Sambia: Trockenfisch aus dem Solarzelt

Neue Konservierungsmethoden steigern die Profite

Von Friday Phiri | 18.11.2015

Mongu. Hadon Sichali verkauft seit über 20 Jahren Fisch. Doch erst jetzt erzielt der 55-Jährige aus Mongu im Westen Sambias ausreichende Einkünfte, um sich einen "Geschäftsmann" zu nennen. Seinen bescheidenen Wohlstand verdankt er einem international geförderten Projekt, das ihm neue Techniken zur Konservierung der Ware vermittelt hat.

Hadon Sichali auf dem FischmarktHadon Sichali bei seinem Stand auf dem Fischmark (Bild: Friday Phiri/IPS)

Über die Organisation WorldFish und das Programm Cultivate Africa's Future (CultiAF) konnte er sich jedoch mit sogenannten Nachernte-Techniken ('Post-Harvest Handling') vertraut machen, die es ihm ermöglichen, seine Ware durch eine Verlängerung der Haltbarkeit besser zu vermarkten. Seitdem ist sein monatliches Durchschnittseinkommen von mageren 58 US-Dollar auf 417 Dollar gestiegen.

"Viele Jahre lang reichte das Geld nur knapp dafür aus, meine Familie zu versorgen. Wir betrieben eine Art Subsistenzhandel und lebten praktisch von der Hand in den Mund", berichtet Sichali, der den Fisch jetzt etwa durch Einsalzen länger haltbar machen kann. "Mein Kapital ist gewachsen, und ich baue jetzt auch noch Reis und Erdnüsse an."

Unterstützung aus Kanada und Australien

Sichali und andere Unternehmer arbeiten mit Wissenschaftlern in einem neuen Projekt zur Vermeidung von Verlusten im Fischhandel zusammen. Unterstützt wird es von CultiAF, einer vom Internationalen Zentrum für Entwicklungsforschung in Kanada (IDRC) und dem Australischen Zentrum für Internationale Agrarforschung (ACIAR) gegründeten Initiative.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt, das von Experten des sambischen Agrarministeriums, der Universität von Sambia und von WorldFish geleitet wird, will einen effizienteren Umgang mit der Ware und eine stärkere Gleichbehandlung von Frauen und Männern im Fischereisektor erreichen.

Im Afrika südlich der Sahara steht pro Einwohner weniger Fisch zur Verfügung als in anderen Weltregionen. Die ohnehin schon geringe Menge wird in den nächsten zwei Jahrzehnten noch um voraussichtlich 20 Prozent sinken. Dafür wird auch ein unsachgemäßer Umgang mit der Ware verantwortlich gemacht. Die Verluste werden mit jährlich bis zu fünf Milliarden Dollar beziffert.

Die Nachernte-Techniken könnten nun vor allem in Malawi und Sambia einen weiteren Rückgang des Fischverzehrs verhindern. Die Tipps werden allerdings bisher nur wenig beachtet.

Sambische Fischer müssen hohe Verluste hinnehmen

"In manchen Untersuchungen werden die Verluste landesweit mit 30 Prozent angegeben. In der Westlichen Provinz dürften sie aber noch höher liegen", sagte der dortige Agrarkoordinator Alex Chilala. Fischer in den Flussauen müssten den Fisch nach dem Fang oftmals bis zu 25 Kilometer weit zum nächsten Hafen transportieren.

"Für die Verarbeitung und den Verkauf des Fisches sind meistens Frauen zuständig", sagte Chilala. "Für sie ist es sehr anstrengend, den langen Weg von den Fanggebieten zurückzulegen. Unsere Maßnahmen zielen darauf ab, den Menschen, deren Existenz vom Fischfang abhängt, möglichst viele Verluste zu ersparen."

In Zusammenarbeit mit Fischergemeinden in den Barotse-Flussauen in Sambia und am Chilwa-See in Malawi haben die Wissenschaftler Pilotprojekte entwickelt, um das Verderben der Ware zu vermeiden.

Kate Longley von WorldFish ist davon überzeugt, dass partizipatorische Forschungen gegenüber anderen Methoden entscheidende Vorteile bieten. "Die Leute lernen am besten dadurch mit neuen Technologien umzugehen, indem sie sie selbst ausprobieren", sagte sie. "Wir geben ihnen Anleitungen, die sie dann umsetzen und an ihre Lebensumstände anpassen."

Projektleiter Alexander Shula Kefi von der Fischereibehörde betrachtet es ebenfalls als wichtig, dass diejenigen, die in dem Bereich arbeiteten, die Vor- und Nachteile der Innovationen unter Anleitung der Experten gemeinsam diskutierten.

Nur wenig Fisch wird frisch gehandelt

Üblicherweise wird Fisch in der Region in der Sonne getrocknet oder geräuchert. Nur kleine Mengen werden fangfrisch verkauft. Durch die Verarbeitung wird der Fisch allerdings schnell mürbe. Außerdem wird er leicht auf dem Transportweg geschädigt. Die neuen Techniken sehen unter anderem die Trocknung in einem Plastik-Solarzelt vor, wo der Fisch vor Staub und Fliegen geschützt ist. Bei den hohen Temperaturen wird er zudem schneller getrocknet.

"Solartrockner haben viele Vorteile. Die Materialien sind am Ort günstig zu erhalten, die Trocknung kommt schnell voran, und das Endprodukt ist garantiert sauber", sagt der leitende Ausbilder Robert Lubilo. Auch die traditionelle Methode des Einlegens der Ware in Salz sei bei den Händlern wieder zunehmend beliebt. Sichali weiß die Vorteile zu schätzen: "Früher haben wir etwa ein Viertel des Fisches nicht verkaufen können, weil er während der langen Transporte zerfiel. Seit wir die Ware einsalzen, können wir dies vermeiden."

Zudem wird dafür geworben, die Fische durch eine Lagerung auf Eis zu kühlen. Um diese bisher in der Region ungewohnte Praxis voranzubringen, will der private Sektor in Kürze eine Eisfabrik eröffnen.

Sichali, der inzwischen einer Kooperative angehört, hofft, dass Fischer nun auch stärker auf den Erhalt der Spezies achten. Hohe Verluste hätten dazu geführt, dass sie umweltschädliche Fangmethoden praktiziert und Fangverbote der Regierung während der Brutzeiten missachtet hätten, sagte er. Auch Behördenvertreter erkennen inzwischen, dass das CultiAF-Projekt die Fischer für den Artenschutz sensibilisiert. (afr/IPS)

| Tags: , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus