Simbabwe: Müllsammler als 'Klimabotschafter'

Anrüchige Arbeit erfährt Aufwertung

Von Stanley Kwenda | 09.08.2012

Harare. Für den seit 2010 arbeitslosen Bauarbeiter Tomson Chikowero aus Harare war das Sammeln von wiederverwertbaren Abfällen anfangs nur ein Broterwerb, für den er sich schämte. Niemand sollte davon erfahren. Deshalb klapperte er frühmorgens und nach Einbruch der Dunkelheit die Müllcontainer ab und verkaufte die gefundenen Plastikflaschen und Pappkartons.

Erst als er einen seiner Kunden fragte, was mit dem gesammelten Müll passiert, erfuhr er, dass einheimische und internationale Recyclingfirmen sich für Plastik und Kartons interessieren. Für die Hersteller von Limonadenflaschen und Lebensmittelkartons ist das Material ein wertvoller, wieder verwertbarer Rohstoff.

In einem 2010 veröffentlichten Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) mit dem Titel 'Waste and Climate Change' heißt es: "Im Umgang mit dem Abfall bringen Müllvermeidung und Recycling auch in Entwicklungsländern den besten Nutzen bei der Bekämpfung des Klimawandels."

Das bestätigt auch Barnabas Mawire, Landesdirektor der Umweltorganisation 'Environment Africa'. "Recycling hilft bei der Abschwächung des Klimawandels. Die Produzenten benötigen weniger Energie und weniger Rohstoffe und produzieren somit weniger CO2."

Behörden mit Müllentsorgung überfordert

Überdies sind die Müllkippen im Land an der Grenze ihrer Kapazität angelangt. Manche Behörden erlauben bereits das offene Verbrennen der Abfälle. Das 'Journal of Sustainable Development in Africa' berichtete 2011, dass in Simbabwe jeder Haushalt täglich 2,7 Kilo Müll produziert. Davon sind nur 47 Prozent biologisch abbaubar.

In dem südafrikanischen Land werden die Auswirkungen des Klimawandels immer spürbarer. Der meteorologische Dienst registriert seit Jahren, dass weniger Regen fällt und die Temperaturen steigen.

Seitdem Chikowero verstanden hat, dass er mit seiner Arbeit die Umwelt entlastet und zur Bekämpfung des Klimawandels beiträgt, erfüllt ihn seine Arbeit mit Stolz. Inzwischen ist er auch tagsüber unterwegs. Mit missionarischem Eifer ist es ihm gelungen, einige der Hunderte von Müllsammlern, die in der 1,2 Millionen Einwohner zählenden Stadt Harare unterwegs sind, zur Mülltrennung zu bewegen. In seinem Revier, dem Vorort Eastlea, bittet er Hausmeister von Wohnanlagen und Einzelhaushalte, ihm Plastikflaschen und Kartons zu überlassen.

Für Chikowero zahlt sich das Mülltrennen inzwischen aus. Die Abnehmer bezahlen für ein Kilo Plastikflaschen zwischen sieben und zehn US-Dollar.

Für die meisten ist Klimawandel kein Thema

Doch viele seiner Landsleute machen sich keine Gedanken über den Klimawandel, erst recht nicht über Möglichkeiten, selbst etwas dagegen zu tun. Politische Vorgaben fehlen bislang.

In Zusammenarbeit mit dem 'Climate and Development Knowledge Network' (CDKN) und UN-Agenturen arbeitet Simbabwes Regierung an der Formulierung eines entsprechenden Konzepts. Im Mai hatte Irvin Kunene, ein hoher Beamter im Umweltministerium, angekündigt, man werde mit allen Beteiligten, auch mit den Abfallsammlern darüber beraten, wie eine Politik gegen den Klimawandel zu schaffen ist. Diese sollen dabei die Rolle von 'Botschaftern' gegen den Klimawandel übernehmen.

"Die Müllsammler haben viel getan, um unsere Städte sauber zu halten. Jetzt leisten sie zusammen mit der Recycling-Industrie einen Beitrag zum Umweltschutz", meint auch Toddy Nagara vom Komitee gegen den Klimawandel."

Soviel Anerkennung tut Müllsammlern wie Chikowero gut. Seine Arbeit erfülle ihn inzwischen mit Stolz, sagt er. "Die Scham ist vorbei." (afr/IPS)

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