Simbabwe: Rücksichtsvoll am Steuer

Taxifahrerinnen punkten gegen männliche Konkurrenz

Von Jeffrey Moyo | 25.08.2014

Harare. Mavis Gotora aus Mabvuku, einem dicht besiedelten Stadtteil der simbabwischen Hauptstadt Harare, fällt es nicht schwer, Kunden zu finden. Ein Passant nach dem anderen lässt sich davon überzeugen, in ihr privates Taxi zu steigen. Vor acht Jahren, als Gotora ihre ersten Fahrgäste beförderte, hatte sie noch gegen viele Vorurteile zu kämpfen.

"Es war hart, mit ausfälligen männlichen Taxifahrern zu konkurrieren, die neidisch darauf waren, dass ich so leicht an Kunden kam", erinnert sich Gotora. "Die Fahrer fühlten sich durch mich provoziert. Sie warfen mir alle möglichen Schimpfwörter an den Kopf und nannten mich manchmal sogar 'Hure'. Ich habe mich aber nicht unterkriegen lassen und kämpfe weite, um in dieser Branche zu überleben."

Die Simbabwerin, die vor ihrem Taxi-Job länger arbeitslos war, sah es als die beste Möglichkeit an, ihr Geld hinter dem Steuer zu verdienen. "Die meisten Frauen möchten unbedingt als Friseurinnen oder Straßenhändlerinnen arbeiten. Doch ich wollte es mit dem Taxifahren versuchen, nachdem ich 2005 meinen Führerschein gemacht hatte." Inzwischen besitzt Gotora ein eigenes Fahrzeug, das aus Japan importiert wurde. Sobald sie es zum Taxi umfunktioniert hat, will sie sich als Unternehmerin selbständig machen.

Bereits mehr als 3.000 Taxifahrerinnen in Simbabwe

Gotora ist in dem afrikanischen Land nicht die erste Frau, die es zu dieser Branche hinzieht. Nach Angaben der unabhängigen Fahrerinnen-Vereinigung von Harare (FEDAH) sind zurzeit landesweit etwa 3.200 Frauen im öffentlichen Beförderungssektor tätig. 22,5 Prozent von ihnen fahren private Taxis.

Die FEDAH-Vorsitzende Lynette Muzondiwa macht vor allem die Wirtschaftsprobleme in Simbabwe dafür verantwortlich, dass immer mehr Frauen in einem früher von Männern dominierten Bereich tätig sind. "Seit mehr als einem Jahrzehnt geht das Wirtschaftswachstum zurück. Da auch viele Frauen ihre Jobs verlieren, müssen sie Jobs annehmen, die früher Männern vorbehalten waren."

Aus Untersuchungen, die FEDAH zwischen 2007 und 2013 durchgeführt hat, geht hervor, dass die Zahl der Taxifahrerinnen stetig zunimmt. 2007 und 2008 hatten sich insgesamt etwa 110 Frauen für diese Arbeit entschieden. Inzwischen sind es bereits 720.

Tinashe Murwira ist davon überzeugt, dass sowohl Fahrer als auch Taxibesitzer rasch Gewinne erzielen werden. "Wir Fahrer müssen wöchentlich umgerechnet mindestens 250 US-Dollar verdienen, die wir dem Taxiunternehmer abliefern. Uns bleibt eine Umsatzbeteiligung, die viel höher ausfällt als die geringen Einnahmen von Straßenhändlerinnen", berichtet die 30-Jährige, die früher durch den Verkauf von Süßigkeiten und Telefonkarten etwa 25 Dollar in der Woche einnahm. "Im Monat bringe ich somit ungefähr 600 Dollar nach Hause."

Auch Murwira hat allerdings bereits unangenehme Erfahrungen mit der missgünstigen männlichen Taxi-Konkurrenz gemacht. Und einige besonders dreiste Kunden werden auch mal handgreiflich.

Taxiunternehmen wollen mehr weibliche Angestellte

Taxiunternehmer wie Nkosana Dlamini aus Harare bedauern, dass nicht noch mehr Frauen in der Branche arbeiten. In einem finanziell so ertragreichen Beruf müsse man seinen Mitarbeitern trauen können – und viele Fahrerinnen erfüllten diese Bedingung, meint er. Außerdem seien Frauen am Steuer nicht so rücksichtslos wie Männer. Die Fahrgäste fühlten sich bei ihnen sicherer.

Die Friseurin Ashley Muzenda kann davon ein Lied singen. "Männer fahren oft riskant, benutzen Kraftausdrücke in Gegenwart ihrer Kunden und entpuppen sich häufig als Kriminelle."

Seit dem vergangenen Jahr bietet das simbabwische Verkehrsministerium Ausbildungskurse für Fahrerinnen im öffentlichen Beförderungssektor an. Angesichts dieser Unterstützung durch die Regierung hoffen Gotora und ihre Kolleginnen auf noch bessere Zeiten. (afr/IPS)

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