Simbabwe: Diaspora hat kein Vertrauen in den Staat

Überweisungen aus dem Ausland sollen die Entwicklung fördern

Von Sally Nyakanyanga | 16.11.2017

Harare (IPS/afr). Zur Jahrtausendwende musste sich die heute 60-jährige Sheila Mponda von ihren vier Kindern verabschieden. Mponda hatte gerade ihren Mann verloren und war ihr Leben lang Hausfrau gewesen. Ihre Kinder brachen nach Großbritannien auf und schicken ihrer Mutter regelmäßig Geld in die alte Heimat.

Blick auf die Main Street von Harare (Bild: Shutterstock.com)

"Die Menschen erwarten, dass ich als Witwe in fortgeschrittenem Alter und ohne Ausbildung in bitterer Armut lebe", erzählt Mponda, "aber meine Kinder haben sich als ein wahres Wunder erweisen."

In Großbritannien haben alle Sprösslinge von Sheila Mponda Jobs gefunden, mit denen sie sowohl ihre Familien in Großbritannien als auch in Simbabwe erhalten. Wären sie zuhause geblieben, hätten sie diese Möglichkeiten nicht gehabt. "Wo würden sie angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftssituation wohl arbeiten?", fragt Mponda. Derzeit biete Simbabwe für junge Menschen keinerlei Perspektiven.

Schlechte Regierungsführung und Instabilität

Laut Dewa Mavhinga, Direktor bei Human Rights Watch für das südliche Afrika, sind die Überweisungen aus dem Ausland für viele Menschen lebensnotwendig. Letztendlich würden sie den Unterschied zwischen Überleben und Verhungern ausmachen.

"Der Zusammenbruch der Wirtschaft ist die Folge von schlechter Regierungsführung", erklärt Mavhinga. "Der Staat tut sich deshalb schwer, Gelder aus der Diaspora für eine nachhaltige Entwicklung des Landes zu nutzen." Für Mavhinga ist es daher dringend notwendig, dass die Regierung das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherstellt und Investitionen schützt.

Prosper Chitambara, Wirtschaftswissenschaftler am Labour & Economic Development Research Institute Zimbabwe (LEDRIZ), ist allerdings der Auffassung, dass die Gelder aus der Diaspore nur die extreme Armut mildern und zur sozialen Absicherung dienen können. Als Instrument der Entwicklungsfinanzierung hält er sie unter den gegebenen Umständen für ungeeignet. "Niemand möchte Geld in eine instabile Umgebung investieren", meint Chitambara.

Der Wirtschaftsexperte schlägt vor, dass die Regierung Staatsanleihen an die Diaspora ausgibt. Sie sollte außerdem das Problem der doppelten Staatsbürgerschaften klären und Simbabwern im Ausland erlauben, an Wahlen teilzunehmen. Chitambara fügt hinzu, dass die Regierung die Diaspora einladen sollte, um über einen gemeinsamen Weg für die Entwicklung des Landes zu diskutieren.

IOM-Programm soll Vertrauen schaffen

Erste Ansätze gehen bereits in diese Richtung: Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat dazu mit der Regierung im letzten Jahr das "Zimbabwe National Diaspora Directorate" ins Leben gerufen, um die Beteiligung von Simbabwern im Ausland an der nationalen Entwicklung zu motivieren.

Die IOM-Missionsleiterin für Simbabwe, Lily Sanya, erklärt den Ansatz: "Wir ermutigen die Regierung, ihre Diaspora kennenzulernen, indem sie ihre Standorte kartographieren und Inventare ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen zusammenstellen. Außerdem organisieren wir Diskussionsveranstaltungen für die Diaspora, um zu verstehen, was sie von der Regierung erwartet und bereit ist zu bieten. Diese Maßnahmen schaffen die Grundlage für gute Kommunikation und gegenseitige Vertrauensbildung."

Im Oktober 2016 unterstützte IOM Treffen zwischen der Regierung und der Diaspora in Großbritannien, Kanada und Südafrika. Das Angebot stieß auf Interessse. Lily Sanya berichtet von Anfragen durch Diaspora-Vereinigungen, wie sie mit der Regierung bei der Entwicklung von Simbabwe zusammenarbeiten können.

Außerdem wurde ein Programm für den Know-how-Transfer geschaffen. Simbabwische Experten im Ausland werden kurzfristig angeheuert, um die Kompetenzen lokaler Fachkräfte im Gesundheits- und Bildungssektor auszubauen. Nicht zuletzt unterstützt IOM Mitglieder der Diaspora dabei, würdevoll in ihr Herkunftsland zurückzukehren, z. B. durch die Förderung von Unternehmensgründungen.

Südafrika verlängert Sondergenehmigungen

Viele Simbabwer haben ihr Glück im benachbarten Südafrika versucht. Die Regierung des Kapstaats hat vor kurzem angekündigt, die erteilten Sondergenehmigungen für 200.000 Wirtschaftsmigranten um weitere vier Jahre zu verlängern. Neuanträge werden aber keine mehr entgegengenommen.

Die südafrikanische Innenministerin Hlengiwe Mkhize betonte, dass die Verlängerung auf schlechter werdende wirtschaftliche Situation in seinem Land zurückzuführen sei. Die Genehmigungen seien aber kein Weg zu einem dauerhaften Aufenthalt. Von den Simbabwern werde erwartet, dass sie nach Ablauf der Regelung nach Hause zurückkehren.

Nach Angaben des Innenministeriums haben mehr als eine Million Menschen in Südafrika Asyl beantragt. Die Mehrheit von ihnen stammt aus Simbabwe, andere kommen aus Äthiopien, Mosambik oder Nigeria. Jeden Tag werden 50 bis 150 Migranten zur Abschiebung verhaftet. (Ende)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus