Sambia: Junge Ideen gefragt

Gründerinnen schaffen Perspektiven für Landwirte

Von Friday Phiri | 03.05.2017

Mongu (IPS/afr). Ivy Nyambe Inonge, 35, strahlt über das ganze Gesicht. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnens hat sie eben den ersten Preis bei einem Gründer-Wettbewerb gemacht, der Unternehmertum in der Landwirtschaft fördern und Problemlösungen ermöglichen soll.

Markt mit Trockenfischen am SambesiTrockenfische aus dem Sambesi sind eine wichtige Einkommensquelle. (Bild: Sustainable Sanitation/Flickr, CC BY 2.0)

Cultivate Africa’s Future (CultiAF)  ist ein Projekt des International Development Research Centre (IDRC) mit Sitz im kanadischen Ottawa. Im Rahmen des Projekts wurde ein Wettbewerb durchgeführt, der junge Menschen aus Malawi, Sambia und Simbabwe zu einem größeren Engagement in der Landwirtschaft motivieren soll. Prämiert werden dabei Ideen, die landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten entstehen lassen.

In Sambia hat das "Mbeta Island Integrated Fish Farm" von Ivy Nyambe Inonge und ihrem Team den ersten Platz belegt. Die Gründerinnen haben dafür ein Preisgeld von 5.000 Euro erhalten.

Ziel des Projekts ist die Etablierung einer Fischzucht auf der Insel Mbeta, die im Sambesi liegt. Der neue Fischteich in der Malengaula-Lagune soll den lokalen Bauern ein weiteres wirtschaftliches Standbein ermöglichen.

Im Moment leben die Landwirte auf der Insel vor allem von ihren Viehbeständen und der Getreideproduktion. Allerdings reichen diese Tätigkeiten nicht für ein ganzjähriges Einkommen aus.

In der Fischerei liegt eine Chance: Die Fischbestände im Sambesi sind aufgrund von klimatischen Veränderungen und der Überfischung in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Als Resultat hat die Regierung für 90 Tage im Jahr ein Fischereiverbot verhängt.

Die Fischfarm ermöglicht es Bauern, die Nachfrage auch in diesen drei Monaten zu bedienen. Ivy Nyambe Inonge ist überzeugt, dass der Plan aufgeht: "Das Projekt bietet die eine Gelegenheit für zuverlässige Einnahmequelle, damit wir unsere eigenen Chefs werden können."

Landwirtschaft braucht junge Frauen

Afrika ist der jüngste Kontinent der Welt. Ein Drittel der Bevölkerung ist zwischen zehn und 24 Jahren alt, die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen ist aber enorm.

Die Ernährungssicherheit des Kontinents lastet auf den Schultern der Frauen. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) produzieren Frauen in Afrika etwa 80 Prozent der Lebensmittel.

Allerdings tun sich Frauen schwer, als Unternehmerinnen im Agrarbereich erfolgreich zu sein. Sie haben in der Regel einen sehr begrenzten Zugang zu finanziellen Ressourcen und können ihr Potenzial daher nicht voll ausschöpfen.

Projekte, die den Aufbau von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten zum Ziel haben, kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu. Das Comprehensive Africa Agriculture Development Programme (CAADP) ist eine kontinentale Initiative der Afrikanischen Union (AU) und der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD), die u. a. die Entstehung solcher Wertschöpfungsketten unterstützen will. Mit der Durchführung des Programms ist die NEPAD Planungs- und Koordinierungsagentur NPCA betraut.

Nach Angaben von Estherine Lisinge-Fotabong von der NPCA biete die CAADP-Initiative die Möglichkeit, Ernährungsunsicherheit und Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen und Frauen zu bekämpfen, in dem es ihnen Zugänge zum Agribusiness verschafft.

Junge Ideen für die Landwirtschaft

Das CultiAF-Projekt im südlichen Afrika ist ein Baustein, das für eine konkrete Umsetzung der CAADP-Initiative sorgt. "Das Hauptziel ist es, die Beteiligung der Jugendlichen an der Agribusiness-Wertschöpfungskette durch kreative Ideen zu erhöhen", erklärt CultiAF-Koordinator Jonathan Tamtatamba. "Jugendliche sollen von der Landwirtschaft angezogen fühlen und aufhören zu denken, dass das ein Beruf für Pensionisten ist."

CultiAF unterstützt Gründerinnen und Gründer vom Start weg und begleitete sie auch in späteren Phasen mit Trainings und Mentoren-Programmen. In Sambia wurden zehn Finalisten ausgewählt, fünf von ihnen haben Stipendien erhalten.

Die Auswahl fiel der Jury nicht leicht. "Wir waren von vielen Ideen begeistert", sagte Tambatamba. Besonders beeindruckt habe aber auch ihn die "Mteba Island Integrated Fischfarm", die neben dem Aufbau einer landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette auch ein Umweltproblem löst. So sollen die Abwässer aus der Fischzucht für die Gemüseproduktion verwendet werden.

Tambatamba glaubt aber auch, dass noch viel Wasser den Sambesi hinunterlaufen wird, bis das Projekt tatsächlich Realität wird. "Es sind ernsthafte Investitionen erforderlich, um solche brillianten Ideen zu unterstützen", so der CultiAF-Projektkoordinator. (Ende)

| Tags: , , , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus