Senegal: Gemüseanbau floriert

Bauern wollen mehr Zugang zu globalen Märkten

Von Souleymane Faye | 19.09.2012

Dakar. Tausende Bauern , die den senegalesischen Agrargürtel Niayes an der Westküste nahe der Hauptstadt Dakar bewirtschaften, leben gut vom Obst- und Gemüseanbau. Doch Immobilienspekulanten gefährden die Zukunft des Erwerbsgartenbaus: Sie kaufen von den Farmern Grundstücke, ohne sie zu nutzen.

"In diesem Jahr haben wir 100 Tonnen Mangos an Abnehmer im Inland und in Übersee geliefert", sagt Ibrahima Mbengue, der Vorsitzende der Vereinigung der Gemüsebauer in Niayes (FPMN), während er junge Arbeiter beobachtet, die Dutzende Körbe mit Früchten abwiegen.

Die FPMN wurde 1994 gegründet und hat nach Angaben von Mbenge inzwischen 2.250 Mitglieder, die im vergangenen Jahr auf insgesamt 6.000 Hektar Land Lebensmittel produziert haben. In der Region gibt es viele Seen und Feuchtgebiete.

"Die Bauern verdienen eine Menge Geld", meint Abdoulaye Barry, ein Journalist aus Dakar, der sich auf Agrarthemen spezialisier hat. "Viele Ausländer, vor allem aus Guinea, arbeiten hier auf den Feldern. Mit dem Geld, das die Farmer verdienen, können sie sich feste Häuser bauen."

Das Erntevolumen in der Region hat sich nach offiziellen Zahlen von rund 78.000 Tonnen 2009 auf 261.000 Tonnen 2011 mehr als verdreifacht. Der Zuwachs ist auf eine Vergrößerung der Anbauflächen zurückzuführen. Wurden 2009 noch etwa 5.000 Hektar bepflanzt, so waren es im letzten Jahr bereits 8.700 Hektar. Das Gesamteinkommen der Gemüsebauern wird auf 430 Millionen US-Dollar geschätzt.

Trotz des starken Wachstums vermisst Mbengue technische Hilfe von der Regierung. Zwar steigt die Produktion von Jahr zu Jahr weiter an, doch sind die Bauern derzeit nicht in der Lage, sich gegen die Konkurrenz auf dem internationalen Obst- und Gemüsemarkt zu behaupten.

Erntevolumen übersteigt Nachfrage im Inland

"Die Erträge aus dem Erwerbsgartenbau übersteigen die Nachfrage im Inland bei weitem. Die Produkte sind aber verderblich. Einige Bauern verkaufen mit großen Verlusten", berichtet Mbengue. Transport, Verpackung und Vermarktung sind schlecht organisiert.

Sidy Guèye, der Koordinator von FPMN in dem ländlichen Distrikt Sangalkam, wo viele Gemüsebauern leben, beklagt ein häufig vorhandenes Überangebot, das die Preise verdirbt. Zwiebeln würden manchmal zu Dumpingpreisen von 20 bis 35 Cent pro Kilo verkauft. In anderen Zeiten wiederum steigen die Preise auf dem lokalen Markt hingegen bis auf 80 Cent pro Kilo.

Die Farmer ernten drei bis vier Mal im Jahr. Die meisten betreiben ihren Anbau auf Familiengrundstücken, die jeweils höchstens fünf Hektar groß sind. Laut Guèye bewirtschaften einige Bauernvereinigungen auch Flächen von mehreren hundert Hektar.

"Den Menschen geht es hier in Sangalkam finanziell gut. In anderen Teilen des Landes sind die Lebensbedingungen eher prekär", sagt der FPMN-Koordinator. In Niayes haben demnach 90 bis 95 Prozent der Farmer ihr Land geerbt. Andere konnten mit Einwilligung der zuständigen Behörden Grundstücke kaufen.

Der Erwerbsgartenbau ist für die senegalesische Wirtschaft mittlerweile so wichtig, dass die Regierung den Sektor in ihrer Wachstumsstrategie für die Landwirtschaft berücksichtigt. Der auf mehrere Jahre angelegte Plan wird von der Regierung und Privatunternehmern vorangetrieben.

Spekulanten lassen Grundstücke brach liegen

Aufgrund ihrer Nähe zu der Hauptstadt Dakar hat die Region Niayes allerdings auch Immobilienspekulanten angezogen. Die Mächtigen kauften Grundstücke von den Bauern, ohne sie zu nutzen, kritisiert Woré Gana Seck von der Nichtregierungsorganisation 'Green Senegal'.

Barry ist der Ansicht, dass Niayes ausschließlich dem Erwerbsgartenbau vorbehalten sein sollte. In anderen Gebieten, die weniger für den Gemüseanbau geeignet seien, könnten dagegen Wohnungsbauprojekte umgesetzt werden. (afr/IPS)

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