Simbabwe: Landbevölkerung setzt auf Solarstrom

Regierung plant Ausbau von erneuerbaren Energien

Von Jeffrey Moyo | 28.09.2016

Mwenezi (IDN). Im Dorf Vesera im Beirk Mwenezi im Süden von Simbabwe richtet Albert Chindiro das Solarpanel auf dem Dach seiner Hütte aus. Sonnenenergie sorgt seit einiger Zeit für Licht in der bescheidenen Behausung, in der der 34-Jährige gemeinsam mit seiner Frau und der zwei Jahre alten Tochter lebt. Wie Chindiro setzten immer mehr Simbabwer auf die Kraft der Sonne.

Verkäufer von Solarpanelen in SimbabweIn Simbabwe wächst der Markt für Solarpanele rasant. (Bild: Jeffrey Moyo/IDN)

Albert Chindiro hat sein Solarpanel im benachbarten Südafrika gekauft. Dorthin kommt er relativ häufig, um einfache Jobs anzunehmen, mit denen er seine Familie über Wasser hält. "Das Solarpanel hat unser Leben verändert", erzählt er. "Wir müssen jetzt kein Brennholz mehr für die Beleuchtung verschwenden. Wir haben es jetzt so gut wie Menschen in der Stadt, obwohl wir in einer Strohhütte leben."

Alphios Mhike ist der Nachbar von Albert Chindiro. Zu seinem Haus führen zwar noch die Leitungen der staatlichen Energieversorungsbehörde ZESA, es fließt darin allerdings kein Strom mehr. Nachdem Mhike die Gebühren nicht mehr zahlen konnte, wurde der Strom abgestellt. Jetzt hat auch er auf Solar umgestellt.

Unterversorgung und Blackouts

Laut dem 'Sustainable African Energy Consortium' (SAEC) sind 44 Prozent der etwas mehr als drei Millionen Haushalte in Simbabwe an die staatliche Energieversorgung angebunden. Vor kurzem hat die nationale Energieregulierungsbehörde ZERA eine Erhöhung der Strompreise um 49 Prozent vorgeschlagen, um mehr Strom erzeugen zu können. Dieses Vorhaben wurde aber von der Regierung blockiert.

Vor allem in ländlichen Gebieten können sich viele Menschen bereits jetzt die hohen Stromkosten nicht mehr leisten. "Ich habe einen Weg gefunden, mich der ZESA zu entziehen", sagt Mhike. "Mit der Sonnenenergie läuft nicht nur mein Kühlschrank, ich kann jetzt auch jeden Tag Licht haben."

Menschen und Unternehmen in Simbabwe leiden seit Jahren an einer notorischen Unterversorgung an Elektrizität, häufig kommt es zu Stromausfällen. Der Gesamtbedarf wird mit 2.200 Megawatt pro Tag angegeben, davon kann das Land aber nur 1.300 Megawatt selbst produzieren. 300 Megawatt werden aus Südafrika importiert, 40 Megawatt stammen aus Mosambik.

Regierung investiert in erneuerbare Energien

Die verstärkte Nutzung von nachhaltiger Energie soll Simbabwe nun aus der Stromkrise führen. Das Land hat sich der Initiative Sustainable Energy for All von UN-Generalsekretär Ban ki-Moon angeschlossen, um allen Staatsbürgern den Zugang zu nachhaltiger Energie bis zum Jahr 2030 zu ermöglichen. Nach Angaben der Regulierungsbehörde ZERA haben derzeit 1,2 Millionen von insgesamt 14 Millionen Simbabwern Zugang zu Solarenergie, 83 Prozent davon leben in abgelegenen Gebieten.

Das Nahziel der Regierung lautet, die Kapazität an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2018 deutlich zu erhöhen. Im Budget für 2016 hat die Regierung 28,3 Millionen US-Dollar für den Netzausbau sowie Solar- und Biogasprojekte vorgesehen. Mit dem Geld soll auch die 300-Megawatt-Photovoltaikanlage der staatlichen Zimbabwe Power Company finanziert werden. Bereits vor einem Jahr hat die ZERA 250 Millionen US-Dollar für fünf Solarstrom-Projekte genehmigt, die gemeinsam 160 Megawatt Strom erzeugen sollen.

Umweltschützer begrüßen die Zuwendung zu sauberer Energie. "In der Vergangenheit waren die meisten Landbewohner auf Brennholz angewiesen, sogar für die Beleuchtung", sagt der Umweltexperte Evans Madhongi aus der Hauptstadt Harare. "Durch die verstärkte Nutzung von Sonnenenergie können unsere Wälder nach und nach gerettet werden."

Simbabwes Umstieg auf erneuerbare Energien wird von internationalen Gebern begrüßt: Das Land profitiert von moderner Umwelttechnologie, deren Anschaffung vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP gefördert wird. Außerdem kommt Simbabwe in den Genuss von Mitteln aus dem Perez-Guerrero-Treuhandfonds (PGTF), der Süd-Süd-Kooperationen im Bereich der erneuerbaren Energie unterstützt.

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate

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