Sierra Leone: Ebola-Epidemie gefährdet Erfolge im Kampf gegen HIV

Schwangere Frauen meiden Krankenhäuser aus Angst vor Ansteckung

Von Lansana Fofana | 05.12.2014

Freetown. Der Ausbruch der Ebola-Epidemie in Sierra Leone bedeutet einen großen Rückschlag im Kampf gegen HIV/AIDS. Infizierte meiden Krankenhäuser und Behandlungszentren, weil sie fürchten, sich mit dem Ebola-Virus zu infizieren. "Das stellt uns vor eine enorme Herausforderung", berichtet Abubakar Koroma, Kommunikationschef des Nationalen AIDS-Sekretariats.

AIDS-Plakat in FreetownDas Plakat ruft zu HIV-Tests auf. Wegen der Ebola-Epidemie meiden viele Personen die Krankenhäuser (Bild: Lansana Fofana/IPS). 


"Sowohl HIV-Positive als auch das Krankenhausperson haben Angst, mit Ebola-Patienten in Kontakt zu kommen", so Koroma. Bislang verzeichnet Sierra Leone eine der niedrigsten HIV/AIDS-Prävalenzraten Westafrikas. Seit mehr als fünf Jahren liegt der Anteil der Infizierten bei etwa 1,5 Prozent von mehr als sechs Millionen Einwohnern. Zu verdanken ist dies hauptsächlich den intensiven Aufklärungskampagnen, die landesweit durchgeführt werden. Die Behörden bieten HIV-Infizierten und AIDS-Kranken kostenlose Behandlungen und Medikamente an.

Die Erfolge im Kampf gegen HIV/AIDS werden durch die Ebola-Epidemie jedoch gefährdet. Vor dem Ebola-Ausbruch im April in Sierra Leone war es unter anderem gelungen, die Mutter-Kind-Übertragung des Immunschwächevirus einzudämmen. Inzwischen befürchten Gesundheitsexperten aber Rückschritte, weil schwangere Frauen nicht mehr zur Behandlung in die Krankenhäuser kommen.

2004 lag die HIV/AIDS-Prävalenzrate bei Schwangeren in Sierra Leone bei 4,9 Prozent. Kurz vor dem Ausbruch von Ebola waren es nur noch 3,2 Prozent. Koroma zufolge haben die Angebote für schwangere Frauen seit Anfang des Jahres um 80 Prozent abgenommen. "Wir machen uns große Sorge, dass die Ebola-Krise die Lage weiter verschlimmert", warnt er.

Kampf gegen Ebola geht vor

Idrissa Songo, Leiter des Netzwerks der HIV-Positiven in Sierra Leone (NETHIPS), kann bestätigen, dass die Mitglieder seiner Gruppe sich schwer damit tun, die Krankenhäuser aufzusuchen. Er kritisierte, dass die Geber und humanitären Organisationen seit dem Ausbruch von Ebola ihre Hilfe für HIV-Positive eingeschränkt haben. "Dem Kampf gegen HIV/AIDS wird keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt. Jetzt geht es nur noch um Ebola. Die meisten Organisationen haben ihre finanziellen Hilfen dorthin umgelenkt."

Laut Songo sind die wichtigsten Aktivitäten des Netzwerks, das Sensibilisierungskampagnen für die Allgemeinheit durchführt und Pfleger im Umgang mit HIV-Infizierten schult, zum Stillstand gekommen. Denn die Regierung verbietet seit dem Ebola-Ausbruch alle öffentlichen Versammlungen.

Angesichts der derzeitigen Krise haben das Nationale AIDS-Sekretariat und das Gesundheitsministerium eine Telefonhotline für HIV/AIDS-Patienten eingerichtet. Ziel ist es, die Hilfsbedürftigen unter ihnen ausfindig zu machen und ihnen Behandlungen zu ermöglichen. Im Gegensatz zu früher erhalten die Patienten ihre Medikamente nun nicht mehr monatlich, sondern quartalsweise.

Beamte des Gesundheitsministeriums betonen unterdessen, dass sie auch in Zeiten von Ebola den Kampf gegen HIV/AIDS nicht aus dem Blick verloren haben. Dazu meinte Jonathan Abass Kamara, ein Sprecher des Gesundheitsministeriums: "Wir versorgen Patienten regelmäßig mit Medikamenten und versuchen unser Bestes, um sie zu behandeln."

Dennoch steht zu befürchten, dass die durchschlagenden Erfolge im Kampf gegen HIV/AIDS, mit denen Sierra Leone zum regionalen Vorreiter geworden ist, gefährdet sind, sollte die Ebola-Epidemie in dem westafrikanischen Land nicht bald eingedämmt werden. (afr/IPS)

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