Simbabwe: In 35 Jahren eine Wüste

Unkontrollierter Holzschlag vernichtet die Wälder

Von Jeffrey Moyo | 11.02.2015

Harare. In Simbabwes Wäldern surrt es. Nicht etwa, weil dort so viele Insekten umherschwirren, sonder weil sich Hochgeschwindigkeitssägen unerbittlich durch den alten Baumbestand fressen. Die gefällten Stämme werden beim Trocknen von Tabakblättern verfeuert, als Nutzholz exportiert oder an lokale Holzkohleproduzenten geliefert.

Deforestation pic B- Mwenezi girlGerade in abgelegenen Regionen - wie hier in Mwenezi im südlichen Simbabwe - fallen die Wälder unkontrollierter Abholzung zum Opfer (Bild: Jeffrey Moyo/IPS). 

"Wenn die Entwaldung in dem bisherigen Tempo fortschreitet, wird sich Simbabwe in nur 35 Jahre in eine Wüste verwandelt haben", warnt die Umweltaktivistin Marylin Smith, die früher der Regierung von Präsident Robert Mugabe angehörte. Es sei höchste Zeit, den privaten Holzeinschlag zu regulieren.

Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat Simbabwe zwischen 1990 und 2010 jährlich durchschnittlich 327.000 Hektar Wald verloren. Smith führt diese Entwicklung vor allem auf die Ausweitung des Tabakanbaus zurück, der etwa 88.000 Bauern beschäftigt. Jedes Jahr würden dafür Millionen Tonnen Feuerholz geschlagen.

"Wenn Tabakindustrie und Haushalte weiterhin so viel Holz verfeuern, wird es in Simbabwe bald keine Wälder mehr geben", warnt auch Thabilise Mlotshwa von der lokalen Umweltgruppe 'Save the Environment'.

Doch auch die landesweit mehr als 66.000 Holzhändler tragen zur Entwaldung bei. "Tausende dieser Leute kennen keine Gnade mit unseren Bäumen und denken nur an ihren Profit", sagt der Agronom Raymond Siziba, ein Beamter im Distrikt Mvurwi, etwa hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Harare.

Fläche von der Größe Frankreichs in einer Dekade verschwunden

Aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der UN-Agrarorganisation FAO geht hervor, dass die tropischen Wälder im Zeitraum 1980 bis 1990 weltweit um jährlich durchschnittlich 15,4 Millionen Hektar schrumpften. Daraus ergab sich eine jährliche Entwaldungsrate von 0,8 Prozent. Die Waldflächen, die in jenem Jahrzehnt verschwanden, entsprachen etwa der Größe Frankreichs.

In den Entwicklungsländern ist Feuerholz der wichtigste Energieträger beim Kochen und Heizen. Schätzungsweise 90 Prozent aller Afrikaner bereiten ihre Mahlzeiten über dem offenen Feuer zu. In Subsahara-Afrika machen Brennholz und Reisig etwa 52 Prozent der Energiequellen aus.

Nicht nur in Simbabwe, sondern auch in anderen Staaten südlich der Sahara ist der Zustand der Wälder besorgniserregend. Ein Ausschuss der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union unter dem Vorsitz des ehemaligen Staatschefs Südafrikas, Thabo Mbeki, kam zu dem Schluss, dass aus Mosambik erheblich mehr Holz nach China ausgeführt wird, als offiziell erfasst ist.

Der Schwund der Walddecke ist auch in Ghana ein großes Problem. Nichtholzprodukte bieten dort etwa 2,5 Millionen Menschen eine Existenzgrundlage. Zwischen 1990 und 2005 sind mehr als ein Viertel aller Wälder in Ghana verschwunden. Wenn der Holzschlag in dem bisherigen Rhythmus weitergeführt wird, könnte das Land bereits in 25 Jahren keine Bäume mehr haben. Bisherige Maßnahmen gegen die Entwaldung sind fehlgeschlagen, da die Interessen von Wirtschaft und Politik offenbar nicht miteinander vereinbar sind.

Laut einer Studie der Umweltorganisation 'Greenpeace' stellt der Holzschlag im Afrika westlich des Äquators die größte Einzelgefahr für den Regenwald im Kongo-Becken dar. Holzunternehmen sind zurzeit vor allem in der Demokratischen Republik Kongo tätig, wo auf mehr als 50 Millionen Hektar Urwald die Sägen angesetzt werden.

Etwa 20 bis 25 Prozent des jährlichen Waldschwundes werden mit dem Holzhandel in Verbindung gebracht. Weitere 15 bis 20 Prozent gehen offensichtlich auf das Konto anderer Aktivitäten wie etwa der Rinderzucht, dem Anbau für den Verkauf bestimmter Feldfrüchte sowie dem Bau von Dämmen, Straßen und Bergwerken.

Sporadische Stromversorgung in Simbabwe

In erster Linie ist allerdings die breite Masse der Bevölkerung für den Waldschwund verantwortlich. In ländlichen Gebieten, in denen es keinen Strom gibt, stehen die Wälder unter einem hohen Druck. "Brennholz ist seit Generationen unsere Hauptenergiequelle. Man kann sich vorstellen, wie viel Wald in entlegenen Zonen abgeholzt wird", sagt Irene Chikono, eine 61-jährige Lehrerin aus Mutoko, 143 Kilometer östlich von Harare.

Auch die Simbabwer, die Zugang zu Elektrizität haben, sind nicht auf der sicheren Seite. Der staatliche Versorger 'Zesa' liefert nur unregelmäßig Strom, da der Staat nicht über die nötigen Finanzmittel verfügt, um Energie aus dem Ausland zu importieren. "Da immer häufiger der Strom ausfällt, kaufe ich Holz auf dem Markt", sagt die 31-jährige Collina Hokonya, eine Mutter von drei Kindern, die einem dichtbesiedelten Vorort von Harare lebt.

Auch wenn die Regierung versichert, mit aller Kraft gegen die Entwaldung vorzugehen, sehen lokale Händler und Bewohner von Dörfern angesichts der prekären Wirtschaftslage kaum eine andere Möglichkeit, als weiterhin Wälder abzuholzen. (afr/IPS)

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