Sambia: Versichern gegen den Klimawandel

Kleinbauern brauchen Zugang zu Finanzdienstleistungen

Von Friday Phiri | 29.07.2015

Moyo. In Zeiten des Klimawandels wird die von Niederschlägen abhängige kleinbäuerliche Landwirtschaft zu einem immer riskanteren Geschäft. Experten zufolge ist der Zugang zu Finanzdienstleistungen ein absolutes Muss, um Kleinbauern wie Neva Hamalengo die Existenz zu sichern. Der 40-Jährige bewirtschaftet einen kleinen Hof in Moyo im Bezirk Pemba im Süden Sambias.

Farmer Hamalengo and wives in his damaged tomato fieldDer Bauer Neva Hamalengo hat die Wetteranomalien am eigenen Leib erfahren: Tomatenpflanzen wurden von einem Sturm vernichtet, nun bedroht Dürre die Maisernte (Bild: Friday Phiri/IPS).  

Hamalengo weiß genau, was es bedeutet, den Wetteranomalien hilflos ausgeliefert zu sein. Nicht nur, dass ein Sturm unlängst seine Tomatenernte im Wert von 2.000 US-Dollar vernichtet hat. Sein Mais wird derzeit von einer Dürre bedroht. "In dieser Saison rechne ich nur mit geringen Erträgen", sagte Hamalengo gegenüber IPS.

Die wenigsten Bauern in afrikanischen und anderen Entwicklungsländern wissen, dass sie sich gegen Wetterrisiken versichern lassen können. Hamalengo ist da keine Ausnahme. "Wetterbasierte Indexversicherungen sind relativ neue Produkte. Es ist wichtig, die Kleinbauern mit ihnen vertraut zu machen, damit sie für sich die richtigen Entscheidungen treffen können", meinte Allan Mulando vom Sambia-Büro des Welternährungsprogramms (WFP).

Obwohl die Finanzinklusion als Schüssel zur Bekämpfung der Armut gilt, sind die Zahlen in Sambia alles andere als ermutigend. Laut einer von der sambischen Regierung bei der Non-Profit-Organisation 'FinMark Trust' und der Beratungsfirma 'African Heights' in Auftrag gegebenen FinScope-Studie von 2009 haben 63 Prozent aller erwachsenen Sambier oder 6,4 Millionen Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Mehr als die Hälfte von ihnen betreibt Landwirtschaft.

Ernährungssituation und Einkommen verbessern

Es sind also hauptsächlich die Armen, die keinen Zugang zu Bankkonten und anderen Finanzdienstleistungen haben. Um sie besser vor den zunehmenden und intensiver werdenden Wetteranomalien zu wappnen, hat das WFP in Partnerschaft mit der Hilfsorganisation 'Oxfam America' die R4-Initiative für ländliche Resilienz gestartet, die von der sambischen Katastrophenschutzbehörde DMMU, verschiedenen Ministerien, dem Amt für Meteorologie und nationalen Versicherungsanstalten unterstützt wird.

Das Projekt zielt auf Risikomanagementstrategien, den Zugang zu Agrarversicherungen und Krediten sowie auf die Bereitstellung von Sicherheitsnetzen und die Möglichkeit, Reserven anzusparen, wie Mulando erläuterte. Ziel sei es, die Kapazität der ernährungsunsicheren Haushalte zu erhöhen, mit schweren Wetterschocks fertig zu werden.

Die sambische Regierung ist zudem bemüht, laufende Klimaresilienz- und -anpassungsbemühungen wie die das CASU-Programm in das Projekt zu integrieren. CASU ('Conservation Agriculture Scaling Up') wird von der UN-Agrarorganisation und dem Ministerium für Land- und Viehwirtschaft mit finanziellen Mitteln der EU durchgeführt. Es soll die Ernährungslage, die ländlichen Einkommen und den nachhaltigen Einsatz der natürlichen Ressourcen verbessern.

Für das sambische Land-, Rohstoff- und Umweltministerium sind solche Initiativen willkommen, da diese die staatlichen Bemühungen unterstützen, die Anpassungsfähigkeit der Lokalbevölkerung an den Klimawandel zu verbessern.

80 Prozent hängen von Landwirtschaft ab

Wie Richard Lungu, Leiter der Abteilung Umweltmanagement im Ministerium und Sambias Ansprechpartner für das UN-Klimasekretariat (UNFCCC) in Bonn, erklärte, "befindet sich die Regierung zurzeit in einem Prozess der Ressourcenmobilisierung, um die dürregeplagten Gemeinden zu unterstützen". Wie er weiter erklärte, ist der Klimawandel gerade für eine niederschlagsabhängige Agrargesellschaft wie Sambia ein wichtiges Entwicklungsthema. 80 Prozent der Bevölkerung hängen von der Landwirtschaft ab.

Wohlwissend, dass Klimakrisen Bauern in den Ruin treiben können, sei das Wissen um Finanzdienstleistungen wichtiger denn je, meinte Lungu. Es sei zudem ein wirksames Rezept gegen die Resignation, dass sich Investitionen in die Produktivität und Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Lage in Zeiten des Klimawandels nicht mehr lohnten.

Einer der sambischen Bauern, der sich mit Finanzdienstleistungen vertraut gemacht hat, ist der 34-jährige Rodney Mudenda aus Nabuzoka, einem Dorf in Pemba. "Seitdem ich im letzten Jahr die Möglichkeit hatte, an einem Finanzmanagementkurs teilzunehmen, hat sich meine Haltung gegenüber der Landwirtschaft verändert. Ich bin jetzt eher bereit, berechenbare Risiken einzugehen."

So hat Mudenda in dieser Saison weniger Mais und dafür mehr Sonnenblumen angebaut, die Dürren besser vertragen. "Ich habe 5.000 Kwacha (650 Dollar) investiert", berichtete er. "Ich gehe davon aus, dass ich 12.000 Kwacha (1.560 Dollar) zurückbekommen werde." (afr/IPS)

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