Senegal: Günstiger Solarstrom für alle

Rapper Akon lässt in Dörfern das Licht angehen

Von Inter Press Service | 21.10.2015

Berlin. Wenn der US-amerikanische Rapper Akon nachts durch hell erleuchtete Großstädte zieht, denkt er oft an seine Kindheit im Senegal zurück. Er wuchs in der Stadt Kaolack südöstlich von Dakar auf. Dort war es abends immer stockdunkel, weil es keinen Strom gab. Auch heute noch bleiben viele Häuser nach Sonnenuntergang finster: Etwa 600 Millionen Afrikaner müssen ohne Elektrizität auskommen.

From Left to Right: William Wallis: Writer and Former Editor, African Affairs, Financial Times; Amaduou Mahtar Ba: Executive Chair, AllAfrica Global Media; John Prendergast: Founding Director, Enough Project; Akon: Founder of the Akon Lighting AfricaVon rechts nach links: Akon, John Prendergast (Enough Projekt), Amadou Mahtar Ba (AllAfrica Global Media) und der Journalist William Wallis (Bild: Brookings Institution/Paul Morigi Photography, CC BY-NC-ND 2.0)

Jahr für Jahr sterben auf dem Kontinent 3,5 Millionen Menschen an toxischen Dämpfen von Treibstoff oder bei Hausbränden, nur weil sie ein bisschen Licht haben wollen. Um Abhilfe zu schaffen, hat der 42-Jährige mit zwei Freunden das Projekt Akon Lighting Africa gegründet, das sich grundsätzlich von den Non-Profit-Initiativen internationaler Hilfsorganisationen unterscheidet. "Nur Projekte, an denen Afrikaner direkt beteiligt sind, haben Erfolg", sagte Akon der britischen Zeitung The Guardian. "Viele Organisationen, die in Afrika ihre eigenen Strategien umsetzen lassen, erleiden dabei fürchterlichen Schiffbruch. Wir drei Afrikaner kommen in jedem Land auf den Kontinent schneller voran."

Lokale Initiativen können neue Jobs schaffen

Der Rapper und seine Mitstreiter - der politische Aktivist Thione Niang, der wie er aus dem Senegal stammt, und der Malier Samba Bathily, der Geschäftsführer des Solarstromunternehmens Solektra International ist - sind fest davon überzeugt, dass preisgünstige Elektrizität für afrikanische Dorfgemeinschaften aus gewinnorientierten Projekten afrikanischer Unternehmer kommen sollte. Denn solche Initiativen könnten Jobs schaffen und neue, sich selbst tragende Volkswirtschaften aufbauen helfen, meinen die Gründer von 'Akon Lighting Africa'.

Akon, der zuvor bereits das Gesundheits- und Bildungsprogramm Konfidence ins Leben rief, pries sein jüngstes Projekt in diesem Sommer auf einer Verkaufstour durch mehrere Länder an. Mit Bathily und Niang nahm er am 'Global Entrepreneurship Summit' in der kenianischen Hauptstadt Nairobi teil. Weitere Stationen waren Ruanda, Kongo-Brazzaville, Nigeria, Niger und Benin, wo er Projekte von 'Akon Lighting Africa' in der Küstenstadt Cotonou inspizierte.

Die Gründer sind bereits mit Regierungen von 16 afrikanischen Staaten ins Geschäft gekommen, wie 'The Guardian' berichtet. Bis Ende nächsten Jahres wollen sie in 25 Ländern der Region tätig sein. Finanzielle Unterstützung erhalten sie durch Kredite von internationalen Partnern, wie der China Jiangsu International Group und der afrikanischen Ecobank. Ein chinesischer Hersteller liefert Sonnenkollektoren. Die Arbeitskräfte sind jedoch überwiegend Afrikaner. Dank der Vorfinanzierung kann Solektra International Dorfbewohnern rasch Strom bereitstellen. Rückzahlungsmodalitäten werden individuell mit den Regierungen ausgehandelt.

Akons Projekt bietet unterschiedliche Lösungen zur Stromversorgung an. In Dörfern werden zurzeit 100.000 Straßenlaternen installiert. 1.000 Solar-Mikrogeneratoren sollen als Energiedrehscheibe dienen und alte, mit fossilen Brennstoffen betriebene Generatoren ersetzen. Außerdem erhalten 200.000 Haushalte Solarstromanlagen, darunter Geräte, die tagsüber Energie speichern und nachts für indirekte LED-Beleuchtung sorgen sowie Solarzellen im Taschenformat zum Aufladen von Mobiltelefonen und Tablet-Computern.

Subventionen von Regierungen oder lokalen Behörden ermöglichen es, diese Geräte zu moderaten Preisen an Familien zu verkaufen. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass Hilfsorganisationen in Afrika weiterkommen", sagte Akon. "Die Menschen werden damit länger klein gehalten als nötig. Der einzige Weg, um Afrika aufzubauen, ist die Gründung profitorientierter Unternehmen, die auf lokaler Ebene Arbeitsplätze schaffen. Die Leute werden schließlich in der Lage sein, ihre eigenen Wirtschaftsprojekte zu entwickeln."

Erste Solar-Akademie in Mali

Bald will 'Akon Lighting Afrika' eine Akademie in der malischen Hauptstadt Bamako eröffnen. Jugendliche werden dort in Bau- und Ingenieurstätigkeiten, Büroarbeit und Projektmanagement ausgebildet. "Anfangs schickten wir 20 junge Leute aus zehn afrikanischen Ländern mit Hilfe von Stipendien auf eine Universität im marokkanischen Marrakesch, wo sie eine Ingenieursausbildung abschlossen. Dann kamen sie zurück und arbeiteten für uns", sagte Niang. "Als wir erkannten, dass unser Projekt gewachsen war, gründeten wir die Akademie in Mali."

An einer eigenen Non-Profit-Organisation kommen die Gründer dennoch nicht vorbei. Niangs Organisation Give1Project berät soziale Unternehmen und profitiert von der Zuarbeit hochmotivierter Berufsanfänger, die eine wertvolle Ausbildung und später einen Job bekommen.

"Diejenigen, die in Afrika Geschäfte machen wollen, bringen normalerweise eigenes Know-how und Arbeitskräfte mit", sagte Niang. "Und wenn die Arbeit erledigt ist, sind sie wieder weg. Deshalb haben so viele afrikanische Städte Solarleuchten, die nach drei Jahren nicht mehr funktionieren. Niemand ist mehr da, um sie instandzuhalten. Wir dagegen wollen junge Afrikaner auf lokaler Ebene ausbilden und ihnen Arbeit geben."

'Akon Lighting Afrika' findet großen Anklang bei Regierungen, die sich neue Energiequellen erschließen wollen, aber nur schwer verlässliche Partner finden. Akon, Niang und Bathily verhandeln mittlerweile direkt mit Regierungschefs, Energie- und Finanzministern. Der Fokus liegt auf ruralen Gebieten, wo der größte Bedarf besteht. "Wenn man den Kontinent aufbauen will, muss man in ländlichen Regionen anfangen", sagte Akon. "Denn dort schlägt das Herz Afrikas." (afr/IPS)

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