Ruanda: Afrikas Chic für die ganze Welt

Junge Modedesignerinnen stellen sich vor

Von Amy Fallon | 20.11.2013

Kigali. Als die Ruanderin Colombe Ituze Ndutiye sechs Jahre alt war, wollte sie noch Comiczeichnerin werden. Doch ihr Weg führte in eine andere Richtung. Mit 25 ist sie die erste Frau ihres Landes, die ein eigenes Modelabel gegründet hat. Gemeinsam mit neun weiteren Designerinnen aus Ruanda zeigte Ndutiye ihre Kreationen am 8. November auf der zweiten 'Kigali Fashion Week'.

"Ich wollte etwas Modernes und gleichzeitig Klassisches schaffen", beschreibt sie ihre neue Kollektion 'Wild Identity' (Wilde Identität). Ihr Modelabel trägt den Namen 'INCO icyusa'. Um zwei sehr verschiedene Kulturen miteinander zu verbinden, greift sie zu traditionellen Accessoires, die etwa bei Hochzeiten getragen werden. Es habe sie gereizt, etwas Typisches aus ihrer Heimat mit der westlichen Kultur zusammenzubringen, erklärt Ndutiye. Für Mode interessiert sie sich, seit sie in Ruanda einen belgischen Designer getroffen hat.

Die Wirtschaft des ehemaligen Bürgerkriegslandes, in dem ein Völkermord im Frühjahr 1994 fast einer Million Menschen das Leben kostete, hat sich inzwischen merklich erholt. Vor 1994 war der Industriesektor des Landes "klein und nicht konkurrenzfähig", heißt es in einem im Oktober verbreiteten Bericht der Analysefirma 'Consultancy Africa Intelligence' mit Sitz in Südafrika. Produziert wurden damals hauptsächlich Seife, Textilien, Getränke, Möbel und Plastikgegenstände.

Ruanda will afrikanisches Singapur werden

Die Regierung hofft aber nun, dass Ruanda das 'Singapur Afrikas' wird, wie aus dem Report hervorgeht. Das Land wolle an die Leistungen des südostasiatischen Stadtstaates auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie heranreichen, indem entsprechende Strategien umgesetzt würden.

Den Analysten zufolge ist Ruanda in diesem Bereich bereits weit vorangekommen. Auch die Hoffnungen auf einen ähnlichen Erfolg im Modegeschäft sind groß. Vor etwa zwei Jahren wurde das Unternehmen 'House of Fashion' gegründet, das den Textilsektor in Ruanda aktiv unterstützen soll.

Sein Direktor John Bunyeshuli beschreibt den Stil seiner Landsleute als "subtil". Angehörige der oberen Gesellschaftsschichten könnten es sich leisten, nach Europa zu reisen und sich dort einzukleiden. "Die Mittelschicht geht aber meist auf die Märkte, um Second-Hand-Kleidung zu kaufen", sagt er. Mode werde in seinem Land als Luxus betrachtet.

Die Firma 'LDJ Productions', die seit etwa zehn Jahren die renommierte 'New York Fashion Week' organisiert, sieht in Ruanda durchaus Möglichkeiten einer florierenden Bekleidungsindustrie. LDJ-Chefin Laurie DeJong betreut die Newcomerin Ndutiye seit zwei Jahren, nachdem sie über das 'Peace Through Business'-Programm (PTB), einer Initiative der US-Organisation 'Institute for Economic Empowerment of Women', auf die Newcomerin aufmerksam wurde. PTB bringt westliche Unternehmerinnen mit Frauen in Afghanistan und Ruanda zusammen. Obwohl Ndutiye nicht zu den Auserwählten gehörte, brachte PTB sie mit DeJong zusammen.

"Mode ist einer der größten Industriezweige weltweit", erklärt die Präsidentin von LDJ Productions. "Die New York Fashion Week ist eine der wichtigsten Veranstaltungen in der Stadt und generiert mehr Einnahmen als jedes andere Event. Und ich sehe für Ruanda ebenso vielversprechende Einkommensmöglichkeiten."

Tatkräftige Unterstützung aus New York

Vor der Modenschau in Kigali am 8. November half LDJ bei den Vorbereitungen wie dem Aufbau des Laufsteg und der Installation von Beleuchtungs- und Soundsystemen. Außerdem organisierte die US-Firma Marketing-Workshops und Fotoshootings. "In Ruanda läuft alles in einem viel kleineren Maßstab ab, als wir es gewohnt sind", sagt DeJong. "Es ist schwierig, in einem Land zu arbeiten, das nicht über die Ressourcen verfügt, die uns sonst bereitstehen. Dafür ist der Wunsch der Beteiligten, etwas dazuzulernen, umso größer."

Auch die aufstrebende Modedesignerin Michaella Rugwizangoga sieht Nischen für afrikanische Designermode. Ihre Linie 'Chicissime', die sie im vergangenen Jahr vorgestellt hat, will sie auf jeden Fall in ihrer Heimat weiterentwickeln. Die westafrikanische Modeindustrie habe eine lange Tradition, sagt sie. "Mein Geburtsland Côte d'Ivoire hat einen Zugang zum Meer. Deshalb ist da die Auswahl an Stoffen größer."

Rugwizangoga weist auf den Erfolg ghanaischer und nigerianischer Designer hin, die ihre Kreationen inzwischen auch im Londoner Kaufhaus 'Selfridges' anbieten. Dort sind Artikel des nigerianischen Modelabels 'Ndani' zu haben, das mit mehreren Designern zusammenarbeitet.

Ausbildungsmöglichkeiten fehlen

Der Enthusiasmus der angehenden Designer in Ruanda ist groß, doch es fehlen geeignete Ausbildungsmöglichkeiten. Bisher gibt es in dem Land keine einzige Modeschule. "Du kannst den Job zwar auch so lernen. Doch wirst du ohne das entsprechende Basiswissen und ohne die Chance auf Praktika in großen Modehäusern niemals wirklich gut werden", meint die in Belgien geborene Candy Basomingera, die gemeinsam mit Sonia Mugabo die Damenmodelinie von 'Afrikana Exquisiteness' entworfen hat.

Basomingera will bald anfangen, ihre Kleidungsstücke über das Internet zu verkaufen. Bis vor einem Jahr arbeitete sie im öffentlichen Gesundheitswesen. Als ihr Vertrag auslief, stand der Entschluss fest, es in der Modebranche zu versuchen. Sie hat den großen Wunsch, ruandische Modedesigner, Models, Schneider und Fotografen im Ausland bekannt zu machen.

Es besteht die reelle Chance, dass einige Designer aus Ruanda im nächsten Jahr zur New York Fashion Week fahren können. Und für die dritte Modewoche in Kigali sollen internationale Sponsoren geworben werden. Davor ist im Mai 2014 bereits eine Fashion Week geplant, die wichtige Vertreter der Branche aus den USA, Kanada und Großbritannien anlocken soll. Langfristiges Ziel ist die Eröffnung der ersten Modeschule Ruandas in Zusammenarbeit mit dem 'House of Fashion'. (afr/IPS)

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