Simbabwe: Entwicklungsschub durch Handys

Mobilfunkpenetration liegt bereits bei 97 Prozent

Von Michelle Chifamba | 11.09.2013

Harare. Prosper Muripo hat eine winzige Ecke im Einkaufszentrum von Gotora im Osten Simbabwes angemietet. Er ist einer von vielen Kleinunternehmern, die in den ländlichen Gebieten Telefonkarten verkaufen und Handyakkus mit Solarstrom aufladen. "Ich verlange für 30 Minuten Aufladezeit 50 US-Cent. Eine Stunde kostet einen Dollar", berichtet der Geschäftsmann.

Das simbabwische Hinterland leidet seit jeher unter einem gravierenden Mangel grundlegender Infrastrukturen. So sind die meisten Dörfer nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, und auch die Straßenverbindungen lassen zu wünschen übrig. Dort, wo auch noch die Kommunikationsmittel begrenzt sind, erweist sich die Mobiltelefonie als Segen.

Nach Angaben der Simbabwischen Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (POTRAZ) liegt die Durchdringung der Mobiltelefonie bei 97 Prozent. "Zu verdanken ist dieser Trend den zunehmenden Investitionen in die städtischen und ländlichen Kommunikationsinfrastrukturen", erklärt der POTRAZ-Chef Alfred Marisa gegenüber IPS. "Das bedeutet auch, dass die marginalisierten Menschen inzwischen ebenfalls einen Zugang zu Mobiltelefonen haben."

Die Handys erweisen sich als die einfachsten und preiswertesten Kommunikationsmittel in dem afrikanischen Land. Aus dem im Juni veröffentlichten Bericht über Einkommen, Konsum und Ausgaben der armen Bevölkerungskreise 2011/2012 geht hervor, dass 7,7 Prozent der berufsfähigen Simbabwer arbeitslos sind. Das ist ein bemerkenswert niedriger Prozentsatz, wenn man bedenkt, dass zuvor die Erwerbslosigkeit mit 85 bis 90 Prozent angegeben worden ist.

Handybesitz trotz Armut

Der Bericht weist ferner darauf hin, dass 8,2 Millionen Simbabwer in den ländlichen Gebieten arm und 10,7 Prozent der Dorfbevölkerung arbeitslos sind. Schätzungen zufolge leben 72 Prozent der 12,8 Millionen Simbabwer in ländlichen Gebieten. Trotz der dort verbreiteten Armut nimmt der Gebrauch von Mobiltelefonen rasant zu.

Wie die 'Frost and Sullivan Growth Partnership Services', ein internationales Firmenforschungsunternehmen im Dienst der Wachstumsförderung, berichtet, ist die Zahl der Mobiltelefoniekunden von knapp zwei Millionen Ende 2008 auf 10,9 Millionen gestiegen. Bis 2015 werden 13,5 Millionen Kunden erwartet, und der Wert der Kommunikationsindustrie soll bis 2016 auf 1,34 Milliarden Dollar hochklettern.

Der zunehmende Handy-Gebrauch wird auf den massiven Niedergang der SIM-Kartenpreise zurückgeführt. Inzwischen kostet eine SIM-Karte nur noch einen Dollar, vor fünf Jahren waren es noch 90 Dollar gewesen. Und seitdem sich Simbabwe 2009 für ein Multi-Währungsregime zur Bekämpfung der Hyperinflation entschieden hat, sind chinesische Mobiltelefone leicht zu beschaffen. Sie kosten im Durchschnitt um die 21 Dollar.

Mobiltelefonie-Anbieter verdienen nach eigenen Angaben phantastisch an den bezahlbaren chinesischen Geräten. "Das Geschäft boomt, vor allem während der Tabakernten, wenn viele Farmer zum Verkauf ihrer Ware in die Stadt kommen", schwärmt der Geschäftsmann Sylvester Mbirimani. "Seitdem das Multi-Währungssystem wirtschaftliche Stabilität gebracht hat, verfügen die Menschen hier über stabile Einkommen und können einen Teil davon in Mobiltelefone und andere Gerätschaften investieren, die sich zuvor nur die reichen Simbabwer leisten konnten."

'Telecel Zimbabwe', hinter 'Econet Wireless Zimbabwe' der landesweit zweitgrößte Mobiltelefonbetreiber, konnte sein Netzwerk in den vergangenen zwei Jahren immer weiter ausbauen. "Telecel hat seinen Kunden viel zu bieten. Wir waren die ersten, die die SIM-Kartenpreise gedrückt und das Ziel angesteuert haben, Wachstum in die entlegenen und telefonisch unterversorgten Regionen zu bringen", meint der Telecel-Marketingdirektor Octivius Kahiya gegenüber IPS.

Jobangebote per SMS

Dorfbewohner wie Miriam Chauke aus Mutare in der Provinz Manicaland sind der Meinung, dass ihnen der Zugang zu den Mobiltelefonen auch beruflich weiterhilft. Chauke ist zwar arbeitslos, doch hatte sie als Hilfsarbeiterin genug verdient, um sich eine SIM-Karte und ein preiswertes Mobiltelefon zu kaufen. "Es scheint so zu sein, dass Mobiltelefone Kommunikationsbarrieren niederreißen können", meint Chauke. "Jobangebote werden nun über Handy verschickt. Wenn es in den größeren Städten Arbeit gibt, werde ich nun über den SMS-Betreiberdienst informiert."

Mobiltelefone können in den strukturschwachen ländlichen Gebieten zudem die schwachen Finanzdienstleistungen überwinden. Der Wirtschaftsanalyst Eric Shabangu ist überzeugt, dass das mobile Telefonbanking das Potenzial hat, zur größten Banking-Plattform Simbabwes zu werden. "Die rasche Verbreitung der Mobiltelefonie hat den Boden für den mobilen Geldtransfer geebnet", sagt er. Die Mobiltelefonie werde zu einer finanziellen Inklusion führen, die der Bankensektor nicht habe leisten können.

Nach Angaben von Josham Gurira, Ökonom an der Universität von Simbabwe, wird der fortgesetzte Zugang zu Mobiltelefonen das Leben in den ländlichen Gebieten auf den Kopf stellen. "Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien gelten inzwischen als ein grundlegendes Menschenrecht und als ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der globalen Armut. Die Mobiltelefonie bietet auch Simbabwe die Gelegenheit, sich zu entwickeln." (Ende)

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