Simbabwe: Dürre dezimiert Mopane-Raupen

Wichtiger Nahrungszusatz verschwindet

Von Ignatius Banda | 02.04.2012

Plumtree. Job Mthombeni isst mit Vorliebe Mopane-Raupen. Schon als Kind kannte er den hohen Nährwert der proteinreichen Larve des Falters 'Gonimbrasia belina', der in seiner Heimatstadt Plumtree im Südwesten Simbabwes vorkommt. Doch die chronische Dürre im südlichen Afrika, die die Ernten dezimiert, bringt auch die Schmetterlingsraupe um ihre Lebensgrundlage.

"In diesem Jahr gibt es keine 'Amacimbi' (Ndebele für Raupe)", beklagt der 49-Jährige. Auch die landwirtschaftlichen Erträge sind bereits so karg, dass Mthombeni inzwischen auf die Lebensmittelpakete seiner im benachbarten Botswana arbeitenden Kinder angewiesen ist. "Wir hätten nie gedacht, dass es mal keine Raupen geben könnte. Der Regenmangel hat sie vertrieben."

Simbabwe wird seit Jahren von Dürren heimgesucht. Obwohl der staatliche Wetterdienst für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2011 reichlich Regen vorausgesagt hatte, kam es nur in Teilen des Landes zu heftigen Niederschlägen. Im Südwesten fiel wenig. Als es dann in der zweiten Märzhälfte überall ergiebiger regnete, waren die Maisfelder bereits größtenteils verdorrt.

Extreme Wetterphänomene

Andere Staaten der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) sind durch unregelmäßige Niederschläge in der jüngsten Regenperiode ebenfalls zu Schaden gekommen. Während des Zyklons 'Giovanna' ging über Madagaskar sintflutartiger Regen nieder. In anderen Ländern wie Simbabwe oder Mauritius blieb es hingegen weitgehend trocken.

Bradwell Garanganga vom Zentrum für Klimadienste der SADC erklärt, dass heftige Niederschläge in einem bestimmten Gebiet den Rückschluss zuließen, dass es dafür in anderen Regionen trocken bleibe. Dieses Muster sei in den SADC-Ländern deutlich zu beobachten. "Die Dürrgebiete liegen auf einer Linie, die sich von Gwanda in Simbabwe durch den südlichen Teil des Landes bis zu Francistown in Botswana ziehen lässt", erläutert er.

Die Mopane-Raupen benötigen Vegetation, um sich zu entwickeln. Sollten sie im Zuge der Klimaveränderungen aussterben, ginge Tausenden Bewohnern von Plumtree und anderer regenarmer Teile des Landes in den nächsten Jahren eine wichtige Nahrungsergänzung verloren.

"Es geht nicht nur um den Verlust der Vegetation und der Raupen, sondern auch um den Verlust einer wichtigen Proteinquelle für die Menschen in den ländlichen Regionen und in den Städten und einer dadurch bedingten Zunahme von Krankheiten", erläutert Sobona Mtisi vom 'Overseas Development Institute'. Diese Forschungseinrichtung ist auch federführend am Entwurf der Strategie der simbabwischen Regierung gegen die Folgen des Klimawandels beteiligt.

Die Raupe ist für die Bewohner ländlicher Gebiete zudem eine wichtige Einnahmequelle. Wendy Zulu lebt vom Verkauf der Mopane-Raupen. Zu bestimmten Jahreszeiten fährt sie in die Stadt Bulawayo, wo sie verschiedene Produkte auf dem Markt anbietet. Das meiste verdient sie jedoch an den Raupen.

Da es in diesem Jahr noch nicht viel geregnet hat, muss Zulu ihre Fahrt nach Bulawayo verschieben. "Ich warte ab, was die nächsten Wochen oder sogar Monate bringen", sagt sie. Mtisi schließt nicht aus, dass das allmähliche Verschwinden der Raupen auf eine tieferliegende Krise hinweist, die durch die Klimaveränderungen ausgelöst wurde.

Nahrungsproduktion in Simbabwe droht sich zu halbieren

Im Jahr 2005 hatte ein zwischenstaatlicher Ausschuss zum Klimawandel bereits vorhergesagt, dass die Trockenheit im dicht bevölkerten südlichen Afrika zunehmen wird. Die Experten gehen davon aus, dass sich allein in Simbabwe die Nahrungsmittelproduktion spätestens 2020 halbiert haben wird.

Mit den Mopane-Larven werden in anderen Ländern der Region noch gute Geschäfte gemacht. Händler in Botswana erwirtschaften damit Einnahmen in Höhe mehrerer Millionen US-Dollar. In Südafrika werden jährlich bis zu 1.600 Tonnen Raupen gesammelt. (afr/IPS)

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