Senegal: Regierung setzt auf Industrie

Schmaler Grat zwischen Entwicklung und Umweltschutz

Von Doreen Akiyo Yomoah | 02.07.2014

Dakar. Die Regierung des senegalesischen Präsidenten Macky Sall hat sich die Industrialisierung des westafrikanischen Landes vorgenommen. Im Fall der Ansiedelung des nigerianischen Zementriesen 'Dangote Cement' zeigt sich aber, wie schwer es ist, wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz miteinander zu verbinden.

"Ich denke nicht, dass es möglich sein wird, ist, sich zwei vollständig gegensätzliche Wünsche zu erfüllen", meint Thomas Ibrahima, Wissenschaftler am Senegalesischen Institut für landwirtschaftliche Forschung (ISRA). Er bezieht sich mit dieser Aussage auf die Entscheidung, dem nigerianischen Konzern Dangote Cement die Produktion von Zement im großen Stil zu erlauben. "Die senegalesische Industrie braucht Zement. Doch wird sich die Produktion negativ auf die Umwelt auswirken. Wir sollten versuchen, die Schäden zu begrenzen."

'Sococim', die senegalesische Niederlassung des französischen Zementherstellers 'Vicat', ist wegen der Genehmigung für den Dangote Cement derzeit mit der Regierung im Clinch. Bereits im November 2013 zog das französische Unternehmen vor den Gemeinsamen Gerichts- und Schiedsgerichtshof (CCJA) der 17 Mitliedstaaten der Organisation für die Harmonisierung des Wirtschaftsrechts in Afrika (OHADA).

Dangote hatte den Nachkommen von Cheikh Amadou Bamba, einem bekannten senegalesischen Religionsführer, 12,6 Millionen US-Dollar gezahlt, um die Fabrik in einem Waldgebiet zu bauen, in dem die Familie lebte. Die Anlage, die zu einer der größten des Kontinents werden soll, steht in der Nähe von Thies, der drittgrößten Stadt im Land. Unmittelbare Anrainer sind die Dörfer Galene, Poute und Dangane.

Dorf hofft auf Entwicklungsschub

IPS wurde weder erlaubt, das Fabrikgelände, noch Galene zu betreten. Jedoch berichteten Bewohner von Poute, froh darüber zu sein, dass die Fabrik in ihrer Nähe sei. Aboulaye Fall, ein Angestellter von Dangote und Bewohner von Poute, meinte zu IPS: "Dangote ist bereit, Poute zu helfen. Das Unternehmen wird uns mit Strom versorgen und Straßen bauen, um die Mobilität zu verbessern. Die Firma senkt die Jugendarbeitslosigkeit, und die meisten von uns sind heilfroh, dass sich das Unternehmen hier in Poute niederlässt."

Doch Djim Nanasta von 'Environmental Development Action in the Third World' (ENDA), einer auf Umwelt- und Energiefragen spezialisierten internationalen Organisation mit Sitz in Dakar, erklärte gegenüber IPS, dass die Menschen aufgrund kultureller Zwänge etwas gegen den Bau der Fabrik haben könnten, sich aber nicht öffentlich dazu äußern wollten.

Wie Nanasta weiter berichtete, hat sich die Jugend nach Beginn des Streits zwischen Sococim und Dangote zusammengeschlossen, um das nigerianische Unternehmen zu unterstützen. Er betonte ferner, dass die Zementfabrik Unmengen Staub freisetze, der bei den Anrainern Atemwegsprobleme verursachen könnte.

Boubacar Camara, der Geschäftsführer von Sococim, meinte in einem vorangegangenen Interview: "Das ist das erste Mal in der Geschichte Senegals, dass wir erleben, dass eine Anlage gebaut wird, die gegen die Bestimmungen verstößt." Camara wirft Dangote vor, Auflagen wie das Einholen einer Genehmigung und das Durchführen von Umweltverträglichkeitsstudien missachtet zu haben.

Abdoulaye Ndaw, Rechtsexperte und Kommunikationschef beim CCJA, erklärte gegenüber IPS, dass ein Urteil in der Frage, ob Dangote Rechtsbruch begangen habe, noch zu klären sei. "Vicat, das viel investiert hat, um die gesamte nationale Zementindustrie zu kontrollieren, will verhindern, dass sein Geschäft durch die Ankunft eines Konkurrenten gefährdet wird."

Präsident Sall war im Februar nach Paris gereist, um Gelder für seinen 'Senegalesischen Schwellenplan' (PSE) aufzutreiben. Senegal exportiert derzeit Phosphat. Erwartet wird, dass 'Chemical Industries of Senegal', der größte Phosphat-Entwickler des Landes, zwei Millionen Tonnen Phosphat im Jahr produzieren wird – mit beträchtlichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Weitflächige Bodenerosion

Der Präsident hat ferner bekannt gegeben, den Bergbau zum Motor der senegalesischen Entwicklung zu machen. "Wir sind fest entschlossen, die Voraussetzungen zu schaffen, um Investoren ins Land zu holen." Doch laut Francis James, Länderdirektor des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) sind zwei Drittel der senegalesischen Böden oder 34 Prozent der Landesfläche degradiert. Jedes Jahr verliert das Land 50.000 Hektar Land.

Mit Blick auf den nationalen Industrialisierungsplan meinte Moustapha Ndiaye, Beamter im Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, "dass es viele Naturschutzgesetze gibt und es absolut notwendig ist, dass sie von den Unternehmen eingehalten werden."

Doch Nanasta warnt, "dass selbst Minister einräumen, dass sie nicht in der Lage sind, allen Empfehlungen in den Umweltverträglichkeitsstudien zu folgen". (afr/IPS)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus