Simbabwe: Keine Entwicklung durch lokale Bergbauprojekte

Menschen beklagen Verlust von Weideland und Infrastruktur

Von Tatenda Dewa | 13.11.2013

Mutoka. Die Detonation ist so laut, dass sich Ranganai Zimbeva die Ohren zuhält. Er sieht Bergleuten aus der Ferne dabei zu, wie sie in der Nähe von Mutoko, seinem Heimatdorf 200 Kilometer südlich der simbabwischen Hauptstadt Harare, ganze Felsformationen sprengen, um an den darunterliegenden Schwarzen Granit zu kommen.

Tiefe Gräben durchziehen die einst als Weidegrund genutzte Landschaft. Hier, in der kleinen Ortschaft in der Provinz Mashonaland Ost, verhängen Staub und Rauch den Himmel. "Einige Dorfbewohner leiden an Atemwegserkrankungen", berichtet der 70-Jährige. "Es wird Zeit, dass die Bergbaufirmen endlich einen Gesundheitsfonds einrichten, der die medizinische Versorgung der Kranken gewährleistet."

Zimbeva zufolge kommt es vor, dass das Vieh, wenn es aus den Gräben trinkt, stirbt. "Doch scheint es niemanden zu interessieren, dass das Wasser offenbar giftige Chemikalien enthält. Denen geht es nur ums Geld", empört er sich und meint die Bergbauunternehmen. Weil ihm und den anderen Bauern die finanziellen Mittel für eine wissenschaftliche Untersuchung fehlen, können sie ihren Verdacht nicht beweisen.

Die Menschen in Mutoko sind arm. Dürren und die Granitproduktion haben ihre Situation weiter verschlechtert. "Der Granitbergbau hat uns um viel Weideland gebracht", sagt Zimbeva. "Und obwohl die Unternehmen verantwortlich dafür sind, beschäftigen sie nicht etwa unsere Leute, sondern holen sich die Arbeiter aus anderen Regionen." Rund zehn lokale und internationale Unternehmen fördern im Bezirk Granit.

Menschen schlechter dran

Geologen zufolge ist Simbabwe reich an Mineralien wie Platin, Diamanten, Asbest, Graphit und Gold. Menschenrechtsaktivisten und Wirtschaftswissenschaftler werfen den lokalen Bergbaufirmen vor, in keiner Weise zur Entwicklung der Gemeinden beizutragen und die Situation der Menschen sogar noch zu verschlechtern. "Einige Multis bauen Krankenhäuser, Schulen und Wohnhäuser", meint Robertson. "Doch die lokalen Unternehmen halten sich an keine Spielregeln. Sie werden von Gier beherrscht", kritisiert der Ökonom John Robertson.

693 Familien, die viele Jahrzehnte lang auf dem 71.000 Hektar großen Gelände gelebt hatten, in dem sich das Marange-Diamantenfeld der Provinz Manicaland befindet, wurden umgesiedelt. Sie leben jetzt in Arda Transau, einer großen Farm nahe der Provinzhauptstadt Mutare. Ingesamt steht 4.300 Haushalten ein Umzug bevor.

Auf Arda Transau leben die Familien in Häuern mit vier Schlafzimmern. Doch beklagen sie den Verlust von Weide- und Ackerland und Infrastrukturen wie Wasserspeichern. "Kleinunternehmen und Geschäfte mussten dichtmachen", berichtet Melanie Chiponda, Leiterin des 'Chiadzwa-Gemeinde-Entwicklungs-Trust', der die Interessen von Minenanwohnern vertritt. Den Unternehmen seien die Menschen egal, meint Chiponda und bestätigt, dass die Menschen seit der Umsiedlung schlechter dran sind als zuvor. Die meisten seien auf Zuwendungen und Spenden humanitärer Organisationen und Minenunternehmen angewiesen. "Viele Kinder brechen die Schule ab, weil sie ihren Familien beim Geldverdienen helfen müssen."

Freeman Bhoso ist Geschäftsführer des Simbabwischen Forums für den Dialog über natürliche Ressourcen, das sich für eine nachhaltige Rohstoffausbeutung einsetzt. Er führt die Missstände darauf zurück, dass die Verträge hinter geschlossenen Türen gemacht werden.

"Die Konzessionen werden ohne Rücksprache mit den Gemeinden vergeben. Begünstigt werden oftmals Parteifreunde, es fehlt an Transparenz", kritisiert er. "In den meisten Fällen werden die erforderlichen Umweltverträglichkeitsstudien erst dann vorgelegt, wenn die Arbeiten längst begonnen haben."

Freihändige Vergabe von Lizenzen

Ein im Juni von einem Parlamentsausschuss veröffentlichter Bericht wirft dem Bergbauministerium vor, Lizenzen für Marange an Unternehmen vergeben zu haben, ohne den Vorgang dokumentiert zu haben. Der zwischenstaatliche Minenkonzern ZMDC ist an drei Firmen beteiligt, die die Marange-Diamantenmine ausbeuten. Außerdem gehören der ZMDC 100 Prozent der Aktien eines weiteren in Marange tätigen Unternehmens.

Der ehemalige Bergbauvizeminister Gift Chimanikire von der Oppositionspartei Bewegung für den demokratischen Wandel war nicht bereit, sich zu den Bergbauunternehmen zu äußern, an denen der simbabwische Staat beteiligt ist. Das sei Sache der am 31. Juli gewählten Regierung von Staatspräsident Robert Mugabe. Der zuständige Minister Walter Chidhakwa hat auf entsprechende Anfragen nicht reagiert.

Der parlamentarische Ausschuss fand ferner heraus, dass die Regierung nur geringfügig vom Diamantenbergbau profitiert. 2011 und 2012 hatten Bergbaukonzerne in Simbabwe Diamanten im Wert von insgesamt 797 Millionen Dollar exportiert, doch in die Staatskassen flossen gerade einmal 82 Millionen Dollar.

Bhoso wirft den ausländischen Konzernen vor, die Mittel aus den sogenannten 'Community Share Ownership Trusts' (CSOT) nicht an die Gemeinden weiterzugeben, wie dies im Gesetz zur Indigenisierung vorgesehen ist. Dem Gesetz zufolge müssen ausländische Bergbaufirmen schwarze Simbabwer zu 51 Prozent an ihren Unternehmen beteiligen. Die anteiligen Gewinne fließen in die CSOTs, die den von den Bergbauprojekten betroffenen Gemeinden zugute kommen sollen. "Das Hauptproblem besteht darin, dass die Regierung in diesen Joint Ventures mitmischt, wodurch die Entscheidungen politisch gefärbt sind", meinte Bhoso. (afr/IPS)

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