Simbabwe: "Landwirtschaft ein Spielball der Politik"

Experten fordern nachhaltige und gezielte Investitionen

Von Busani Bafana | 24.06.2013

Nkayi. In den letzten fünf Jahren hat der simbabwische Bauer Melusi Mhlanga fast 200 US-Dollar pro Saison in die Maisproduktion investiert. Doch der finanzielle Aufwand hat sich nicht gelohnt. Die Landwirtschaft - einst wichtigster Sektor des Staates - wird in seinen Augen von der Politik viel zu wenig unterstützt. 

"Bei ausreichendem Regen gab mein zwei Hektar großes Land einst 20 Sack Mais her. Doch inzwischen sind es höchstens noch zehn Sack", erzählt der Farmer, der sich inzwischen auf Hirseanbau für den Eigenbedarf und auf Viehzucht verlegt hat. Er betreibt zudem einen kleinen Lebensmittelladen, einen Getränkemarkt und eine Mühle, die für ihn und seine Familie zu neuen wichtigen Einnahmequellen geworden sind.

Mhlanga ist der Meinung, dass er weitaus mehr Agrargüter erzeugen könnte, würde er von der Regierung technisch beraten und gefördert. Doch Wirtschaftswachstum und Ernährungssicherheit würden politischen Interessen geopfert, wie er meint.

Hatte die Landwirtschaft einst den höchsten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt des Landes geleistet, ist sie inzwischen auf den zweiten Platz, hinter den Bergbau, zurückgefallen. Sie galt stets als das Erfolgsrezept des afrikanischen Landes. Und durch das Landreformprogramm hatten auf einmal mehr Menschen Zugang zu Land. Doch Experten zufolge wird der Sektor ohne Investitionen in Equipment, Düngemittel und Know-how nur schwerlich auf die Beine kommen.

Visionslose Parteien

"Landwirtschaft und Land sind zu Spielbällen der Politik geworden", kritisiert auch Ian Scoones, ein Mitglied des Professorenkollegiums am Institut für Entwicklungsstudien der Universität von Sussex. Der Agrarökologe hat umfangreich über die Landwirtschaft in Simbabwe geforscht. "Weder die regierende ZANU PF noch die oppositionelle Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) können kohärente landwirtschaftliche und ländliche Entwicklungsstrategien vorweisen, Ebenso wenig haben sie die Auswirkungen der Landreform durchdacht."

Scoones, Ko-Autor des Buches 'Simbabwes Landreform: Mythen und Wirklichkeit' berichtet, dass die simbabwische Landwirtschaft in der Vergangenheit stets reichlich bezuschusst wurde: In der Zeit vor der Unabhängigkeit konzentrierten sich die Investitionen auf den Aufbau weißer kommerzieller Farmen und gleich danach auf die Kleinbauern in den kommunalen Gebieten.

"Seit 2000 hatte das Landreformprogramm Vorrang und Agrarinvestitionen wurden direkt von der Simbabwischen Zentralbank getätigt", fügt Scoones hinzu. "Doch wurde ein Großteil der Gelder nicht adäquat und zielgenau ausgegeben. Auch war die Korruption ein Problem. Seit sich die Wirtschaft 2009 wieder stabilisiert, kommt es zwar wieder zu Investitionen, die jedoch nicht ausreichen."

Der Wirtschaftsökonom Eric Bloch ist der Meinung, dass Simbabwe seine Landwirtschaft durchaus wieder in Schwung bringen könnte, wenn es seinen Schuldenberg abbauen, Land zu annehmbaren Preise verpachten und das investorenfeindliche Indigensierungsgesetz überdenken würde. Das Gesetz sieht vor, dass schwarze einheimische Simbabwer mindestens 51 Prozent der Anteile von Firmen halten sollen.

"Wir befinden uns in einer Situation der Ernährungsunsicherheit, da wir noch immer von internationaler Nahrungsmittelhilfe und Maisimporten abhängen", gibt Bloch zu bedenken. "Unsere Maisproduktion fällt hinter den nationalen Bedarf zurück."

Das Welternährungsprogramm schätzt, dass bis zu 1,6 Millionen Simbabwer auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein werden, da die Ernten der Kleinbauern, die den Maisbedarf der Bevölkerung zur Hälfte decken, zu klein ausfallen werden.

Allmählicher Sinneswandel

"Die Regierung hat aus offensichtlichen Gründen immer nur in Wahljahren umfangreiche finanzielle Mittel für die Landwirtschaft bereitgestellt", moniert der Ökonom und Farmer Peter Gambara. "In diesem Jahr hat Finanzminister Tendai Biti endlich mehr Mittel für den Agrarsektor bekannt gegeben. Das hat damit zu tun, dass man sich klar geworden ist, dass gute Erträge Auswirkungen auf die ganze Wirtschaft haben", so Gambara. Auch der Vorwurf seiner Ministerkollegen und des Präsidenten, nicht genügend Ressourcen für die Landwirtschaft locker gemacht zu haben, dürften eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben.

Bei der Vorstellung des simbabwischen Haushalts 2013 gab Biti das diesjährige Wachstum der Landwirtschaft mit 4,6 Prozent an. Während der Unruhen vor dem Hintergrund der Agrarreform 2008 hatte das Land ein Minus-Wachstum von 5,8 Prozent verzeichnet. (afr/IPS)

| Tags: , , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus