Simbabwe: 'Busch-Toiletten', Typhus und Cholera

Viele Menschen wissen nichts über Hygiene

Von Busani Bafana | 03.05.2012

Bulawayo. Mehr als 3.000 akute Fälle von Typhus seit März und 8.000 Cholerafälle allein im ersten Jahresquartal haben Simbabwes Wasserwirtschaftsminister Samuel Sipepa Nkomo alarmiert. Er räumte erhebliche Defizite im Wasser- und Sanitärbereich ein und kündigte Maßnahmen an, um die Lage "ein für alle Mal zu verbessern".

Die Regierung arbeite derzeit an einer nationalen Wasser- und Sanitärstrategie, die sie Ende April präsentieren werde, sagte Nkomo IPS in einem Telefoninterview aus Washington. Dort hatte er am 20. September zusammen mit dem simbabwischen Finanzminister Tendai Biti das zweite vom Weltkinderhilfswerk UNICEF ausgerichtete 'Hochrangige Treffen zum Thema Sanitärversorgung und Wasser für alle' besucht.

Die Strategie umfasse auch Aufklärungskampagnen über Hygiene und die dringend erforderliche Abkehr von der traditionellen offenen Defäkation, betonte der Minister. Gerade die noch weit verbreitete Angewohnheit vieler Menschen, sich mangels Latrinen in den Busch zu schlagen und sich dort ihrer Notdurft zu entledigen, sei ein Problem, das es dringend zu lösen gelte.

Das heruntergewirtschaftete Land hat für die geringen staatlichen Investitionen in Sanitär- und Wasserprogramme in den Jahren 2008 und 2009 einen hohen Preis gezahlt. Über 4.000 Menschen starben an den Folgen einer Choleraepidemie, mehr als 100.000 Simbabwer infizierten sich mit der durch verseuchtes Wasser übertragbaren Krankheit.

Im Kampf für mehr Hygiene ist jeder Partner gefragt

"Auch Typhus ist eine durch mangelnde Hygiene verursachte Krankheit, die uns sagt, dass wir uns häufiger die Hände waschen sollten", betonte Noma Neseni vom Institut für Wasser- und Sanitärentwicklung, einer Nichtregierungsorganisation. "Der Ausbau der sanitären Infrastruktur hilft wenig, wenn das entsprechende Verhalten fehlt." Das Problem lasse sich allerdings nur mit vereinten Kräften lösen. "Hier ist jeder als Partner gefragt, auch der Privatsektor", so die Gesundheitsexpertin.

Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und von UNICEF zielt Simbabwes Regierung auf eine hundertprozentige sanitäre Grundversorgung in den Städten. In ländlichen Regionen soll sie auf 80 Prozent ausgebaut werden. Eine 100-prozentige Versorgung mit Trinkwasser ist für Stadt und Land gleichermaßen vorgesehen.

Zahlen aus dem Jahr 2010 lassen eine Umsetzung dieser Ziele nicht erkennen. Um die für 2015 angestrebten Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) zur Armutsbekämpfung tatsächlich zu erreichen, müsste Simbabwe in den nächsten drei Jahren in den Städten die sanitäre Grundversorgung von 52 auf 77 Prozent verstärken und in ländlichen Regionen den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur von 32 auf 68 Prozent mehr als verdoppeln. (afr/IPS)

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