Sambia: Bargeldprogramme gegen den Klimawandel

Staatliche Unterstützungen sollen Anpassungsmaßnahmen finanzieren

Von Friday Phiri | 03.09.2014

Bezirk Pemba. "In der letzten Saison habe ich wegen der lang anhaltenden Dürre auf einem ganzen Hektar Land meine Erdnussernte verloren", erzählt Josephine Chaaba aus dem Bezirk Pemba im Süden Sambias. "Mein Einkommen hängt von Erdnüssen ab." Die Bargeld-Transfer-Programme der Regierung könnten Abhilfe schaffen und für Klimanpassungsmaßnahmen eingesetzt werden.

In der Region, die von der Sambischen Meteorologischen Behörde als regenarm eingestuft wird, hängen die meisten Familien von der Landwirtschaft ab. Sie haben schon alle die Erfahrung gemacht, einen Teil der Ernte zu verlieren. Doch immer wenn das Klima zuschlägt, erweisen sich die Familien als erstaunlich widerstandsfähig.

"Die Niederschläge werden immer unberechenbarer", berichtet Chaaba. "Als mein Mann 2002 verstarb, beschloss ich, Tomaten und Gemüse für den Verkauf anzubauen, um meine Familie zu ernähren." Die 60-Jährige versorgt ihren 17-jährigen Sohn und zwei Enkel. Da sie nur über ein Startkapital von 200 sambischen Kwacha (rund 35 US-Dollar) verfügte, beantragte sie einen Regierungskredit zur Absicherung sozial schwacher Familien.

Stella Kapumo arbeitet im Amt für soziale Wohlfahrt im Bezirk Pemba. Wie sie erläutert, gibt es insgesamt drei Programme der sozialen Absicherung, von denen die Menschen in den Gemeinden profitieren können. Über das Hilfsprogramm für öffentliche Wohlfahrt können Familien um materielle Unterstützung wie Obdach und Lebensmittel ansuchen. Darüber hinaus gibt es zwei Bargeldprogramme - das soziale Programm für den Transfer von Bargeld und den Fonds für soziale Absicherung.

Das Cash-Transfer-Programm stellt armen Familien und denjenigen Haushalten, in denen Menschen mit Behinderungen leben, alle zwei Monate zwischen 25 und 50 Dollar zur Verfügung. Der Fonds für soziale Absicherung kann nur einmal beantragt werden und sieht die Auszahlung von bis zu 670 Dollar als Startup-Hilfe für ein Unternehmen vor.

Populär und wirksam

"Die beiden Bargeldprogramme sind nicht nur äußerst beliebt, sondern auch wirksam. Sie befähigen die Menschen in den armen Gemeinschaften, sich den sozioökonomischen Herausforderungen in ihren Gemeinden zu stellen", berichtet Kapumo. "Hier in Pemba greifen die Menschen am liebsten auf den Fonds für soziale Absicherung zur Gründung eines eigenen Geschäfts zurück."

Was 2003 als Pilotprojekt im Bezirk Kalomo im Süden Sambias begann, hat sich inzwischen in 50 Bezirken durchgesetzt und sichert etwa 60.000 Haushalte sozial ab. "Ich habe von einem Kredit in Höhe von 1.500 Kwacha (250 Dollar) profitiert, um mein Geschäft zu starten", sagt Chaaba. "Jetzt muss ich nur hart genug arbeiten, damit sich mein Geld vermehrt. Dann werden auch die Schulgebühren für meinen Sohn und meine Enkel kein Problem mehr sein. Ich bin der Regierung sehr dankbar dafür, dass sie dieses Programm ermöglicht hat."

Doch sie und viele anderen Bauern in Sambia bekommen seit geraumer Zeit die negativen Folgen des Klimawandels zu spüren. Um Klimaanpassungsmaßnahmen finanzieren zu können, fehlt den meisten das Geld. Auch hier wollen die Behörden helfen, wobei ihrem Programm für soziale Absicherung eine Schlüsselrolle zukommen könnte.

Mutale Wakunuma vom Sambia-Büro der Afrikanischen Plattform für Sozialschutz, konnte sich nach eigenen Angaben von den positiven Auswirkungen der Bargeld-Transfer-Programme zum Schutz armer Familien selbst überzeugen. Ihnen komme bei der Klimaanpassung eine besondere Bedeutung zu, sagt er.

Ruf nach umfassender Klimaanpassungsstrategie

"Wir glauben, dass die Bargeld-Transfer-Programme den Nutznießern die Flexibilität bieten, die sie brauchen, und wir ermutigen die Menschen dazu, diese als Instrumentarium der Klimaanpassung in Erwägung zu ziehen", erläutert Wakunuma. Die Regierung will mit diesen Mechanismen bis 2015 mehr als 390.000 Haushalte erreichen. Der Aktivist ist aber auch der Ansicht, dass eine umfassende Strategie zur Klimaanpassung erforderlich ist.

Robson Nyirenda vom Kasisi-Zentrum für landwirtschaftliches Training, ist der Meinung, dass es im Kampf gegen sozioökonomische Probleme auch auf die Vermittlung von Wissen ankommt. Seine Institution, die von der Gesellschaft Jesu geleitet wird, macht Kleinbauern mit nachhaltigen Agrarpraktiken vertraut, die ihnen bei der Klimaanpassung helfen. "Wir sind der Meinung, dass Wissen nachhaltig ist und ein Leben lang nutzt. Jedoch dürfen wir uns nicht der Tatsache verschließen, dass einige Menschen gefährdeter sind als andere und zum Überleben Unterstützung in Form von Bargeld oder Nahrungshilfe brauchen", sagt er.

Der 22-jährige Allens Malambo aus Pemba ist ein Waise. Wie er berichtet, hat sich der Überlebenskampf für ihn und seine sechs Geschwister aufgrund des klimabedingten Ertragsrückgangs verschärft. Deshalb ist er froh, dass er sich für ein Cash-Transfer-Projekt qualifizieren konnte. "Mit 64 hat unsere Großmutter nicht mehr die Kraft, uns zu ernähren. Doch mit dem Geld werde ich mir meinen Traum, die höhere Schule zu besuchen, erfüllen können. Ich werde zudem die Regierung bitten, mehr zu investieren, um uns jungen Leuten, die wir meist arbeitslos sind, zu helfen", meint Malambo, der mit der Unterstützung in Höhe von 420 US-Dollar zudem seine Geflügelzucht ausbauen will. (afr/IPS)

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