Sambia: AIDS-Aufklärung via Handy

Angebot für Teenager zeigt Wirkung

Von Mercedes Sayagues | 14.01.2015

Lusaka. 'Zambia U-Report' kann sich vor SMS kaum retten. Durchschnittlich 600 Anfragen pro Tag gehen bei dem HIV/AIDS-Beratungsdienst ein. Die Teenager wollen beispielsweise wissen, ob sie auch ohne die Zustimmung der Eltern einem AIDS-Test machen können. Ein von seinen Freund verunsichertes Mädchen fragt an, ob es stimmt, "dass ich Krebs bekommen kann, wenn wir Kondome benutzen".

Zambia U-ReportDie SMS-gestützte AIDS-Beratung 'Zambia U-Report' erfreut sich bei Teenagern großer Beliebtheit (Bild: Zambia U-Report/Facebook). 

Zambia U-Report füllt eine alarmierend große Informationslücke: Nur ein Drittel der sambischen Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren verfügt über umfangreiche HIV/AIDS-Kenntnisse. Schätzungsweise 100.000 Angehörige dieser Altersgruppe sind HIV-positiv. Hinzu kommen die vielen Teenager, die gar nicht wissen, dass sie das Virus bereits in sich tragen, was wiederum bedeutet, dass sie die lebensverlängernden antiretroviralen Medikamente nicht einnehmen.

"Junge Menschen infizieren sich, weil sie nicht über HIV Bescheid wissen", meint der 21-jährige Bright Kaoma. Er moderiert ein Programm über die Immunschwächekrankheit im 'Panafrican Radio' in der sambischen Hauptstadt Lusaka.

Innovative Ansätze gefragt

An einem Samstag brachte die Sendung den O-Ton eines Zwölfjährigen, der den Bedarf an innovativen Ansätzen der HIV/AIDS-Aufklärung besonders gut verdeutlichte. "Wer will schon in eine Klinik gehen, um sich dort über HIV zu informieren?", fragte der Junge mit Namen Maxwell Simbuna. "Das ist doch langweilig! WhatsApp ist doch viel lustiger!"

Kulturelle Tabus halten Eltern meist davon ab, mit ihren Kindern über Sex zu sprechen. Auf einem Treffen, an dem 25 Heranwachsende teilnahmen, gab es nur vier, bei denen dies anders war. In den zwei Jahren, seit U-Report existiert, haben mehr als 49.000 Menschen, in sechs von zehn Fällen junge Männer, den Beratern des Dienstes eine Frage gestellt. Insgesamt sind 105.000 Personen als User registriert.

U-Report, der auf die Software von BongoHive, dem Innovationszentrum in Lusaka zurückgreift, und vom Weltkinderhilfswerk UNICEF unterstützt wird, deckt derzeit die sambische Hauptstadt und die Industrieregion Copperbelt ab. In Kürze soll der Service landesweit zugänglich sein, wie der Softwareentwickler Andrie Lesa im IPS-Gespräch erklärt. Das Konzept macht bereits außerhalb des Landes Schule. So ist UNICEF derzeit dabei, es in Liberia als Ebola-Informations-Tool einzusetzen.

Im Callcenter in Lusaka arbeiten 23 Berater in Schichten rund um die Uhr. Doch die Anfragen kommen nicht ausschließlich von Teenagern, sondern auch von Eltern, die sich bei den Experten Rat suchen, um die Fragen ihrer Kinder zum Thema HIV/AIDS beantworten zu können.

Große Bereitschaft bei Nutzern, sich testen zu lassen

Wie Umfragen von U-Report zeigen, lassen sich 40 Prozent der User-Gemeinde auf HIV/AIDS testen. Ebenso vielversprechend ist die Bereitschaft, sich an U-Report-Umfragen zu Themen wie Jugend und HIV/AIDS zu beteiligen. Dann gehen bei U-Report sogar um die 1.000 SMS pro Tag ein.

"Was ich von U-Report lerne, hilft mir, anderen zu helfen", sagt ein junger Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Sieben seiner Angehörigen seien HIV-positiv: sein Vater, der wiederum zwei seiner vier Frauen angesteckt habe, und vier seiner Kinder im Alter zwischen drei und 27 Jahren.

"Für meine jüngeren Geschwister bin ich der Wissensvermittler", betont der 21-Jährige stolz. Er gehört zu den 84 Prozent aller Sambier, die im Besitz von Mobiltelefonen sind. Der Zugang zum Internet in dem Binnenstaat im südlichen Afrika beschränkt sich hingegen auf 14 Prozent. Handys sind somit besonders geeignet, um möglichst viele Menschen zu erreichen. (afr/IPS)

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