Simbabwe: Auf der Suche nach einem besseren Leben

Menschen verlassen das Land in Scharen

Von Jeffrey Moyo | 17.10.2013

Harare. Der 26-jährige Admire Gumbo ist in Mabvuku, einem dichtbevölkerten Viertel der simbabwischen Hauptstadt Harare, zu Hause. Er würde gern in seinem Heimatland bleiben. Doch die hohe Arbeitslosigkeit zwingt ihn dazu, sich im benachbarten Botswana nach einem Job umzusehen, wo er schon einmal drei Jahre gearbeitet hatte.

"Ich bin staatlich anerkannter Elektriker. Doch als ich in Botswana ankam, konnte ich keine passende Stelle finden", erinnert er sich. "Die meiste Zeit habe ich als Hilfsarbeiter auf dem Bau für 60 Pula (rund sieben US-Dollar) pro Tag gearbeitet. Jetzt werde ich wohl wieder hinmüssen, weil es in Simbabwe keine Jobs gibt."

Knapp drei Monate sind seit den letzten umstrittenen Wahlen vergangen, die Staatspräsident Robert Mugabe eine weitere Amtszeit verschafften. Seither verlassen arbeitslose Simbabwer ihr Land in Scharen, überzeugt davon, dass sich für sie in nächster Zeit nichts ändern wird.

Edwin Gandari ist Vorsitzender des Busunternehmens 'Zimbabwe Cross Borders Transporters'. "Die Geschäfte laufen gut", sagt er. Bereits einen Monat nach den Wahlen war der Andrang von Menschen, die sich in den Nachbarländern Arbeit suchen wollten, groß.

Inzwischen nehmen pro Tag durchschnittlich 1.200 Simbabwer das Angebot der Firma in Anspruch, sich nach Südafrika, Mosambik oder Botswana fahren zu lassen. Ein simbabwischer Grenzbeamter gibt an, dass sich die Zahl seiner Landsleute, die die Grenze nach Südafrika überqueren, fast verdoppelt habe. "Wir verbuchen täglich etwa 700 Grenzübertritte von Simbabwern nach Südafrika", sagt er. "Das sind 300 mehr als noch vor den Wahlen."

Exodus von drei Millionen Menschen seit 2000

Geschätzt wird, dass seit dem Jahr 2000 mehr als drei Millionen der zwölf Millionen Simbabwer ihr Land verlassen haben. Auf dem Höhepunkt der simbabwischen Wirtschaftskrise 2003 bis 2009 lag die Hyperinflation bei jährlich 231 Prozent. Die Zahl der Wirtschaftsflüchtlinge war 2009 so hoch, dass das südafrikanische Innenministerium ein Moratorium gegen die Abschiebung von Simbabwern ohne Papiere verhängte. Diese dürfen nun offiziell im Land arbeiten und studieren.

Viele Simbabwer wie der 31-jährige Jason Mandundu waren Anfang des laufenden Jahres in die Heimat zurückgekehrt, hatten sie gehofft, dass die Wahlen den politischen Wandel bringen würden. "Wir hatten uns ein neues Simbabwe unter einer neuen Regierung erhofft. Doch da Mugabe am Ruder geblieben ist, bleibt Leuten wie mir gar nichts anderes übrig, als ins Ausland zu gehen." "Die Menschen verlassen Simbabwe, weil es keine Alternativen gibt, um überleben zu können", fügt Okey Machisa vom simbabwischen Menschenrechtszentrum hinzu.

Wirtschaftsexperten sind sich darin einig, dass der neue Exodus in die Nachbarländer auf das unverändert schlechte wirtschaftliche Klima zurückzuführen ist. Für den wirtschaftlichen Niedergang wird die Mugabe-Politik und vor allem die Landreform von 2000 verantwortlich gemacht. Sie führte dazu, dass als 300.000 Simbabwer das Land besetzten, das zuvor rund 4.000 weißen Farmern gehört hatte. Vor der Reform hatte die Landwirtschaft zwischen 60 und 70 Prozent der Bevölkerung beschäftigt und 15 bis 19 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.

Leben ist seit Mugabes Wahlsieg härter geworden

"Hier hat sich nichts wesentlich verändert. Vielmehr ist das Leben seit dem fragwürdigen Wahlsieg der regierenden ZANU-PF härter geworden", meint der unabhängige Ökonom Kingston Nyakurukwa. Prosper Chitambara vom unabhängigen Wirtschaftsentwicklungsinstitut 'Labour and Economic Development Research Institute of Zimbabwe' ist der gleichen Meinung. "Es gibt so viele Unsicherheiten und unbeantwortete Fragen über die Richtung, die unsere Wirtschaft nehmen wird."

John Robertson leitet die 'Robertson Economic Information Services'. Er führt den Exodus der vielen Menschen darauf zurück, dass die Regierung Privatbesitz nicht anerkennt. Nach dem Indigenisierungsgesetz von 2007 sahen sich ausländische Unternehmen dazu gezwungen, 51 Prozent ihrer Firmenanteile an schwarze Simbabwer abzutreten. Zahlreiche Betriebe mussten danach geschlossen werden.

Dass die Regierung Eigentumsrechte nicht anerkennt, ist nach Ansicht von Robertson der eigentliche Grund, warum so viele Simbabwer ihr Land verlassen. "Sie sind sich der Folgen dieser verfehlten Zanu-PF-Politik durchaus bewusst." (afr/IPS)

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