Simbabwe: Im Krieg gegen AIDS kommen Kinder zu kurz

Regierung will 85 Prozent der Bevölkerung testen lassen

Von Jeffrey Moyo | 26.01.2015

Harare. Nach neuen Schätzungen der UN-AIDS-Organisation (UNAIDS) sind in Simbabwe fast 200.000 Neugeborene und Kinder bis 14 Jahren mit HIV infiziert. Da sie in jungen Jahren selten auf den Erreger getestet werden, erfahren die meisten erst im Erwachsenenalter von der Infektion – wenn alles zu spät ist. Die Regierung will nun bis Jahresende 85 Prozent der Bevölkerung testen lassen.

Many children under 15 in Zimbabwe discover their HIV status only when they fall critically ill later in life. Credit: Jeffrey Moyo/ IPSViele Kinder in Simbabwe erfahren ihren HIV-Status oft zu spät (Bild: Jeffrey Moyo/IPS).

Wie eine Studie der 'London School of Hygiene and Tropical Medicine' aus dem letzten Jahr bestätigt, kommt die Altersgruppe der Sechs- bis 15-Jährigen bei der AIDS-Vorsorge zu kurz. Diesen Umstand führen die Autoren vor allem darauf zurück, dass sich das Gesundheitspersonal scheut, die Tests bei den Kindern durchzuführen, weil sie wissen, dass HIV-positiven Mädchen und Jungen Übergriffe und Stigmatisierung drohen.

Ein weiteres Problem stellen die langen Wartezeiten für einen Test-Termin dar. Dass es HIV-Infektionen gibt, die sich bei Kindern sehr langsam entwickeln, erklärt ebenfalls, warum viele Heranwachsende nicht getestet werden.

Fortschritte und Rückschläge

Seit letztem Jahr gelten neue Richtlinien, die insbesondere Paaren, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu AIDS-Tests und -Beratungen erleichtern sollen. Auch können junge Leute ab dem 16. Lebensjahr selbst entscheiden, ob sie sich testen lassen wollen. Doch den Forschern der London School zufolge tun sich viele medizinische Fachkräfte schwer mit den neuen Bestimmungen.

In Simbabwe sind 14,7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mit dem Immunschwächevirus infiziert. In einigen anderen Ländern der Region ist der Anteil sogar noch höher: 17,8 Prozent sind es in Südafrika, 23 Prozent in Botswana, 23,6 Prozent in Lesotho und 25,9 Prozent in Swasiland. Staaten wie Mali, Guinea, Burkina Faso, Benin, der Sudan, Senegal, Niger, Mauretanien und Somalia verzeichnen hingegen niedrige Infektionsraten zwischen 0,7 und einem Prozent.

Während die meisten Länder der Region Fortschritte bei der Bekämpfung von HIV/AIDS vorweisen können, fallen vor allem Uganda und Niger zurück. Dort steigen die HIV-Infektionen weiter an.

Dabei galt Uganda in den 1990er Jahren aufgrund intensiver und erfolgreicher Aufklärungskampagnen als Vorreiter in Sachen HIV/AIDS-Bekämpfung. Doch dann kam es zwischen 2005 und 2012 erneut zu einem Anstieg der Infektionsrate – von 6,4 auf 7,3 Prozent – obwohl die USA dem Land in diesem Zeitraum über ihr Hilfsprogramm PEPFAR rund 1,7 Milliarden Dollar zur AIDS-Bekämpfung bereitstellten.

Ehrgeiziges Testziel

Die Regierung Simbabwes will nun sicherstellen, dass sich bis Ende des Jahres 85 Prozent der Bevölkerung – einschließlich Kinder und Jugendliche – auf HIV/AIDS testen lassen.

Die 51-jährige Mateline Msipa lebt seit vielen Jahren mit HIV. Obwohl ihre 17-jährige Tochter erst nach der Diagnose geboren wurde, ist unklar, ob es zu einer Mutter-Kind-Übertragung gekommen ist, denn sie wurde noch nie getestet.

"Kranke werden in unserer Gesellschaft stigmatisiert", sagt die Mutter. Das sei auch der Grund, warum sie die Krankheit vor ihrem eigenen Kind geheimhalte. "Ich habe keinen Grund, mich testen zu lassen", sagt wiederum die Tochter. "Schließlich hatte ich noch keinen Sex." (afr/IPS)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus