Sambia: Die unbesungenen Heldinnen des Klimawandels

Konservierende Landwirtschaft sorgt für sichere Ernten und Einkommen

Von Friday Phiri | 26.04.2016

Pemba. Bei sengender Hitze begutachtet Ellen Kacha ihr Maisfeld, das sich von der letzten Trockenzeit langsam zu erholen beginnt. Hier im Süden Sambias sind Dürren in den letzten Jahren häufiger geworden und bedrohen immer mehr die Lebensgrundlagen von Bauern. Kacha ist erleichtert, dass sie frühzeitig auf konservierende Anbaumethoden umgestiegen ist.

Ellen Kacha aus Hamaundu im Bezirk Pemba hat rechtzeitig auf konservierende Landwirtschaft umgestellt: Trotz der Dürre erwartet sie heuer eine gute Maisernte (Bild: Friday Phiri/IPS).

"Die Dürre in dieser Saison ist noch schlimmer ausgefallen als in den letzten drei Jahren," schildert die 56-jährige Bäuerin aus dem Bezirk Pemba. Für die extreme Trockenheit ist vor allem das Wetterphänomen El Niño verantwortlich. Schlechte Ernten und Nahrungsmittelengpässe sind die Folge.

Kacha setzt bereits seit dem Jahr 2003 auf konservierende Landwirtschaft (Conservation Agriculture, CA). Die von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) propagierte Anbaumethode setzt auf drei Säulen: schonende Bodenbearbeitung, permanente Bodenbedeckung (z. B. durch Mulchen) und Fruchtwechselwirtschaft.

Kacha erzählt, dass sie den Umstieg auf die konservierenden Methoden erst auf die harte Tour lernen musste. "Ich war 23 Jahre lang alleinerziehende Mutter", erzählt sie. "Dann kam die Zeit, dass meine Böden wegen der Erosion komplett unbrauchbar wurden. Ich suchte nach neuen Ansätzen, um meinen Familie zu ernähren. Mein Umstieg auf die konservierende Landwirtschaft kam gerade zur richtigen Zeit."

Frauen wird Landbesitz verwehrt

In Sambia sind 78 Prozent aller Frauen in der Landwirtschaft tätig. Ihre Ernten versorgen 70 Prozent der über 14 Millionen Einwohner des Binnenstaates im südlichen Afrika. Dennoch bleibt Frauen oft der Zugang zu Krediten – und was noch schwerer wiegt – zu Land verwehrt.

Grund dafür ist die patriarchalische Tradition in der Region, die Frauen einen eigenen Landbesitz verwehrt. Dabei handelt es sich zwar nur um ein ungeschriebenes Gesetz, in der Praxis sind aber mit dieser Tradition enorme Einschränkungen für die Geschäftsfähigkeit von Frauen verbunden: Frauen erhalten in der Regel keine Kredite und andere Formen von finanzieller Unterstützung, weil sie keine Sicherheiten zu bieten haben.

"Ich habe miterlebt, dass Frauen in der Region zwar die Hauptlast im Katastrophenfall tragen aber in der Langzeitplanung von klimaschonenden Projekten vernachlässigt werden", sagt Juliane Ineichen, stellvertretende Regionaldirektorin der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). "Der schlechte Zugang zu Land und anderer Anreize ist ein schwerwiegender Stolperstein für ihren Fortschritt."

Die DEZA unterstützt daher die Initiative R4 des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Sambias Südprovinz. Ziel der Initiative ist es, Kleinbauern auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten und ihre Ernährung und Einkommen nachhaltig sicherzustellen. Neben der Propagierung von klimaresistenter Landwirtschaft stellt die Initiative auch Finanzdienstleistungen wie Kredite, Versicherungen und Sparkonten zur Verfügung.

Erfolgsbeispiele machen Mut

Maulungo Maina Chabota (43) ist eine jener Frauen, die durch die Initiative R4 neue Hoffnung geschöpft hat. Sie hat gelernt, auf ihren Feldern Fruchtwechsel zu betreiben. Die Umstellung hat sich ausgezahlt: Trotz der langen Dürreperiode erwartet sie eine Rekordernte bei Kuhbohnen. Mit den Einkünften kann sie nun das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen.

"Das Programm ist das Beste, was uns passieren konnte", schwärmt Chabota. Vor allem die Kredite seien ein Segen, sagt sie. Außerdem habe sie bisher nicht gewusst, dass man sich gegen klimabedingte Ernteausfälle versichern kann.

Auch Ellen Kacha gilt vielen als Vorbild – und das, obwohl sie gar nicht Teil der Initiative R4 ist. "Ich kann mich nicht beschweren", sagt die Bäuerin bescheiden. "Durch meinen Umstieg auf konservierende Landwirtschaft habe ich es zu zwei Häusern mit Wellblechdächern gebracht. Meine Kinder können die Universität besuchen. Und erst kürzlich habe ich einen 5.000-Liter-Wassertank sowie eine Dieselpumpe für die Bewässerung gekauft."

Kachas landwirtschaftliche Produkte sind stark gefragt: In der letzten Saison hat Kacha 778 Säcke Mais zu je 50 Kilogramm geerntet. 650 davon hat sie verkauft und dabei einen Umsatz von 48.000 Kwacha (ca. 4.800 US-Dollar) erzielt. Andere Bauern, die auf herkömmlichen Anbau setzten, haben indessen mit schweren Ernteausfällen zu kämpfen.

Ausbau von Bewässerungsanlagen erforderlich

Erfolgsgeschichten wie jene von Chabota und Kacha tragen dazu bei, dass konservierende Anbaumethoden bei Kleinbauern in Sambia immer beliebter werden. Allerdings gäbe es auch Grenzen, warnt der Anbauexperte Hosea Njovu: "Bauern sind bislang mit drei- oder vierwöchigen Trockenperioden fertiggeworden – aber bei sechs Wochen ohne Regen wird keine Pflanze überleben." Njovu ist überzeugt, dass die konservierende Landwirtschaft Wunder bewirkt hat. "Aber", betont er, "in Zukunft wird es mehr Bewässerung brauchen."

Ellen Kacha bestätigt Njovus Einschätzung. Mit ihrem Wassertank und ihrer Dieselpumpe bewässert sie nur jenes Hektar Land, das sich in unmittelbarer Nähe der Ausrüstung befindet. Die Bewässerung von weiter entfernten Feldern kann sie sich im Augenblick nicht leisten. "Ich flehe deshalb die Regierung an, uns Darlehen für die Bewässerung zur Verfügung zu stellen", sagt Kacha. "Die bisher verfügbaren Programme entsprechen einfachen nicht unseren Anforderungen."

Der stellvertretende Landwirtschaftsminister Maxus Ng’onga stimmt Kacha zu. Er verspricht, dass die Regierung ein von der Weltbank unterstütztes Projekt durchführen wird, um kleine und mittelgroße landwirtschaftliche Betriebe mit passender Bewässerungstechnologie auszustatten. Ng’onga will sich in dem Projekt auch dafür einsetzen, dass Frauen bei der Vergabe nicht zu kurz kommen. (Ende)

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