Nigeria: Wole Soyinka fordert Militärintervention gegen Boko Haram

Hochkarätige Entwicklungsdebatte bei UN-Weltfriedenstag in New York

Von Becky Bergdahl | 26.09.2012

New York. Der nigerianische Literaturnobelpreisträger von 1986, Wole Soyinka, hat bei seinem jüngsten Besuch in New York eine Militärintervention in seinem Land gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram gefordert. Die radikal-fundamentalistische Organisation sei gewalttägig und müsse bekämpft werden, betonte Soyinka.

Der Weltfriedenstag am 21. September in New York wurde mit einer Debatte über die Chancen einer globalen Kultur der Toleranz begangen. Dazu waren neben Soyinka Teilnehmer wie Hollywood-Star Forest Whitaker und der Entwicklungsökonom Jeffrey Sachs eingeladen. Nach seiner Rede sprach Wole Soyinka mit IPS über die Situation in seinem Heimatland Nigeria, wo die radikal-islamische Gruppierung Boko Haram vor allem den Norden des Landes in Angst und Schrecken versetzt. Boko Haram will die Einführung des islamischen Rechts der Scharia erzwingen. Die Organisation wird für den Tod tausender Nigerianer und die Zerstörung etlicher Kirchen verantwortlich gemacht.

"Wir haben es hier mit einer Gruppe zu tun, die Schulen schließt, Universitätsprofessoren erschießt und den Norden des Landes in eine Bildungswüste verwandelt", meinte Soyinka. Um den dort lebenden Kindern eine Chance auf Bildung zu geben, "müssen wir zuerst die Boko Haram loswerden".

Soyinka räumte ein, dass sein Aufruf zu einem gewaltsamen Vorgehen am UN-Weltfriedenstag einen gewissen Widerspruch darstelle. Er beharrte jedoch darauf, dass die Boko Haram gewaltsam bekämpft werden müssten.

Bildung fördert den Frieden

In der UN-Erklärung und im Aktionsprogramm für eine Kultur des Friedens von 1999 werden Bildung und Friedenserziehung als entscheidende Instrumente zum Aufbau einer Kultur des Friedens hervorgehoben. Auch auf der Konferenz in New York wurde immer wieder auf den friedensfördernden Wert der Bildung hingewiesen.

"Ignoranz ist die eigentliche Waffe der Massenzerstörung", sagte der britisch-iranische Philanthrop Nasser David Khalili auf der UN-Konferenz am 21. September. Schulbildung sei für den Aufbau einer Kultur des Friedens unerlässlich.

Jeffrey Sachs, Professor für nachhaltige Entwicklung an der Columbia-Universität, schilderte am Beispiel Malis, wie Hunger und Armut Kriege schüren. In der malischen Sahelzone hatte eine Hungernot im letzten Sommer einen Konflikt zwischen Nomaden und Bauern ausgelöst.

Sachs bemängelte, dass solchen Zusammenhängen viel zu wenig Aufmerksamkeit gezollt werde. Er schilderte seine Enttäuschung darüber, dass es ihm nicht gelungen sei, Weltbankgelder für Mali aufzutreiben. "Sprich von Al-Qaeda und du bekommst Millionen für Raketen. Doch bemühe dich um Präventionsmaßnahmen und du gehst leer aus." Der Ökonom forderte die politischen Entscheidungsträger auf, endlich mehr in die Entwicklung als ins Militärische zu investieren.

Lakshmi Puri, Vizeexekutivdirektorin der Weltfrauenorganisation 'UN Women, hob auf der Konferenz die Bedeutung hervor, die soziale Gerechtigkeit für den Frieden spiele. "Da Frauen die ganze Last der Armut tragen", forderte sie eine stärkere Berücksichtigung der Frauen in den Entwicklungsprogrammen. (Ende)

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