Simbabwe: Goldschürferinnen stecken ihre Claims ab

Frauen kämpfen um bessere Rahmenbedingungen im Bergbau

Von Sally Nyakanyanga | 21.03.2018

Harare (IPS/afr). Jeden Morgen verlässt Tapiwa Moyo beim ersten Hahnenschrei ihr Haus. Die 40-Jährige schließt sich einer Schar von Frauen an, die sich als Goldgräberinnen ihrer Heimatgemeinde ihren Lebensunterhalt verdienen. Mit den kleinen Funden bessert sie das spärliche Familieneinkommen auf.

Goldgwinnung in Shamva in der Provinz Mashonaland im Nordwesten von Simbabwe (Bild: Kevin Walsh, CC BY 2.0)

Den größten Teil des Tages verbringt Moyo damit, Flußsand nach Spuren von Gold abzusuchen. Dabei steht sie oft stundenlang bis zu ihren Knien im schlammigen Wasser. "Als arbeitslose und alleinerziehende Mutter bleibt mir gar nichts anderes übrig als Mittel und Wege zu finden, um für meine fünf schulpflichtigen Kinder sorgen zu können", erzählt Moyo. "Es gibt niemanden, der mich unterstützt. Deshalb habe ich mit anderen Frauen eine Goldgräberinnen-Gruppe gegründet."

Der Bergbau ist in Simbabwe von Männern dominiert. Aber immer mehr Frauen werden in diesem Sektor aktiv. Abseits des professionellen Goldabbaus suchen sie mit einfachen Werkzeugen wie Hacken und Schaufeln nach dem wertvollen Mineral.

Erwerb von Claims soll einfacher werden

Dorcas Makaza-Kanyimo, stellvertretende Direktorin der Initiative Women and Law in Southern Africa in Simbabwe, unterstützt die Ambitionen der Goldgräberinnen. Sie fordert von der Politik mehr Engagement, um eine echte Gleichstellung mit den männlichen Kollegen im Minensektor zu ermöglichen.

"Es ist notwendig, dass die Kosten für den Erwerb von Claims reduziert und eigene Kreditlinien für Frauen geschaffen werden", meint Makaza-Kanyimo. "Frauen benötigen Zugang zu Kapital, um mit dem Abbau beginnen und die notwendige Ausrüstung beschaffen zu können."

Nach Schätzungen gibt es in Simbabwe etwa 50.000 Kleinschürfer. Der Frauenanteil liegt zwischen elf und 15 Prozent. Untersuchungen zeigen, dass der Minensektor in Afrika zwar ein wichtiger Schlüsselfaktor für Wirtschaftswachstum ist. Allerdings hat der Sektor bislang kaum zur Reduzierung von Armut beigetragen.

Dorcas Makaza-Kanyimo möchte daher erreichen, dass sich das simbabwische Minenministerium verstärkt um das Problem kümmert: "Frauen können die von den Banken geforderten Sicherheiten nicht vorweisen. Sie brauchen daher Zugang zu Krediten mit minimalen Anforderungen."

Gewalt und Betrug

WLSA Zimbabwe bietet eigene Ausbildungsprogramme, um sicherzustellen, damit Frauen die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bergbausektor kennen. "Wir unterstützen Frauen vor allem in der Frage, wie sie einen legalen Anspruch auf eine Mine geltend machen können", erklärt Makaza-Kanyimo. "Die meisten Frauen arbeiten illegal und damit in einer unkontrollierten Umgebung. Sie sind oft Gewalt und Betrug ausgesetzt: Goldgräberinnen werden von Männern bedrängt und vergewaltigt und von Käufern über den wahren Wert ihrere Funde im Unklaren gelassen."

Die gegenwärtige Gesetzesgrundlage ist der "Mines und Mineral Act", der aus dem Jahr 1961 und damit aus der Kolonialzeit stammt. Makaza-Kanyimo hofft, dass das Gesetz bald reformiert wird und Frauen den Zugang zum Bergbau erleichtert.

Das Problem besteht aber nicht nur in Simbabwe. Die meisten Länder Afrikas sind reich an Bodenschätzen, aber Frauen haben selten einen gleichberechtigten Zugang zum Rohstoffsektor. Am besten ist die Situation noch in Südafrika. "Durch die südafrikanische Bergbau-Charta konnten große Fortschritte in der Gleichstellung der Geschlechter erzielt werden", meint Makaza-Kanyimo, "allerdings gibt es auch hier immer noch große Herausforderungen zu bewältigen, vor allem was die Erteilung des Schürfrechts betrifft."

Erfolgsgeschichten aus dem Süden

Aber auch in Simbabwe scheint sich das Blatt langsam zu wende. In Gwanda, der Hauptstadt der Provinz Matabeleland South im Süden des Landes, haben sich Goldgräberinnen zur "Mthandazo Women Miners Association" zusammengeschlossen. Der Gründerin Sithembile Ndhlovu ist es gelungen, bereits drei Claims zu erwerben. Um das Geld zu beschaffen, haben die Frauen einen Sparverein gebildet.

"Ich habe gesehen, wie die Männer Autos fuhren und ihre Familien ernährten", erzählt Ndhlovu. "Ich ging auch jeden Tag zur Arbeit. Ich konnte aber nicht feststellen, dass mein Verdienst mir und meiner Familie weiterhilft."

Die "Mthandazo Women Miners Association" besteht derzeit aus 32 Frauen. Alle Mitglieder haben eine Schulung über die Grundlagen des Bergbaus an der Zimbabwe School of Mines in Bulawayo absolviert.

Tapuwa O'bren Nhachi, Forschungskoordinator am Center for Natural Resource Governance (CNRG) hofft, dass eine Reform des Minengesetzes zu einer gesetzlichen Anerkennung des Kleinbergbaus führt. "Wir müssen die Tätigkeit entkriminalisieren, damit Frauen in einer Umgebung arbeiten können, in der sie nicht belästigt werden", meint Nhachi. (Ende)

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