Simbabwe: "Cecil-Effekt" verursacht Überbevölkerung an Löwen

Bauern beklagen zunehmende Übergriffe auf ihre Nutztiere

Von Jeffrey Moyo | 07.06.2017

Hwange-Nationalpark (IDN/afr). "In dieser Nacht hörte ich die Löwen brüllen", erzählt Mehluli Ncube. "Die Geräusche kamen immer näher an meinen Rinderkraal. Als ich aufstand, um nachzusehen, sah ich wie Verikom von etwa fünf Löwen zu Boden gezogen wurde. Ich hatte Angst und bin in mein Schlafzimmer geflohen."

Überreste einer von Löwen gerissenen Kuh nahe des Dorfes Chikakandakuvi, 60 Kilometer nördlich der Stadt Hwange (Bild: Jeffrey Moyo/IDN)

Verikom war der Name von Ncubes Stier - und sein ganzer Stolz. Der Bauer lebt mit seiner Familie in Magoli, einem Dorf unweit des Hwange-Nationalparks im Westen des Landes. "Mein Frau ersuchte mich, in der Nacht nicht nach draußen zu gehen", fährt Ncube fort, "am nächsten Morgen fanden wir noch die Überreste des Tieres."

Viele Anrainer des Hwange-Nationalparks klagen über zunehmende Übergriffe durch Löwen. Außerdem kritisieren sie, dass die Nationalparkbehörde wenig bis gar nichts unternimmt, um ihnen zu helfen.

"Wir machen uns strafbar, wenn wir die Löwen umbringen", sagt Ncube, "daher können wir nur dabei zusehen, wie sie unsere Rinder töten." Entschädigungen für den Verlust gäbe es keine, so Ncube. "Stattdessen erzählt uns die Behörde, dass die Löwen unter Schutz stehen. Aber was ist mit unserem Vieh?"

Am Schutz der Löwen scheiden sich die Geister

Simbabwe hat das Washingtoner Artenschutzabkommen (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, CITES) unterzeichnet. Außerdem regelt der nationale 'Parks and Wildlife Act' den Schutz von Wildtieren. Das Gesetz listet eine Reihe von "besonders geschützten Tieren" auf, für die eine Jagdgenehmigung nur aus bestimmten Gründen erteilt wird. Solche Gründe können z. B. pädagogischer oder wissenschaftlicher Natur sein.

Löwen finden sich allerdings nicht auf der Liste der "besonders geschützten Tiere" und könnten demnach auch gejagt werden. Dennoch ist für die Tötung der Großkatzen eine Genehmigung erforderlich. Die Erlaubnis wird aber nur dann erteilt, wenn das Tier krank oder verletzt ist oder eine Gefahr für den Menschen darstellt.

Tierschützer rechtfertigen den Schutz des "König des Dschungels". "Jedes Lebewesen hat das Recht zu existieren", meint Lovemore Sibanda vom Hwange Lion Research Project. Sibanda studiert Zoologie an der Universität Oxford, die das Projekt finanziert.

Im Projekt inkludiert seien Maßnahmen zur Schadensminderung, so Sibanda. Damit sollen Abschüsse von Löwen verhindert werden. "Wir versorgen die Einheimischen mit Schutzzäunen, die sich als sehr wirksam erwiesen haben", erklärt der Zoologe. "Meiner Ansicht nach sollten wir danach trachten, den Kontakt zwischen Löwen und den Nutztieren so weit wie möglich zu verhindern."

"Cecil-Effekt" verursacht Überpopulation

Wildhüter aus dem Hwange-Nationalpark haben aber beobachtet, dass die Löwenpopulation seit der Tötung von Cecil stark angestiegen ist. Der Fall hatte international für große Aufmerksamkeit gesorgt: Am 1. Juli 2015 hatte ein amerikanischer Zahnarzt den Löwen aus dem Reservat gelockt und mit seiner Armbrust einen Pfeil in den Körper des Tieres geschossen. Nach 24 Stunden Qual ist Cecil grausam verendet.

Der Ranger Hebert Sibalo aus dem Hwange-Nationalpark bestätigt, dass seit dem Vorfall die Löwen nicht mehr gejagt werden und ihre Zahl stark zunimmt. Mittlerweile gehen die Forscher von einer Anzahl von 500 Löwen im Park aus.

Der "Cecil-Effekt" macht sich aber auch in anderen Naturschutzgebieten bemerkbar. Im Bubye Valley Conservancy im Süden des Landes zählt man ebenfalls 500 Löwen. Hier sucht man bereits nach Wegen, die Population zu verringern. "Ich wünschte, wir könnten etwa 200 unserer Löwen weggeben, um die Überbevölkerung in den Griff zu bekommen", meinte Geschäftsführerin Blondie Leathem im Gespräch mit dem britischen The Telegraph.

Mehluli Ncube klagt indes weiter über das fehlende Verständnis der Tierschützer. Sie würden einfach nicht verstehen wollen, was die Dorfbewohner durchmachen. "Verikom war mein einziger Stier", sagt er, "es gibt ihn nicht mehr wegen der Löwen. Uns wird gesagt, dass wir damit leben müssen. Die Tierschützer verdienen aber Geld mit dem Schutz von Löwen, die in unsere Kraale eindringen." (Ende)

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate

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