Simbabwe: Junge Politiker wollen in die erste Reihe

Parteien zur Erneuerung gedrängt

Von Ignatius Banda | 14.05.2013

Bulawayo. Junge Politiker in Simbabwe fordern immer lauter eine größere Rolle in der Führung ihres Landes zu spielen. Beobachter erwarten, dass dadurch bei jüngeren Wählern ein stärkeres Interesse an dem bevorstehenden Urnengang geweckt wird. "Junge Menschen beginnen Politik anders wahrzunehmen", sagt Tinaye Juru, ein Politologe aus der Stadt Bulawayo.

Der politische Nachwuchs hätte einen anderen Zugang zur Politik, meint Juru. "Sie wollten nicht mehr die 'Führer von morgen' genannt werden, sondern bereits heute aktiv werden." Die nächsten Wahlen sind nach dem 29. Juni geplant, wenn die laufende Legislaturperiode endet. Viele Beobachter hoffen, dass die Parteien jüngeren Kandidaten den Weg ebnen. In der Vergangenheit mussten sich die Jüngeren eher damit begnügen, ältere Kandidaten im Wahlkampf zu unterstützen.

Wie die Nichtregierungsorganisation 'Freedom House' feststellte, sind Jungwähler in dem afrikanischen Land selten. In dem 2012 veröffentlichten Bericht 'Change and 'New' Politics in Zimbabwe' heißt es, dass "die Registrierung von Wählern in den Alterskategorien der 18- bis 25-Jährigen sowie der 26- bis 35-Jährigen unverhältnismäßig niedrig ist." Dies ist von erheblicher Bedeutung, denn laut dem Statistikamt sind bis zu 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 35 Jahre.

Innerhalb der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC-T) von Ministerpräsident Morgan Tsvangirai hat es bereits scharfe Kritik am Auftreten älterer Politiker gegeben. Der junge Flügel der Partei fordert, dass MDC-T Vorwahlen anberaumen solle, um Kandidaten für die nächsten Wahlen aufzustellen.

Bisher mussten sich amtierende Parlamentarier nicht darum sorgen, bei den kommenden Wahlen wieder im Rennen zu sein. Die jüngeren Parteimitglieder sind jedoch der Ansicht, dass sie der MDC-T einen besseren Dienst erweisen könnten. Sie verlangen daher eine Jugendquote in der Volksvertretung.

Clifford Hlatshwayo, der nationale Sekretär für Information im jungen Parteiflügel, ist dafür, jüngeren Kandidaten eine bestimmte Zahl von Parlamentssitzen zu reservieren. "Wenn wir einmal das Land regieren sollen, können wir nur so auf die Zukunft vorbereitet werden", meint er.

Unterlagen jüngerer Kandidaten verschwunden

Ähnlich sieht es in einer Splittergruppe der MDC aus, die von Welshman Ncube angeführt wird. Angehende Kandidaten aus dem jüngeren Lager waren älteren Funktionären unbequem und wurden von ihnen abgedrängt, wie ein Nachwuchspolitiker erklärt. "Wir wurden gemeinsam mit anderen Bewerbern aufgefordert, unsere Anträge auf die Nominierung für die Vorwahlen einzureichen. Merkwürdigerweise gingen die Unterlagen aber verloren", berichtet das Parteimitglied, das anonym bleiben will.

Auch die Partei von Präsident Robert Mugabe, 'Zimbabwe African National Union – Patriotic Front' (Zanu-PF) wird beschuldigt, die jüngere Generation zu übergehen. Ein führender Vertreter des jungen Zanu-PF-Flügels in Bulawayo erklärt, dass es sehr schwer sei, in der Partei aufzusteigen. Diejenigen, die noch nicht im Befreiungskrieg von 1964 bis 1979 gegen die damalige Regierung von Rhodesien gekämpft hätten, würden von den oberen Parteirängen nicht ernst genommen, kritisiert er. "Es gibt ältere Mitglieder, die sich von den Jüngeren regelrecht in ihrer Position bedroht sehen. Wir geben im Wahlkampf unser Bestes für die Partei. Doch selbst die weniger betagten Parlamentarier reagieren nicht gut auf Kritik und werfen uns rasch vor, dass wir im Namen bestimmter Gruppen agieren. Darüber wollen wir aber nicht diskutieren."

Der Priester und politische Analyst Philemon Ncube ist der Ansicht, dass Parteien mehr dafür tun müssen, um die Jüngeren auf Führungsaufgaben vorzubereiten. "Die Gesamtheit der Parteien hat keine Mechanismen eingeführt, die den Anstoß zu einer Erneuerung der Führungsebene geben würden. Dadurch wird es für die Jüngeren schwierig, aufzurücken."

Verbreitetes Misstrauen gegen Politiker

Das Misstrauen gegen Parlamentarier ist in Simbabwe allerdings generell groß. Eine 2012 durchgeführte Untersuchung der Organisation 'Afrobarometer' stellt fest, dass mangelndes Vertrauen hauptsächlich dafür verantwortlich ist, dass sich viele Menschen von der Politik abgewandt haben.

Laut dem 'Zimbabwe Election Support Network' haben sich erst 18 Prozent der jüngeren Wähler in das Register aufnehmen lassen. Und an den umstrittenen Wahlen im März 2008 hatten sich lediglich 43 Prozent der registrierten Jungwähler beteiligt. (afr/IPS)

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