Simbabwe: Eisenbahnsektor steht kurz vor dem Kollaps

Viele Züge sind defekt

Von Jeffrey Moyo | 03.04.2013

Harare. Simbabwes Nationaler Eisenbahn (NRZ) droht das Aus, sollte die Regierung nicht dringend Reformen einleiten. Züge und Schienennetze sind sanierungsbedürftig, das Streckennetz ist ausgedünnt. Experten zufolge sind dreistellige Investitionsbeträge erforderlich, um das Schienentransportsystem zu retten.

Bahnbeamte, die anonym bleiben wollen, berichteten, dass zahlreiche Lokomotiven, Personenzüge und Güterwaggons defekt seien. Das angeschlagene Unternehmen habe große Mühe, die Beschäftigten zu bezahlen. Unzufriedene NRZ-Mitarbeiter streikten häufig, um Lohnerhöhungen zu erreichen. Daher kommt es zu häufigen Zugausfällen, wie kürzlich auf der Strecke zwischen Bindura und Chinhoyi.

Nach Angaben der staatlichen Eisenbahngesellschaft pendelten bis zum Jahr 2012 landesweit etwa 120.000 Menschen täglich mit dem Zug. Seither ist die Zahl jedoch um 20 Prozent gesunken und nimmt weiterhin ab. "Früher hatten wir regelmäßig verkehrende Pendlerzüge, inzwischen sind sie aber nur noch selten unterwegs. Das zwingt uns dazu, die teureren Minibus-Taxis in Anspruch zu nehmen", beklagt sich Dickson Chirambwi, ein Pendler aus dem dichtbesiedelten Stadtteil Budiriro in Harare.

Die Minibus-Taxis verlangen etwa 0,5 Dollar pro Fahrt von einem Teil der Stadt in den anderen, wobei sich die Tarife in den Stoßzeiten verdoppeln können. Die Taxifahrer nutzen die Notlage verzweifelter Pendler aus, denen meist keine alternativen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen. Im Vergleich dazu ist ein Zugticket mit jeweils 0,2 Dollar wesentlich preisgünstiger.

Die jüngsten Erhöhungen der Treibstoffpreise haben die Lage weiter verschärft. Am 11. März kündigte Finanzminister Tendai Biti Steuererhöhungen auf Diesel und Benzin um 20 beziehungsweise 25 Prozent an. Mit den Mehreinnahmen sollen die Vorbereitungen für die Wahlen in diesem Jahr finanziert werden. Derzeit kostet in Simbabwe ein Liter Diesel umgerechnet 1,53 US-Dollar und ein Liter Benzin 1,59 Dollar.

Teure Taxifahrten oft einzige Alternative

Der Rangierbahnhof Dabuka in Gweru im Zentrum des Landes galt bisher als Knotenpunkt des simbabwischen Schienennetzes. Dort steigen Passagiere auf der Fahrt zwischen der Hauptstadt Harare und Bulawayo um. Von Dabuka aus kommt man auch ins Ausland, nach Mosambik, Südafrika, Botswana und Namibia. Inzwischen ist der Bahnhof jedoch nahezu verwaist, weil kaum noch Personen- und Güterzüge dort ankommen.

Nach Ansicht von Robertson sind hohe Investitionen notwendig, um den Zugbetrieb wieder flottzumachen. "Wir müssen außerdem viele Bereiche des Bahnverkehrs stabilisieren, nachdem sie jahrelang vernachlässigt worden sind. Unter anderem müssen wir das elektronische Kontroll- und Signalsystem im Grunde ganz neu aufbauen", sagt er. Aufgrund des langen Niedergangs sei kaum noch technische Kompetenz vorhanden. Alle Mängel zu beseitigen, werde das Land daher teuer zu stehen kommen.

Simbabwe hat sich noch immer nicht von einer schweren Wirtschaftskrise erholt. Zwischen 2003 und 2009 verzeichnete das Land eine der weltweit höchsten Inflationsraten. Die jährliche Inflationsrate erreichte damals 231 Prozent. Da sich die Warenpreise damals von Tag zu Tag verdoppelten, sah sich die 'Reserve Bank of Zimbabwe' dazu gezwungen, Geldscheine im Wert von 100 Billionen Simbabwe-Dollar auszugeben.

Nach Ansicht des Ökonoms Kipson Gundani von der nationalen Handelskammer wird es höchste Zeit, dass die staatliche Eisenbahn gewinnorientiert arbeitet. "Die NRZ hat unter einer jahrzehntelangen Wirtschaftskrise gelitten und hatte keine Gewinnabsichten. Daher wurden Fahrkartenpreise aufrechterhalten, die nicht den Kosten entsprachen."

Mittel für die Sanierung der Bahn nicht vorhanden

Nach Ansicht von Prosper Chitambara, der für das Forschungsinstitut für Arbeits- und Wirtschaftsentwicklung tätig ist, braucht die NRZ eine Rekapitalisierung, um gerettet werden zu können. Die Regierung habe aber erklärt, nicht über die erforderlichen Mittel zu verfügen.

Die NRZ benötigt demnach Investitionen zwischen 300 und 400 Millionen Dollar für die Verbesserung der Infrastruktur. In diesem Jahr hat der Staat jedoch nur 7,4 Millionen Dollar bereitgestellt.

Geschäftsleute sahen sich gezwungen, vom Schienen- auf den Straßentransport umzusteigen. "Früher konnte ich das Eisenbahnnetz nutzen, doch inzwischen ist auf die Züge kein Verlass mehr", schimpft der Unternehmer Brighton Mugadzi. Sogar der Kommunikationschef der Bahn mischte sich bereits unter die Kritiker, als er die schlechten Leistungen der NRZ für die Schließung von mehr als 90 Firmen in Bulawayo im vergangenen Jahr verantwortlich machte.

Viele Simbabwer befürchten indes, dass ein kompletter Zusammenbruch des Zugverkehrs und steigende Fahrpreise die Kosten für Güter des täglichen Bedarfs erheblich in die Höhe treiben werden. Darunter hätten vor allem normale Bürger und Rentner zu leiden. Frauen, die Waren auf Märkten anbieten, werden bereits jetzt durch den eingeschränkten Zugverkehr stark beeinträchtigt. Für eine Fahrt bis zur Township Mbare-Musika müssen Verkäuferinnen, die den Minibus nehmen, nun das Fünffache des Zugpreises zahlen. (afr/IPS)

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