Simbabwe: Traditionelles Saatgut trotzt dem Klimawandel

Weltklimarat rechnet mit Halbierung der Ernteerträge bis 2020

Von Locadia Mavhudzi | 14.01.2016

Harare. Auf dem Saatgut-Markt in der Kleinstadt Chiredzi im südöstlichen Simbabwe steht Bertha Chibhememe und präsentiert ihren Mais. 'Nzara Yapera' ist eine traditionelle Sorte, die vor allem von Shangani angebaut wird. Übersetzt heißt der Name der Pflanze so viel wie 'Der Hunger ist fort'. "Nzara Yapera wächst hier in der trockenen Gegend besser als andere Sorten", sagt Chibhememe.

Ein Sorghum-Feld in Simbabwe bei Sonnenuntergang: Die Hirsesorte gilt wie die Rispen- und Fingerhirse ist heißes und trockenes Klima gewöhnt (Bild: Martin Addison, CC BY-NC-ND 2.0).

Das gilt auch für mehrere Hirsesorten wie Sorghumhirse, Rispenhirse und Fingerhirse. "Wir haben hier meist extreme Temperaturen, dazu wenig Niederschlag, aber immer wieder Sturzfluten." Mit dem traditionellen Saatgut könne die Ernährungssicherheit am besten gewährt werden.

Die 45-jährige Chibhememe ist nicht die einzige, die modernem, genetisch verändertem Saatgut den Rücken gekehrt und sich traditionellen Sorten zugewendet hat. Mehrere ihrer Nachbarn haben es ihr gleich getan. Und nun haben Saatgut-Märkte und Workshops, auf denen alte Sorten vorgestellt und die Anbauweise erklärt wird, Konjunktur.

Traditionelle Sorten gegen Auswirkungen des Klimawandels

Der Rückgriff auf alte Sorten gilt als sinnvolle Maßnahme, um sich an den Klimawandel anzupassen, der sich immer mehr bemerkbar macht: Wetterextreme kommen häufiger vor, und Niederschläge sind unregelmäßiger als früher.

Nach Berechnungen des Weltklimarates IPCC könnten die Ernteerträge in Afrika durch den Klimawandel bis zum Jahr 2020 halbiert werden. Gegenden, die bereits jetzt trocken oder semi-trocken sind, werden am schlimmsten betroffen sein. Dort steigt daher das Risiko der Unterernährung und des Hungers besonders stark.

Rund 62 Prozent der Bewohner Simbabwes leben von der Landwirtschaft. Sie sind abhängig von den Wetterbedingungen, da ohne Regen hier nichts wächst. Da es immer wieder zu Dürren kommt, wäre es sinnvoll, Früchte anzubauen, die in trockenen Gebieten besser gedeihen.

Traditionelle Geschlechterrollen verhindern Klimaanpassung

Die Hilfsorganisation Care International Simbabwe hat herausgefunden, dass vor allem Frauen für den Anbau traditioneller Sorten empfänglich sind. Doch da in Simbabwe meist die Männer das Sagen im Haus haben, können die Frauen ihrem Interesse oft nicht nachgehen und ihr Wissen nicht anwenden. Ihnen steht es nicht zu, zu entscheiden, welche Feldfrüchte angebaut werden. Immerhin hat die Regierung des Landes begonnen, auch Frauen Landrechte zuzusprechen. Bisher war das ein unüberwindbares Tabu.

Auch wurden einige lokale Lösungen gefunden, darunter sogenannte 'Mikro-Gemeindeinitiativen'. In den Gemeinden Zvishavane, Mberengwa und Chivi beispielsweise, den heißesten und trockensten Gebieten des Landes, wurden Wasserauffangsysteme installiert. Diese funktionieren ganz einfach: Gruben sollen während Zeiten des Niederschlags das Wasser auffangen und speichern, um es in trockenen Zeiten nutzen zu können.

Das Projekt hat bereits Erfolge gezeigt. Akwenziwe Maseko, ein Bauer aus Zvishavane, erzählte gegenüber IPS, dass die Bauern dadurch ihre Gemüsegärten für einen längeren Zeitraum betreiben können und dadurch in der Lage sind, größere Nahrungsmittelvorräte anzulegen.

Als Naturschützer hatte sich Zephaniah Phiri für die Wasserauffangsysteme eingesetzt. Er hat noch mehr Ideen, wie auf ökologisch nachhaltige Weise die Ernteerträge erhöht werden können. Zum Beispiel könnte man mehr Vetiver-Gras anbauen, das bis zu 1,50 Meter hoch wachsen kann und drei Meter tiefe Wurzeln schlägt. Darin könnte sich der Wind fangen und die Bodenerosion eingedämmt werden. (afr/IPS)

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