Simbabwe: Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten

Frühwarnsysteme für Unwetter gefordert

Von Ignatius Banda | 22.02.2013

Gwanda. Muzeka Muyeyekwa lebt mit seiner Familie in Mapfekera, einem Dorf in der simbabwischen Provinz Manicaland. Die Vorräte gehen zur Neige und der dreifache Vater macht sich ernsthaft Sorgen, wie er seine Kinder in nächster Zeit durchbringen soll. Seitdem die Überschwemmungen die Brücke über den Nyadira mit sich gerissen haben, ist das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch das Einkaufszentrum von Mapfekera konnte den Wassermassen der letzten Wochen nicht standhalten. Manicaland an der Grenze zu Mosambik gehört zu den Regionen des Landes, die von den sintflutartigen Niederschlägen besonders heftig getroffen wurden.

Einige Dorfbewohner durchschwimmen den Fluss, um auf der anderen Seite Lebensmittel und andere Bedarfsgüter zu kaufen und über den gleichen Weg ins Dorf zu transportieren. Ihren lebensgefährlichen Einsatz lassen sie sich teuer bezahlen. So verlangen sie von ihren 'Kunden' den dreifachen Preis. "Es gibt hier nur das, was diese tollkühnen Draufgänger heranschaffen", berichtet Muyeyekwa.

Etliche Dorfbewohner werfen den Behörden vor, sich mit der Reparatur der Brücke Zeit zu lassen. Doch wie der Leiter des Bezirksrats, George Bandure, berichtet, müssen zunächst die finanziellen Mittel aufgebracht werden, um mit dem Wiederaufbau der Brücke beginnen zu können.

8.500 Menschen geschädigt

Mapfekera ist nicht das einzige Dorf, das mit den Folgen der Naturkatastrophe klar kommen muss. Wie aus dem jüngsten Bericht des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) über Simbabwe hervorgeht, haben die schweren Regenfälle rund 8.500 Menschen geschädigt. In mehr als 4.600 Fällen seien die Betroffenen auf Hilfe von außen angewiesen. Sie benötigten Notunterkünfte und andere Zuwendungen.

Simbabwes Einheit für Zivilschutz schätzt, dass die Naturkatastrophe landesweit 5.000 Menschen obdachlos gemacht habe. In den Bezirken Chiredzi und Mwenezi in Masvingo werden die Schüler derzeit im Freien unterrichtet, weil Wolkenbrüche und Überschwemmungen 28 Schulen unbenutzbar gemacht haben.

Clifford Tshuma, ein Kleinbauer aus Gwanda in der Provinz Matabeleland Süd, begutachtet das, was von seinem Mais nach den überraschenden Regengüssen übriggeblieben ist. Die Pflanzen sind völlig plattgedrückt. An eine Ernte ist nicht mehr zu denken. "Ich habe das Unwetter nicht kommen sehen", meint er immer noch erstaunt.

Klimaexperten sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, den Bauern ein zuverlässiges Frühwarnsystem zur Seite zu stellen. "Simbabwe ist oftmals nicht in der Lage, Überschwemmungen rechtzeitig vorherzusagen, Vorkehrungen zu treffen und angemessen zu reagieren", meint der Wasserexperte Sobona Mtisi vom 'Overseas Development Institute', das Simbabwe bei der Entwicklung von Klimaanpassungsmaßnahmen unterstützt. "Frühwarnsysteme für Überschwemmungen sind besonders auf lokaler Ebene noch nicht gut entwickelt", sagt er.

Matabeleland Süd, Matabeleland Nord und Masvingo sind traditionell trockene Provinzen. Doch der Meteorologische Dienst Simbabwes hat seit Anfang des Jahres in Matabeleland Süd und Matabeleland Nord 300 Millimeter Regen verzeichnet. Das ist die dreifache Menge, die die Provinzen sonst zu erwarten haben.

Im Dezember berichtete die lokale Online-Zeitung 'Bulawayo24 News', dass der Dürre in Matabeleland Süd in der zweiten Hälfte des letzten Jahres 9.000 Rinder zum Opfer gefallen sind. Inzwischen sterben die Tiere an den Folgen der Überschwemmungen. Wie Tich Zinyemba vom Meteorologischen Dienst berichtet, ist in anderen Regionen noch mehr Regen gefallen. In Manicaland seien es seit Januar sogar 1.000 Millimeter gewesen.

Eine gewisse Gesetzmäßigkeit

"Überschwemmungen sind ein neues Phänomen und Simbabwe muss sich auf diese neue Realität einstellen", so Mtisi. Das erste Mal seien die sintflutartigen Niederschläge im Jahr 2000 aufgetreten, als der Zyklon Eline über das südliche Afrika hinwegzog. Mtisi zufolge lassen sich die Überflutungen bis zu einem gewissen Grad vorhersehen, und mit einer entsprechenden Vorbereitung sei es möglich, die Verluste zu minimalisieren.

"Zwischen 2000 und 2010 hat Simbabwe vier Überschwemmungen erlebt, die von Wirbelstürmen wie Eline (2000) und Japhet (2003) angekündigt wurden. Man kann also sagen, dass alle zweieinhalb Jahre mit einer solchen Flutkatastrophe zu rechnen ist", meint Mtisi.

Derzeit werden in den überschwemmungsgefährdeten Gebieten Hochfrequenzsysteme installiert. Sie sollen sicherstellen, dass die Menschen mit unterschiedlichen Katastrophenschutzeinheiten kommunizieren können, um sich über bevorstehende Naturkatastrophen zu informieren. "Jetzt gilt es sicherzustellen, dass die Systeme funktionieren", meint der Entwicklungsexperte Tapuwa Gomo. (Ende)

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