrieben wurden und die von ihnen stets pünktlich bezahlten Gebühren ausblieben", meinte ein Regierungsbeamter, der sich Anonymität ausbat.

Wassermangel vor allem in den Dörfern kritisch

Wie Panganayi Charumbira, Mitglied des Bezirksrats von Budiriro, einem armen Viertel von Harare, gegenüber IPS berichtet, sind Stadt und Land gleichermaßen von dem Wassermangel betroffen. "Die Wasserkrise in den Städten wird zwar immer größer, doch am schlimmsten ist die Lage in den Dörfern."

Die Wasserhändler selbst berichten, dass ihnen die Behörden Steine in den Weg legen, ihr Geschäft zu legalisieren. "Die Stadträte weigern sich, uns Lizenzen auszustellen, und behaupten, unser Wasser sei verseucht", meint Delisono Jamela, ein Wasserhändler aus Harare, der sich bisher vergeblich bemüht hat, sein Unternehmen 'Jame-Waters' anzumelden.

Donemore Siwela ist Chef von 'Sycamore-Oasis', einer weiteren unangemeldeten Wasserlieferfirma. Wie er berichtet, bezieht er sein Wasser aus Orten, an denen keine Wasserknappheit herrsche. "Ich versorge meine Kunden mit Wasser aus Krankenhäusern und Regierungsbehörden. Aufgrund meiner guten Kontakte hätte ich auch dann nichts zu befürchten, wenn ich erwischt würde", meint Siwela.

In Übereinstimmung mit dem simbabwischen Wassergesetz von 1998 gibt es eine Behörde, die für die Vergabe von Wassernutzungslizenzen zuständig ist. Die 'Standards Association of Zimbabwe' (SAZ) hatte im vergangenen November die Wasserhändler nach Berichten über Wasserqualitätsmängel stärker kontrolliert, wie die SAZ-Direktorin Eve Gadzikwa berichtet.

"Wir haben die Regulierungsbehörde eingeschaltet. In diesem Fall war dies das Beratungsgremium für Nahrungsmittelstandards FSAB", so Gadzikwa im IPS-Gespräch. FSAB macht Stichproben, um die Qualität und Sicherheit von Wasser für private und kommerzielle Nutzung zu sichern.

"Händler gefährden die öffentliche Gesundheit"

Der Sprecher des Stadtrats von Harare, Lesley Gwindi, wirft den illegalen Wasserhändlern vor, "die öffentliche Gesundheit zu gefährden". Sie trügen zur Ausbreitung von Krankheiten bei, indem sie ungeklärtes Wasser verkauften. "Wir als Stadtrat versuchen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln allen Bürgen einen fairen Anteil an sauberem Wasser zu garantieren."

Laut Portia Manangazira, der Leiterin der Abteilung für Epidemiologie und Seuchenkontrolle im Ministerium für Gesundheit und Kinderwohlfahrt, traten wasserbedingte Krankheiten wie Typhus und Durchfall im ganzen Land nur vereinzelt auf. Allerdings räumte sie ein, dass sich mehr als 4.200 Simbabwer von August 2008 bis 2009 mit der Cholera angesteckt hatten.

Einige der Wasserlieferanten berichteten IPS, ihr Wasser aus den nahegelegenen Gewässern wie dem Chivero-See zu beziehen. Sie würden das kostbare Nass vor dem Verkauf reinigen. "Meist sind wir in der Nacht unterwegs, um den Behörden zu entgehen, die uns als Wasserdiebe verfolgen", meinte ein Wasserlieferant.

Für die 46-jähige fünffache Mutter Tracey Mangena ist die Beschaffung von Wasser unerschwinglich. "Allein ein großer Tank kostet bereits 750 Dollar. Das kann sich niemand leisten, der wie ich keine Arbeit hat."

Stadtbewohner wie die 56-jährige Witwe Miriam Saungweme hat die Wasserkrise dazu veranlasst, sich einen eigenen Brunnen zu bohren. "Armen Leuten wir mir bleibt gar nichts anderes übrig", berichtete sie.

Das 'Rooftop Rainwater Harvest-Projekt, das seit 2009 von der Nichtregierungsorganisation 'International Relief and Development' in Partnerschaft mit der US-Hilfsagentur USAIDS durchgeführt wird, verhilft den armen Bevölkerungsgruppen zumindest in der Regenzeit zu sauberen Trinkwasser. "Doch ist die Regenzeit vorüber, sind wir wieder auf die Wasserhändler oder andere Bezugsquellen angewiesen, die für einen 20-Liter-Kannister vier Dollar verlangen", meinte die 34-jährige Agnes Mhasi aus Harare." (afr/IPS)

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