Simbabwe: Der Aufstieg der Tabakköniginnen

Frauen erobern eine lukrative Männerdomäne

Von Jeffrey Moyo | 16.05.2014

Harare. Madeline Murambwi sitzt hinter dem Lenkrad ihres neues Toyota Land Cruisers und bahnt sich ihren Weg durch den Verkehr von Harare. Sie befindet sich auf dem Heimweg. Die Teilnahme an der Tabakauktion in der simbabwischen Hauptstadt hat sich für sie mehr als gelohnt. So erzielte sie mit ihrem Tabak mehrere tausend US-Dollar.

"Der Anbau ist wirklich attraktiv. Bevor ich in das Geschäft eingestiegen bin, war mir gar nicht klar, wie viel sich an den Blättern verdienen lässt. Jetzt bin ich wirtschaftlich saniert", sagt sie und fügt stolz hinzu, dass sie ihre finanziellen Überschüsse in den Kauf von Immobilien investiert habe.

"Meine Ernten haben mir 42.000 US-Dollar eingebracht", berichtet die 47-Jährige, die auf ihrer 32 Hektar großen Farm in der Provinz Mashonaland East seit 2012 Tabak anbaut. Seither konnte sie ihre Gewinne immer weiter steigern. Als verantwortungsbewusste alleinerziehende Mutter habe sie gar keine andere Wahl gehabt, als sich nach einem lukrativeren Auskommen umzusehen, betont sie.

Auf dem simbabwischen Markt erzielt das Kilogramm Tabak je nach Qualität zwischen 2,67 and 2,91 US-Dollar. Nach Angaben der unabhängigen Simbabwischen Vereinigung der Tabakpflanzerinnen (ZAWTF) waren von den 85.006 Bauern, die sich in der Saison 2013/2014 für den Anbau von Tabak registrieren ließen, 32 Prozent Frauen.

Chance für alleinerziehende Mütter

Die staatliche Marketingbehörde der Tabakindustrie jedoch schätzt die Zahl der kleinen Tabakbauern sogar auf 110.000, davon sind 39,5 Prozent weiblich. "Der Einstieg von Frauen in das Tabakgeschäft steht im Zusammenhang mit der Zunahme der Zahl alleinerziehender Mütter", bestätigt die ZAWTF-Vorsitzende Grace Mapuranga.

"Ob nun geschieden oder verwitwet, die Frauen treibt die Verantwortung für ihre Kinder um", fügt sie hinzu. "Sie haben den Tabakanbau als eine Art Patentrezept zur Verbesserung ihrer familiären Lebenslage entdeckt. Wir erleben, wie Frauen rasch zu Tabak-Tycoons werden, die sich mit erhobenem Haupt unter ihre männlichen Kollegen mischen. Sie haben mit der Tabakproduktion das große Los gezogen."

"Tabak hat meine wirtschaftliche Lage zum Positiven verändert", meint auch Elsie Msipa, die inzwischen mehrere Bekleidungsläden in Harare besitzt. Ihren Erfolg verdankt die 38-Jährige zum Teil dem Landwirtschaftsministerium, das ihr dabei geholfen hat, sich das erforderliche Fachwissen für den Tabakanbau anzueignen.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums macht Tabak 40 Prozent der Exporteinnahmen des Landes aus. ZAWTF zufolge generierten die Tabakausfuhren im letzten Jahr 771 Millionen Dollar. Die Tabakpflanzerinnen lieferten 25 Prozent des Krauts. Laut UN-Landwirtschaftsorganisation FAO zählt Simbabwe zu den weltwichtigsten Tabakexportländern. Die Ernte wird unter anderem nach China, Belgien, in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Südafrika, Russland, Hongkong und Malaysia exportiert.

Hinter dem Erfolg der neuen Tabakbaroninnen stecken aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen. "Wir vernetzen die Frauen und verschaffen ihnen Zugang zu den notwendigen Fördermitteln und dem technischen Knowhow", erläutert Phides Mazhawidza vom 'Women Farmers, Land and Agricultural Trust', einer Non-Profit-Organisation, die die Rechte und Möglichkeiten von Frauen in der Landwirtschaft stärkt. "Wir unterstützen die Zusammenarbeit zwischen Farmerinnen und Agrarorganisationen, Regierung und privaten Partnern. Sie sollen in die Lage versetzt werden, das Beste aus ihrem Land zu machen."

Dem unabhängigen Wirtschaftswissenschaftler Artwell Jamela zufolge erzielen die Tabakproduzentinnen in dem wirtschaftlich angeschlagenen Land sehr gute Ergebnisse. Die Zahl der wirtschaftlich aktiven Frauen im informellen Sektor nimmt zu und nach Ansicht von Jamela kann es sehr gut sein, dass sie die Männer zahlenmäßig überholen, die häufiger formell beschäftigt seien als Frauen. Tabak erwirtschaftet 10,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das Simbabwische 'Gender-Links 2013'-Barometer bemängelt jedoch, dass die Regierung Simbabwerinnen einerseits ermuntere, in wirtschaftlichen Schlüsselbereichen tätig zu werden, andererseits jedoch konkrete Fördermaßen in diese Richtung ausgeblieben seien. Einer Quelle aus dem Frauenministerium zufolge wird sich dies bald ändern. "Die Pläne, noch vor Ablauf der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) 2015 für den rechtlichen Rahmen zu sorgen, der Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Landwirtschaft und Bergbau ermöglicht, sind weit gediehen", hieß es. (afr/IPS)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus