Sambia: Strom für alle

Doch Vertriebene des Kariba-Damms sitzen nach wie vor im Dunkeln

Von Baboki Kayawe | 29.03.2013

Lusitu. In Sambia und Simbabwe warten rund 57.000 Mensch 60 Jahre nach ihrer Vertreibung aus dem Sambesi-Tal noch immer auf einen Stromanschluss. Wie sie kritisieren, wird ihnen bis heute die Entwicklung vorenthalten, der sie ihre Umsiedlung verdanken: Das Wasserkraftwerk Kariba sollte den Menschen, die ihr Land für das Projekt aufgeben mussten, eine helle Zukunft bringen.

Doch Nutznießer waren andere. Die meisten Vertriebenen und ihre Nachkommen, die in den neuen Siedlungen leben, haben bis heute keinen Strom. Samson Nyowani war 15 Jahre alt, als er sein Heimatdorf Chiepu im Süden Sambias verlassen und mit seiner Familie ins 60 Kilometer entfernte Sitikwi im Bezirk Lusitu umziehen musste. "Hier in Sitikwi haben wir keinen Strom. Selbst unsere Schulen und das Krankenhaus sind nicht angeschlossen", berichtet der 69-Jährige. "Das ist schon sehr traurig, wenn man bedenkt, was für ein großes Opfer wir mit unserem Umzug gebracht haben."

Nyowani zufolge hatte die britische Kolonialregierung versprochen, die Vertriebenen mit Strom zu versorgen. Er erhofft sich nun von der derzeitigen Regierung eine Verbesserung der gegenwärtigen Lage.

Wie die für Katastrophenmanagement und Klimaanpassung in Siyavonga zuständige Verwaltungsbeamtin Hope Mpundu betont, ist man sich der prekären Situation dieser Menschen sehr wohl bewusst. Die Regierung versorge die Menschen mit Nahrungsmitteln und helfe bei der Entwicklung von Bewässerungssystemen. "Für sie müsste weit mehr getan werden", räumt Siyavonga ein. "Immerhin wurden sie in einem Gebiet angesiedelt, dass einfach nicht gut genug ist." Es sei dürreanfällig, und die Böden seien auch nicht sehr fruchtbar.

Landwirtschaft bedingt möglich

Die Subsistenzwirtschaft ist für die 3.000 Menschen, die in Sitikwi neu anfangen mussten, ein mühsames Geschäft. Die Böden bringen ein bisschen Mais und Gemüse hervor – das war's. "Und die Erträge reichen nicht aus, um unsere Familien bis zur nächsten Ernte durchzubringen", erläutert Nyowani. "Fällt dann auch noch zu wenig Regen, ist Hunger angesagt."

Laut Frank Mudimba, der Sprecher der Nichtregierungsorganisation 'Basilwizi Trust', die sich für die Entschädigung der Vertriebenen einsetzt, hat die sambische Regierung das Entwicklungsprogramm für das Gwembe-Tal gestartet. Im Rahmen dieses Vorhabens seien Klinken, Bewässerungssysteme und Dämme gebaut und die Häuser einiger Chiefs ans Stromnetz angeschlossen worden.

Doch unter Staatspräsident Frederick Chiluba wurde das Programm aus finanziellen Gründen nicht fortgeführt. "Immerhin haben die Strukturen, die vorher fertiggestellt worden waren, bis heute überlebt", betont Mudimba und fügt hinzu, dass es für die Umsiedlungsopfer auf simbabwischer Seite kein solches Programm gegeben habe.

Madam Siankusule war acht Jahre alt, als sie mit ihren Eltern von Chipepu nach Lusitu umziehen musste. Sie kann sich noch gut an die produktiven Böden ihres Geburtsortes erinnern, bevor sie im Stausee untergingen. In Lusitu habe man mit Dürren zu kämpfen, erzählt sie. Auch sie fordert, das Dorf endlich ans Stromnetz anzuschließen.

Elizabeth Karonga, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Sambesi-Fluss-Behörde (ZRA), betont gegenüber IPS, dass der damaligen Kolonialregierung das Wohl der Tiere mehr am Herzen gelegen habe als das der Menschen. So hätte sie 'Operation Noah' gestartet, um alle Tiere in der Region vor der Flutung des Staudamms in Sicherheit zu bringen.

Planlose Umsiedlung

Weniger groß sei das Interesse am Schicksal der 57.000 Sambier und Simbabwer gewesen, die durch das Projekt ihre Heimat verloren hätten. Mit Ausnahme einiger weniger Indigenen, die am Bau des Staudamm beteiligt worden seien, hätten sie nicht von dem Projekt profitiert.

"Auch wenn es die ZRA damals noch nicht gab, konnten wir doch im Nachhinein erkennen, dass die Umsiedlung weitgehend planlos verlaufen war. So wurde nicht sichergestellt, dass den Menschen in den neuen Dörfern genügend Wasser zur Verfügung stand", erläutert Karonga.

1997 brachte die ZRA den Entwicklungsfonds für das Sambesi-Tal auf den Weg. "Wir fühlten uns verpflichtet, etwas für diese Menschen zu unternehmen", so die ZRA-Sprecherin. In den Fonds fließt ein bestimmter Prozentsatz der Einnahmen ein, den ihre Behörde von den sambischen und simbabwischen Stromunternehmen erhält. Die Mittel werden für den Bau von Bewässerungssystemen, Schulen und anderen nachhaltigen Strukturen verwendet.

Karonga zufolge arbeitet die ZRA mit lokalen Regierungsvertretern zusammen, um die auf Hilfe angewiesenen Personen in beiden Ländern zu identifizieren. Bisher profitieren die Einwohner der sambischen Dörfer Lisutu, Nkandababbwe und Nkolongoza und der simbabwischen Ortschaften Nyamhunga, Gatche Gatche und Mlibizi. (afr/IPS)

| Tags: , , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus